Methodik & Didaktik

Der muttersprachliche Unterricht soll Schüler/innen mit anderer Erstsprache als Deutsch dabei unterstützen, in ihrer Erstsprache alltags- und bildungssprachliche Kompetenzen aufzubauen und weiter zu entwickeln.  Der muttersprachliche Unterricht ist auch ein wichtiger Baustein für eine mehrsprachige Identitätsentwicklung.

Unterschiedliche Kenntnisse in der Erstsprache

Schüler/innen, die den muttersprachlichen Unterricht besuchen, bringen unterschiedliche Kompetenzen in ihrer/ihren Erstsprachen in die Schule mit. Für manche Schüler/innen ist ihre Erstsprache die Sprache eines Elternteils und/oder ihrer Großeltern. Sie lernen sie wie eine Fremdsprache. Andere Kinder und Jugendliche beherrschen ihre Erstsprache bereits in der Standardvarietät mündlich und schriftlich. Manche Schüler/innen kommunizieren in ihrer Erstsprache bisher vor allem mündlich in der Familie und im Lebensumfeld - möglicherweise in einer regionalen Sprachvarietät. Entsprechend heterogen sind die Lerngruppen –  auch, was das Alter der Schüler/innen und ihren Bildungshintergrund betrifft. In schulübergreifenden Kursen können die Schüler/innen aus unterschiedlichen Schularten kommen.

Vielfältige Didakik/Methodik

Zwischen dem muttersprachlichen Unterricht und dem DaZ-Unterricht besteht eine enge Beziehung, zum Beispiel wenn Kinder und Jugendliche in der Erst- und Zweitsprache alphabetisiert werden. Ein fachsensibler muttersprachlicher Unterricht ist notwendig, damit bildungs- und fachsprachliche Kenntnisse in der Erstsprache zu Themen aus anderen Unterrichtsfächern angebahnt und aufgebaut werden können. Auch bilinguale Lernsettings bieten sich an. 

Muttersprachliche Lehrpersonen brauchen daher für ihren Unterricht Wissen über Konzepte und Modelle aus der Erstsprachen-, Zweitsprachen- und Fremdsprachendidaktik. Um die Anforderungen des muttersprachlichen Unterrichts zu erfüllen, braucht es die nötigen Rahmenbedingungen an den Schulen sowie den Willen des Schulteams und die Unterstützung der Schulleiter/innen, um den muttersprachlichen Unterricht stärker mit dem Regelunterricht und dem DaZ-Unterricht zu verknüpfen. 

Im Unterricht werden für Schüler/innen Lerngelegenheiten geschaffen, bei denen ...

  • kommunikative Kompetenzen und Wortschatz in der Erstsprache systematisch aufgebaut werden,
  • Sprachenvergleiche stattfinden,
  • die bisherigen Sprachlernerfahrungen berücksichtigt und
  • Erst- und Zweitsprache bewusst miteinander vernetzt werden.

(Schader 2016)

Materialien für den herkunftssprachlichen Unterricht (2016)
Hrsg. von Basil Schader. Zürich: Füssli.

Die einzelnen Heftbände bieten Grundlagen und gehen auf die einzelnen sprachlichen Bereiche des Erstsprachenunterrichts ein: Mündlichkeit, Förderung des Lesens und Schreibens. Zwei der Bände widmen sich interkulturellen Kompetenzen und Lernstrategien/-techniken.
Eine nähere Beschreibung finden Sie

Kompetenzorientierung

Im Unterricht arbeitet man mit den Schüler/innen am Auf- und Ausbau kommunikativer Kompetenzen in 

  • Sprechen,
  • Hören,
  • Lesen,
  • Schreiben und
  • linguistischen Kompetenzen. Darunter fallen Wortschatz und Strukturen auf Wort-, Satz- und Textebene, Schrift und Rechtschreibung, Aussprache und Intonation, Sprachreflexion (Sprachvergleich und metasprachliche Fähigkeiten) und Sprachmittlung (Übersetzen/Dolmetschen in altersgemäßem Kontext). 

Die Alphabetisierung erfolgt zeitlich VOR dem Erwerb von Schreib- und Lesefähigkeiten – möglichst parallel zur Alphabetisierung in Deutsch. Daher ist eine enge Absprache mit der Klassenlehrperson notwendig. Vorerfahrungen im Gebrauch der Schriftsprache werden im Unterricht aufgegriffen. Die Lehrperson bietet genügend Lerngelegenheiten, damit die Schüler/innen mündliche und schriftliche Texte situationsgerecht produzieren und verstehen können.