Portugiesisch in Tirol

Es begann damit, dass Julliane de Oliveira Rüdisser das Projekt „Mala de Herança em Tirol“ (Erbkoffer in Tirol) ins Leben rief, das Familien bei der zweisprachigen und interkulturellen Erziehung ihrer Kinder unterstützt. Seitdem wächst das Projekt und das portugiesischsprachige Netzwerk in Tirol.

Interview: Michael Achleitner

In Tirol leben über 300 Menschen brasilianischer Herkunft über 650 Portugiesen. Wie und warum unterstützen Sie diese Menschen?

Julliane de Oliveira Rüdisser: Im Jahr 2015 führte ich für mein Diplomarbeit an der Universität Innsbruck Recherchen zum Thema Mehrsprachigkeit durch. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass es in Westösterreich zwar einige Angebote rund um das Thema Mehrsprachigkeit gab, aber keines für Portugiesisch. Kindern mit portugiesischsprachigen Eltern hatten also kaum Möglichkeiten ihre „Erbsprache“ zu pflegen. Deshalb startete ich das Projekt „Mala de Heranca em Tirol“, was übersetzt soviel heißt wie „Erbkoffer in Tirol“. Die Idee dahinter ist, portugiesischsprachige Bücher zu organisieren, sie in einen Koffer zu packen und regelmäßige Treffen für Familien zu organisieren. Bei diesen Treffen wird auf Portugiesisch vorgelesen und die Bücher können ausgeliehen werden.

Welche schulischen und außerschulischen Aktivitäten bietet das Projekt?

„Mala de Heranca em Tirol“ ist in den letzten fünf Jahren enorm gewachsen. Wir betreiben inzwischen die größte private portugiesischsprachige Bücherei Österreichs und bringen regelmäßig Lektüre zu mehr als 100 Familien nach Hause. „Mala de Heranca em Tirol“ hat es ermöglicht, dass Portugiesisch als Muttersprachenunterricht in Tiroler Schulen angeboten wird.


Seit 2017 können sich Schulkinder für den Portugiesischunterricht anmelden. Im Jahr 2020 gab es bereits fünf Klassen. Unsere Koffer haben sich vermehrt und reisen nun von Schule zu Schule. Zudem gebe ich gemeinsam mit Kolleginnen, die in Niederösterreich und in Wien als Lehrerinnen tätig sind, seit 2019 eine Schulzeitung auf Portugiesisch heraus. Heuer erscheinen wir schon zwei Mal im Jahr.

Sie sind in Tirol sehr gut vernetzt. Wie haben Sie dieses Netzwerk aufgebaut?

Ja, das stimmt. Aber nicht nur in Tirol, sondern weltweit. Meine persönliche Vernetzung hat mit meiner Diplomarbeit begonnen. Für meine Untersuchungen brauchte ich Interviewpartner*innen. Das Thema hat mich dann nicht mehr losgelassen und zu sehr viel persönlichem Engagement geführt. Seither bin ich, neben meiner Tätigkeit als Lehrerin, auch als Referentin für Mehrsprachigkeit tätig und darf verschiedene Institutionen und Personen beraten und begleiten.

Sie nutzen auch die Sozialen Medien (Facebook etc). Wie ist Ihre Erfahrung damit und wie wird der Kommunikationskanal angenommen?

Ohne Soziale Medien hätte ich nicht so viele Menschen erreichen können. Portugiesisch ist meines Wissens nach die Sprache, die auf Facebook am zweithäufigsten verwendet wird. Soziale Medien sind für diese Community sehr wichtig und werden stark genutzt.