BKS als lebende Fremdsprache

Von: Michael Achleitner

In einigen österreichischen Schulen wird mittlerweile neben Französisch, Spanisch und Italienisch auch Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (BKS) als zweite lebende Fremdsprache angeboten. Somit können Schülerinnen und Schüler auch in BKS maturieren.

Obwohl bereits seit Herbst 2011 eingeführt, ist es in Österreichs Schulen noch relativ unbekannt, dass Bosnisch/Kroatisch/Serbisch als lebende Fremdsprache im Lehrplan durchaus vorgesehen ist. Der Lehrplan für den Pflichtgegenstand „Lebende Fremdsprache” ist sprachneutral formuliert und folgt dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen des Europarats (GERS). Festgeschriebene Sprachen für die Hauptschule und Neue Mittelschule sind Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch, Spanisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Kroatisch (Burgenländisch-Kroatisch),  Slowenisch, Tschechisch, Türkisch und Ungarisch. Schulautonom können auch andere Sprachen angeboten werden.

In der AHS kommen noch die Sprachen Polnisch und Slowakisch hinzu. Türkisch ist im Sprachenkanon der AHS nicht enthalten. Alle diese Sprachen können als Pflichtgegenstand (1. oder 2. lebende Fremdsprache), als Wahlpflichtgegenstand, als Freigegenstand oder als unverbindliche Übung geführt werden.

In welcher Sprache kann man maturieren?

Auf Grundlage der Lehrpläne für die AHS-Oberstufe und der Reifeprüfungsverordnung kann die Matura in der ersten lebenden Fremdsprache, in der zweiten lebenden Fremdsprache sowie in Latein und Griechisch abgelegt werden. Falls schulautonom eine dritte lebende Fremdsprache angeboten wird und diese im Lauf von vier Jahren im Ausmaß von mindestens acht Wochenstunden unterrichtet wurde, ist eine mündliche Reifeprüfung, mit zumindest zehn Wochenstunden und sofern im Lehrplan auf allen Schulstufen Schularbeiten vorgesehen sind, ist auch eine schriftliche Reifeprüfung möglich. (Weitere Informationen finden Sie im Informationsblatt Nr. 1: Gesetze und Verordnungen)

Vorzeigeprojekt in Kärnten

Die HTL-Villach hat sich und ihren Schülerinnen und Schülern diese mögliche Sprachenvielfalt bei der ersten bzw. zweiten lebenden Fremdsprache zu Nutze gemacht. Denn während Englisch mittlerweile zu den Grundkenntnissen eines österreichischen Technikers gehören, erhöht die Kenntnis jeder zusätzlichen Sprache die Chancen am internationalen Arbeitsmarkt.

Derzeit besuchen etwa 120 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund aus Ex-Jugoslawien die HTL-Villach. Als größte Schule Kärntens fördert die HTL-Villach dieses Potenzial der Mehrsprachigkeit, um den Schülerinnen und Schülern bessere Chancen am Arbeitsmarkt mitzugeben.

Bosnisch/Kroatisch/Serbisch als zweite lebende Fremdsprache auch in Wiener Schulen

Auch Wiener Schulen haben dieses Potenzial erkannt. So ist etwa das BORG Henriettenplatz, die erste AHS in Wien, die Bosnisch/Kroatisch/Serbisch als zweite lebende Fremdsprache anbietet.

Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler mit muttersprachlichen Kompetenzen in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch gemeinsam mit AnfängerInnen zu einem vergleichbaren höheren Sprachbeherrschungsniveau zu führen. Binnendifferenzierung in den ersten drei Jahren und eine möglichst gemeinsame Führung im letzten Schuljahr sollen eine Reifeprüfung auf dem Niveau B1+/B2 und B2+/C1 (nach GERS) ermöglichen.

Eine Chance, kein Problem

Bosnisch/Kroatisch/Serbisch wird auch in den kaufmännischen Schulen des BFI Wien in allen drei Sprachvarianten unterrichtet, wobei die Gemeinsamkeiten im Vordergrund stehen. „Wir sind stolz darauf, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch anzubieten”, erklärt deren Geschäftsführer, Franz-Josef Lackinger. „Wenn man sich mit der europäischen Wirtschaft beschäftigt, sieht man, dass sich der Osten als prominenter Platz entwickelt. Die Jungen erleben die Einbeziehung der mittel- und osteuropäischen Länder schon als  Selbstverständlichkeit, sie kennen die Situation des ‚Eisernen Vorhangs’ nicht. Wir sehen die andere Muttersprache als Chance und nicht als Problem”, so Lackinger.

„Wir denken, dass wir, als wir Bosnisch/Kroatisch/Serbisch zur Wahl angeboten haben, sowohl auf den Bedarf der Schülerinnen und Schüler, des Arbeitsmarktes bzw. der Wirtschaft reagiert haben, als auch ein wichtiges integrationspolitisches Zeichen setzen konnten. Und wir möchten damit natürlich BKS in eine Reihe mit allen anderen in der Schule gepflegten Sprachen stellen“, so der Geschäftsführer der kaufmännischen Schulen des BFI.