1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

Shqip, gjuha shqipe

shqip – Albanisch
gjuha shqipe – die albanische Sprache
(Flas shqip. – Ich spreche Albanisch.)

Bevor die Sprache im Albanischen „shqip“ und ihre Sprecher „shqiptarë“ (Skipetaren) genannt wurden, wurde auch im Albanischen für die Bezeichnung der albanischen Sprache der Ausdruck „arbërisht“ verwendet, von dem die Bezeichnung der Sprache in allen anderen europäischen Sprachen abgeleitet ist. Es wird angenommen, dass diese Bezeichnung auf den von Ptolemäus von Alexandria genannten illyrischen Stamm der Albaner in dem Gebiet in der Nähe der heutigen Stadt Durrës zurückgeht, doch wurde der Ausdruck „arbërisht“ später nur mehr für das in Griechenland und Süditalien gesprochene Albanisch gebraucht. „Shqip“ kommt in der älteren Literatur zunächst nur selten vor, und es wird angenommen, dass es ursprünglich die Bedeutung von „klar, deutlich, unmissverständlich“ hatte.

1.2 Wo Albanisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

Die Zahl der SprecherInnen des Albanischen wird auf ca. 6,5 Millionen geschätzt.
Albanisch ist die Amtssprache der Republik Albanien und wird dort von über 3 Millionen Menschen als Erstsprache gesprochen. Die übrigen Sprechergruppen der Republik Albanien sprechen Albanisch als Zweitsprache. Von ihnen haben laut Harald Haarmanns Sprachen-Almanach (2002) als Erstsprache Romani zwischen 0,1 und 0,5 Millionen, Aromunisch bzw. Vlachisch und Griechisch jeweils zwischen 50.000 und 100.000 sowie Makedonisch zwischen 20.000 und 50.000.

Albanisch wird auch im Kosovo gesprochen. Aktuellen Schätzungen der OSZE zufolge leben im Kosovo 91 % Albaner, 5 % Serben und 4 % Angehörige sonstiger Minderheiten. Die sonstigen im Kosovo lebenden Minderheiten sind Türken, Bosniaken, Torbeschen, Goraner, Janjever (ursprünglich in Janjevë ansässige Kroaten), Roma und Aschkali. Auch Tscherkessen aus dem Nordkaukasus haben sich im 19. Jahrhundert im Kosovo angesiedelt.

In Makedonien, das der Volkszählung von 2003 zufolge 2,02 Millionen Einwohner hat, sind 25,2 % der Bevölkerung Albaner, 64,2 % Makedonier, 3,9 % Türken, 2,6 % Roma, 1,8 % Serben, 0,8 % Bosniaken, 0,5 % Vlachen und 1 % andere. 2001 wurde der Status des Albanischen zu dem einer regionalen Amtssprache aufgewertet.

Als Minderheitensprache wird Albanisch auch in den anderen aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorgegangenen Staaten, in Süditalien (ca. 100.000), Griechenland und der Türkei gesprochen. Die Migration nach Süditalien setzte im 15. Jahrhundert infolge der Eroberung der albanischsprachigen Gebiete durch das Osmanische Reich ein. In der Vergangenheit setzte sich das albanische Sprachgebiet bis weit nach Griechenland fort. Doch kam es im Zeitraum zwischen 1913 und 1944 zu massiven Vertreibungen der so genannten Tschamen aus Griechenland in die Türkei und 1944 nach Albanien, wo heute zwischen 150.000 und 300.000 Tschamen leben. Weiter südlich wird in Griechenland das so genannte Arvanitische, die Albanisch-Varietät der in den südlicheren Teilen Griechenlands lebenden albanischsprachigen Bevölkerung gesprochen.

Migrationsbewegungen haben SprecherInnen des Albanischen seit dem 19. Jahrhundert in verschiedene ost-, mittel-, west- und nordeuropäische Staaten sowie nach Nordamerika und Australien geführt. Nach der politischen Wende in Albanien in den 1990er Jahren kam es zu umfangreichen Migrationsbewegungen vor allem nach Italien und Griechenland. Die Zahl der außerhalb des Balkans lebenden AlbanischsprecherInnen wird auf eine Million geschätzt (albanischen Schätzungen zufolge leben derzeit 42.000 in Österreich).

Dialektal zerfällt das Albanische in zwei Dialekte, das Gegische (gegërishtja) nördlich des Flusses Shkumbin und das Toskische (toskërishtja) südlich davon. Die Varianten in Süditalien und Griechenland (arbërishtja) sind dem Toskischen zuzuzählen. In der heutigen albanischen Standardsprache, die seit 1972 auch außerhalb des Staatsgebiets der Republik Albanien als gemeinsame Norm anerkannt ist, überwiegen die toskischen gegenüber den gegischen Elementen bei weitem. Die Unterschiede zwischen dem Gegischen und dem Toskischen beziehen sich in erster Linie auf die Phonologie (z. B. Nasalvokale und Relevanz der Vokallänge im Gegischen), aber auch auf die Morphologie (Bildung von Imperfekt, Futur, Konditional und Partizip, Vorhandensein eines Infinitivs im Gegischen im Gegensatz zum Toskischen).

Albanisch ist eine indoeuropäische Sprache, wie 1854 von dem deutschen Sprachwissenschaftler Franz Bopp erstmal nachgewiesen wurde, bildet innerhalb der indoeuropäischen Sprachen aber eine eigene Gruppe. Im Allgemeinen gilt heute die Hypothese, dass das Albanische aus dem Illyrischen hervorgegangen ist, das in Europa früher eine viel weitere Verbreitung hatte, als die wahrscheinlichste. Die Übereinstimmung albanischer Wörter mit nicht romanischen Wörtern des Rumänischen kann durchaus auch aus einem Sprachkontakt des Illyrischen mit dem Thrakischen erklärt werden.  Darüber hinaus ist das Albanische reich an Entlehnungen, vor allem aus dem Lateinischen, Griechischen, romanischen sowie slawischen Sprachen und dem Türkischen.

Das älteste bisher bekannte in albanischer Sprache verfasste Werk ist das Messbuch (Meshari) von Gjon Buzuku aus dem Jahre 1555. Aus früherer Zeit sind nur einige kurze Texte in anderssprachigen Werken erhalten (z. B. eine Taufformel in einer in lateinischer Sprache verfassten Schrift des Erzbischofs von Durrës aus dem Jahre 1462).

Einen besonderen Impuls bekam das albanischsprachige literarische Schaffen in der Zeit der „nationalen Wiedergeburt“ (Rilindja) 1844 – 1912, deren Vertreter die Fremdherrschaft abschütteln wollten und das Volk zur Pflege der nationalen Werte, insbesondere auch der albanischen Sprache, die vereinheitlicht werden sollte, aufriefen. Diese Bewegung stand ganz in der Tradition der Romantik, bevorzugte literarische Gattung war die Lyrik. Von großer Bedeutung waren aber auch die Veröffentlichung volkstümlicher Literatur und die Entwicklung eines publizistischen Schaffens. Da das Schreiben der albanischen Sprache in dieser Zeit innerhalb des geschlossenen Sprachgebiets verboten war, konnte nur außerhalb desselben veröffentlicht werden.

Vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Interesse der Österreichisch-Ungarischen Monarchie an Albanien immer größer. Österreich-Ungarn schickte Konsuln in verschiedene albanische Städte und subventionierte Bildungswesen und Kultur. In „Wien als Magnet? Schriftsteller aus Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa über die Stadt“, hg. von Gertraud Marinelli-König und Nina Pavlova, findet sich ein Artikel von Ina Arapi mit dem Titel „Wien und die albanischen Schriftsteller. Von der osmanischen Herrschaft bis zum Zweiten Weltkrieg“, der Beziehungen nicht nur zu Wien, sondern auch zu anderen österreichischen Städten aufzeigt.

„Wie Albanien albanisch wurde: Rekonstruktion eines Albanienbildes“, eine 2001 an der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien von Lindita Arapi eingereichte Dissertation, gibt Aufschluss über die Entwicklung des Albanienbildes vor allem im deutschsprachigen Raum, insbesondere während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (Reiseberichte, Karl May, Karl Otten, Joseph Roth und vieles mehr).

Von der zeitgenössischen albanischen Literatur sind vor allem die Werke von Ismail Kadare ins Deutsche übersetzt. Umgekehrt wurden auch österreichische Autoren des 20. Jahrhunderts, insbesondere Stefan Zweig, zum Teil schon in kommunistischer Zeit, ins Albanische übersetzt.

1.3 Sprachbrücken Albanisch – Deutsch

Albanisch und Deutsch haben auf Grund ihrer gemeinsamen indoeuropäischen Herkunft natürlich viele gemeinsame Erbwörter, die für den Laien in der Regel als solche allerdings oft nicht zu erkennen sind.

Ein zwar nicht direkter Bezug zu einem albanischen Namen ist durch das deutsche Wort „Enzian“ gegeben. Im 20. Jahrhundert wurde in der Vornamengebung im Albanischen massiv auf illyrische Vorbilder zurückgegriffen, beispielsweise auf den Namen „Genc“ oder „Gent“, der auf den Namen des illyrischen Königs Genthius zurückgeht, der laut Plinius dem Älteren die Alpenblume Enzian (lat. „gentiana“) entdeckt haben soll.

Eine mit Vorsicht zu genießende Liste deutscher Lehnwörter im Albanischen kann unter http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Wörter_in_anderen_Sprachen eingesehen werden.

1.4 Namen und Anrede

Dass es für Substantiva im Albanischen sowohl eine bestimmte als auch eine unbestimmte Form gibt, findet auch bei den Personennamen seinen Niederschlag. Isoliert (etwa in Personenstandsurkunden) stehen die Vornamen in der Regel in der unbestimmten, die Familiennamen in der bestimmten Form, was besonders deutlich wird, wenn sie von Vornamen oder von Berufsbezeichnungen abgeleitet sind (z. B. Ismail Qemali: die bestimmte Form von Ismail wäre Ismaili, die unbestimmte Form von Qemali Qemal). Darüber hinaus ist zu beachten, dass sowohl Vor- als auch Familiennamen, in einem Satz gebraucht, dekliniert werden müssen und je nach Fall die entsprechende Endung erhalten.

Als Anrede werden „Zoti Gashi“ (Herr Gashi) und „Zonja Gashi“ (Frau Gashi) verwendet. Gebräuchlicher als der Familienname ist in der Anrede – anders als im Deutschen – jedoch der Vorname.

Im Albanischen wird zwar wie im Deutschen zwischen „du“ (ti) und der Höflichkeitsform „Sie“ (Ju) unterschieden, die Anwendung unterscheidet sich aber doch etwas vom Deutschen, da viel häufiger als im Deutschen die Du-Form verwendet wird, und bei dem Gebrauch der Sie-Form der Angesprochene auch den Eindruck vermittelt bekommen könnte, man spräche von mehreren Personen, da „ju“ auch „ihr“ bedeutet. Dies ist jedoch in erster Linie vom sozialen Status des Angesprochenen abhängig.