2. Allgemeine Kurzinformation zur Sprache

2.1 Textproben

Sprichwörter

Vetëm i zoti e nxjerr gomarin nga balta.
(Nur der Besitzer selbst zieht seinen Esel aus dem Dreck. = Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.)

Ujku qimen e ndërron, por zakonin s’e harron.
(Der Wolf wechselt sein Fell, vergisst aber nicht seine Gewohnheiten. = Die Katze lässt das Mausen nicht.)

2.2 Schrift und Aussprache

Albanisch wird heute in lateinischer Schrift geschrieben, das albanische Alphabet verwendet folgende 36 Buchstaben:

Aa, Bb, Cc, Çç, Dd, DHdh, Ee, Ëë, Ff, Gg, GJgj, Hh, Ii, Jj, Kk, Ll, LLll, Mm, Nn, NJnj, Oo, Pp, Qq, Rr, RRrr, Ss, SHsh, Tt, THth, Uu, Vv, Xx, XHxh, Yy, Zz, ZHzh.

Nur im Albanischen, nicht aber im Deutschen kommen vor: ç, dh, ë, gj, ll, nj, rr, sh, th, xh und zh, wobei die aus zwei Konsonanten bestehenden Buchstaben jeweils als ein Zeichen gelten (entsprechend auch die Anordnung im Wörterbuch). Nur im Deutschen, nicht aber im Albanischen kommen vor: w, ä, ö, ü und ß

Anmerkungen zur Aussprache:

c wie z in Ziege
ç wie tsch in Deutsch
dh wie stimmhaftes englisches „th“ in that
ë Schwalaut (kommt sowohl in betonten als auch in unbetonten Silben vor)
gj palatales d, entspricht dem serbokroatischen „đ“, vergleichbar mit dem ungarischen „gy“ in magyar
ll wie das sogenannte Meidlinger L
nj wie italienisches „gn“ in lasagne
q palatales t, entspricht dem serbokroatischen „ŧ“, gleiche Artikulation wie gj, nur stimmlos
r kurzes Zungen-r
rr stark gerolltes Zungen-r
s wie ss in Fass (stimmlos)
sh wie sch in Schule
th wie stimmloses englisches „th“ in thing
v wie w in Wasser
x wie stimmhaftes italienisches „z“ bzw. „zz“ in mezzo
xh wie englisches „j“ in John
y wie ü in Tür
z wie s in Rose (stimmhaft)
zh wie französisches „j“ in journal

Für Albanischlernende bringt vor allem die Aussprache der Buchstaben „gj“ und „q“, für Deutschlernende mit Ausgangssprache Albanisch die Aussprache des Umlauts „ö“ Schwierigkeiten mit sich, ebenso die Unterscheidung zwischen kurzem, offenen „e“ und „o“ und langem, geschlossenen „e“ und „o“.

2.3 Besonderheiten aus der Grammatik

Albanisch ist wie Deutsch eine flektierende Sprache, d.h. grammatische Beziehungen werden durch Endungen ausgedrückt.

Haupt- und Eigenschaftswörter

Die albanischen Hauptwörter werden im Wesentlichen durch vier Kategorien charakterisiert: Geschlecht, Zahl, Fall und Bestimmtheit/Unbestimmtheit.

Die überwiegende Mehrheit der albanischen Hauptwörter ist männlich oder weiblich. Häufig, aber keinesfalls immer kann das Geschlecht aus dem Auslaut geschlossen werden. Darüber hinaus gibt es auch sächliche Hauptwörter. Es handelt sich dabei aber vorwiegend um hauptwörtlich gebrauchte Eigenschaftswörter oder Mittelwörter. Nur etwa 15 nicht abgeleitete Hauptwörter sind ebenfalls sächlich. Bei einer Reihe von Hauptwörtern kommt es zu einem Wechsel des grammatischen Geschlechts. Das bedeutet, dass Hauptwörter, die in der Einzahl männlich oder sächlich sind, in der Mehrzahl weiblich werden können, was in erster Linie von der Art der Mehrzahlbildung abhängig ist.

Wie im Deutschen werden im Albanischen sowohl bei Haupt- als auch bei Eigenschaftswörtern zwei Zahlen (Einzahl und Mehrzahl) unterschieden.

Anders als im Deutschen werden im Albanischen fünf bzw. sogar sechs Fälle unterschieden. Die ersten vier Fälle entsprechen in ihrer Funktion denen der deutschen Sprache. Der Vokativ, der häufig nicht als eigener Fall angesehen wird, ist der Form nach dem Nominativ gleich, tritt jedoch oft in Verbindung mit Interjektionen („o“ usw.) auf.  Darüber hinaus gibt es noch den Ablativ.

Mit Ausnahme des Vokativs kommen alle Fälle, anders als im Deutschen also auch der Nominativ, in Verbindung mit Präpositionen vor.

Die Fälle werden durch Endungen angezeigt, wobei in der Einzahl der Genetiv, Dativ und Ablativ und in der Mehrzahl der Genetiv und Dativ dieselbe Endung haben, Nominativ und Akkusativ unterscheiden sich nur in der bestimmten Form der Einzahl. Beim Genetiv tritt vor das Hauptwort der sog. Gelenkartikel, der ebenfalls dekliniert und zur Verknüpfung von Hauptwörtern mit bestimmten Arten von Attributen dient.

Wie im Deutschen gibt es auch im Albanischen zusammengesetzte Hauptwörter (z. B. „kryeqytet“ – „Hauptstadt“, das sich aus „krye“ – „Haupt“ und „qytet“ – „Stadt“ zusammensetzt). Viele deutsche zusammengesetzte Hauptwörter müssen jedoch durch Genetiv- oder Ablativattribute gebildet werden, die das vorangegangene Hauptwort spezifizieren, z. B. „oborri i shkollës“ (Genetiv) – „der Schulhof“ und „një oborr shkolle“ (Ablativ) – „ein Schulhof“. Da in diesen Fällen die Stellung des spezifizierten und spezifizierenden Hauptworts genau umgekehrt wie im Deutschen ist, bereiten deutsche zusammengesetzte Hauptwörter AlbanischsprecherInnen mitunter Schwierigkeiten.

Bei der Deklination der Hauptwörter werden jeweils zwei Formen – die unbestimmte und die bestimmte Form – unterschieden. Die bestimmte Form wird im Albanischen zumeist in jenen Fällen gebraucht, in denen im Deutschen ein bestimmter Artikel vor dem Hauptwort verwendet wird. Der Gebrauch der unbestimmten Form entspricht zumeist der Verwendung des Hauptworts mit dem unbestimmten Artikel oder ohne Artikel.

Die „Artikelendungen“ des Nominativs bilden die Grundlage für die Zuordnung der Hauptwörter zu verschiedenen Deklinationsklassen: männliche Hauptwörter mit der Artikelendung -i, männliche Hauptwörter mit der Artikelendung -u, weibliche Hauptwörter mit der Artikelendung -a, sächliche Hauptwörter mit der Artikelendung -t oder  -të, alle Hauptwörter in der Mehrzahl mit der Artikelendung -t oder -të.

Eigenschaftswörter müssen mit den Hauptwörtern in Geschlecht, Zahl und Fall übereinstimmen. Es lassen sich zwei Klassen von Eigenschaftswörtern unterscheiden: artikellose Eigenschaftswörter (z. B. „shqiptar“ – „albanisch“) und Eigenschaftswörter mit vorangestelltem Artikel (z. B. „i/e mirë“ – „gut“). Werden Eigenschaftswörter attributiv gebraucht, steht das Hauptwort bei den artikellosen Eigenschaftswörtern immer, bei den Eigenschaftswörtern mit vorangestelltem Artikel zumeist vor dem Eigenschaftswort (z. B. „një qytet shqiptar“ – „eine albanische Stadt“, „një shok i mirë“ – „ein guter Freund“, „qyteti shqiptar“ – „die albanische Stadt“, „shoku i mirë“ – „der gute Freund“).

Beispiele für die Deklination von in der Einzahl männlichen Hauptwörtern in Verbindung mit einem Eigenschaftswort (der Vokativ wurde weggelassen):

Einzahl
unbestimmtbestimmt
një qytet shqiptarqyteti shqiptar
eine albanische Stadtdie albanische Stadt
i/e një qyteti shqiptari/e qytetit shqiptar
një qyteti shqiptarqytetit shqiptar
një qytet shqiptarqytetin shqiptar
një qyteti shqiptarqytetit shqiptar
Mehrzahl
unbestimmtbestimmt
qytete shqiptareqytetet shqiptare
albanische Städtedie albanischen Städte
i/e qyteteve shqiptarei/e qyteteve shqiptare
qyteteve shqiptareqyteteve shqiptare
qytete shqiptareqytetet shqiptare
qytetesh shqiptareqyteteve shqiptare

„Qytet“ („Stadt“) ist ein Beispiel für ein Hauptwort, bei dem es zu einem Wechsel des grammatischen Geschlechts kommt. Es ist in der Einzahl männlich, in der Mehrzahl aber weiblich.

Einzahl
unbestimmtbestimmt
një shok i mirëshoku i mirë
ein guter Freundder gute Freund
i/e një shoku të mirëi/e shokut të mirë
një shoku të mirëshokut të mirë
një shok të mirëshokun e mirë
një shoku të mirëshokut të mirë
Mehrzahl
unbestimmtbestimmt
shokë të mirëshokët e mirë
gute Freundedie guten Freunde
i/e shokëve të mirëi/e shokëve të mirë
shokëve të mirëshokëve të mirë
shokë të mirëshokët e mirë
shokësh të mirëshokëve të mirë

Beispiele für die Deklination weiblicher Hauptwörter in Verbindung mit einem Eigenschaftswort (der Vokativ wurde weggelassen):

Einzahl
unbestimmtbestimmt
një shkollë shqiptareshkolla shqiptare
eine albanische Schuledie albanische Schule
i/e një shkolle shqiptarei/e shkollës shqiptare
një shkolle shqiptareshkollës shqiptare
një shkollë shqiptareshkollën shqiptare
një shkolle shqiptareshkollës shqiptare
Mehrzahl
bestimmtbestimmt
shkolla shqiptareshkollat shqiptare
albanische Schulendie albanischen Schulen
i/e shkollave shqiptarei/e shkollave shqiptare
shkollave shqiptareshkollave shqiptare
shkolla shqiptareshkollat shqiptare
shkollash shqiptareshkollave shqiptare
Einzahl
unbestimmtbestimmt
një shoqe e mirëshoqja e mirë
eine gute Freundindie gute Freundin
i/e një shoqeje të mirëi/e shoqes së mirë
një shoqeje të mirëshoqes së mirë
një shoqe të mirëshoqen e mirë
një shoqeje të mirëshoqes së mirë
Mehrzahl
unbestimmtbestimmt
shoqe të mirashoqet e mira
gute Freundinnendie guten Freundinnen
i/e shoqeve të mirai/e shoqeve të mira
shoqeve të mirashoqeve të mira
shoqe të mirashoqet e mira
shoqesh të mirashoqeve të mira

Das Zeitwort (Verb)

In der albanischen Standardsprache gibt es keine Nennform. Aus diesem Grund werden die Zeitwörter in den Wörterbüchern in der 1. oder 3. Person Einzahl der Gegenwart angegeben (z.B. „lernen“: „mësoj“ – „ich lerne“ oder „mëson“ – „er/sie/es lernt“).

Persönliche Fürwörter werden im Albanischen weit seltener als im Deutschen in Verbindung mit dem Zeitwort verwendet. Allerdings kann man nicht sagen, dass sie nur dann verwendet werden, wenn sie besonders hervorgehoben werden sollen.

Die Verneinung wird in Aussagesätzen mit nuk oder s’, in Befehlssätzen mit mos ausgedrückt, z.B.: „Ai sot nuk punon.“ oder „Ai sot s’punon.“ – „Er arbeitet heute nicht.“ bzw. „Mos puno sot!“ – „Arbeite heute nicht!“

Auch die doppelte Verneinung kommt im Albanischen vor, z. B.: „S’punon kurrë.“ – „Er/sie/es arbeitet nie.“

In Zusammenhang mit Verneinung und Bejahung muss auch auf einen in der Republik Albanien, nicht aber im Kosovo und Makedonien noch vorhandenen, im Verschwinden begriffenen körpersprachlichen Unterschied zwischen dem Albanischen und dem Deutschen hingewiesen werden. Bejaht wird in der Republik Albanien von vielen Albanern mit einem Kopfschütteln, während eine Kopfbewegung von unten nach oben oft eine Verneinung begleitet.

Insbesondere beim Zeitwort zeigt sich die große Formenvielfalt der albanischen Sprache. Spezialisten haben über 50 verschiedene Konjugationstypen ausgemacht. Es sind mindestens zehn Zeiten (Präsens, Imperfekt, Aorist, Perfekt, Plusquamperfekt, Aorist II, Futur, Futur Imperfekt, Futur Perfekt, Futur Plusquamperfekt), mindestens fünf Aussageweisen (Indikativ, Konjunktiv, Jussiv, Optativ, Imperativ), die Kategorie Nichtadmirativ/Admirativ, die in verschiedenen Zeiten und Aussageweisen zum Ausdruck gebracht werden kann, und mindestens zwei Handlungsformen (Aktiv und Passiv, wobei das Passiv auch zur Wiedergabe von Reflexivität und Reziprozität verwendet wird) zu unterscheiden.

Die Konjugation zumindest in der Gegenwart soll anhand des am weitesten verbreiteten Konjugationstyps veranschaulicht werden, in dem auch heute noch neue Zeitwörter gebildet werden können.

Gegenwart
EinzahlMehrzahl
1. Personpunoj – ich arbeitepunojmë – wir arbeiten
2. Personpunon – du arbeitestpunoni – ihr arbeitet
3. Personpunon – er/sie/es arbeitetpunojnë – sie arbeiten

Bei den Zeiten werden Albanischlernende vor allem bei der Unterscheidung von Imperfekt, Aorist und Perfekt Schwierigkeiten haben.

Im Imperfekt werden wie in romanischen Sprachen Ereignisse in der Vergangenheit in ihrem Verlauf oder Handlungen, die sich in der Vergangenheit wiederholen, dargestellt.

Im Aorist werden abgeschlossene Ereignisse der Vergangenheit, aber beispielsweise auch unmittelbar bevorstehende zukünftige Ereignisse dargestellt (z.B. „erdha“ – „ich komme schon“).

Das Perfekt dient zur Darstellung von in der Vergangenheit abgeschlossenen Ereignissen, die in die Gegenwart weiterwirken.

Eine Besonderheit des Albanischen ist der Admirativ, durch den der Sprecher seine Verwunderung zum Ausdruck bringen kann z. B. „Bie shi.“ (Nichtadmirativ) – „Es regnet.“ / „Rënka shi!“ (Admirativ) – „Es regnet ja!“. Darüber hinaus dient der Admirativ zur Wiedergabe von Gerüchten.

Zu den Handlungsformen Aktiv und Passiv ist noch zu sagen, dass zahlreiche Zeitwörter nur in Passivformen, die allerdings keine passive Bedeutung haben, vorkommen (z.B. „përgjigjet“ – „er antwortet“).

Durch die Partikel „po“ kann auch die Kategorie des Aspekts wiedergegeben werden (z. B. „punoj“ – „ich arbeite“ / „po punoj“ – „ich arbeite gerade“). Diese Konstruktion entspricht der „progressive form“ des Englischen, ist im Unterschied zum Englischen aber nur im Präsens und Imperfekt möglich.

2.4 Zahlen

1: një
2: dy
3: tre/tri
4: katër
5: pesë
6: gjashtë
7: shtatë
8: tetë
9: nëntë
10: dhjetë

Nur das Grundzahlwort „drei“ hat im Albanischen eine männliche und eine weibliche Form („tre“ m., „tri“ w.).

Die Zahlen von 13 bis 19 werden wie im Deutschen gebildet, nur dass zwischen „drei“ und „zehn“ das Vorwort „mbi“ („über“) tritt: „trembëdhjetë“ (wörtlich „drei über zehn“) = „dreizehn“. Analog dazu werden auch die Zahlen 11 („njëmbëdhjetë“) und 12 („dymbëdhjetë“) gebildet. Ab der Zahl 20 ist die Position der Zehner und Einer umgekehrt wie im Deutschen, z. B. 21 – „njëzet e një“ (wörtlich „zwanzig und eins“). Die Zahlwörter für 20 („njëzet“) und 40 („dyzet“) sind Überreste eines alten Zwanzigerzählsystems.

Nur wenn die Grundzahlwörter isoliert mit vorangestelltem Artikel verwendet werden, gibt es sowohl eine männliche als auch eine weibliche Form („të dy“ m., „të dyja“ w. – „die beiden“). Für Datumsangaben werden im Gegensatz zum Deutschen nicht die Ordnungszahlwörter, sondern die Grundzahlwörter verwendet.

2.5 Einige Redewendungen

Guten Morgen!Mirëmëngjes!
Guten Tag!Mirëdita! (bei der Begrüßung)
Ditën e mirë! (zur Verabschiedung)
Guten Abend!Mirëmbrëma!
Gute Nacht!Natën e mirë!
Hallo! / Ciao!Tungjatjeta!
Auf Wiedersehen!Mirupafshim!
Wie geht es dir?Si je?
Wie geht es Ihnen?Si jeni?
Wie heißt du (heißen Sie)?Si e ke(ni) emrin?
Woher kommst du (kommen Sie)?Nga je(ni)?
japo
neinjo
dankefaleminderit
bitte / keine UrsacheJu (të) lutem / s’ka përse
Entschuldigung!Më fal! (Personen, die einander duzen)
Më falni! (Höflichkeitsform)
Wie bitte?Urdhëro? (Personen, die einander duzen)
Urdhëroni? (Höflichkeitsform)
Alles Gute!Gjithë të mirat!