Sprachsensible Inhalte in Trio

Jeder Text ist Sprache. Sprache ist das Medium in jedem Fach. Jeder Unterricht ist Sprachunterricht.

Sprachsensibler Rundgang durch Trio und Trio „Hallo Österreich!“: Sehen Sie hier Trio und Trio „Hallo Österreich!“ mit verschiedenen Fachbezügen, für die Wortschatzerweiterung und mit Unterstützungen auf der Wort-/Satz-/Textebene.

Wenn Sprache nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern auch als Unterrichtsinhalt gesehen wird, spricht man vom sprachsensiblem Unterricht. Dabei geht es darum, individuelle sprachliche Hintergründe zu berücksichtigen. Diese Hintergründe können von Kind zu Kind verschieden sein, weil sie vom Bildungshintergrund der Familie beeinflusst sind. Dessen Ausprägungen hängen mit sehr verschiedenen Faktoren zusammen, von denen die Frage der schul- und ausbildungsbezogenen Bildungsnähe- bzw. -ferne nur diejenige ist, die am ehesten berücksichtigt wird. Sprachliche Lernvoraussetzungen werden auch geprägt durch die Gesprächskultur innerhalb der Familie (wieviel und worüber wird gesprochen, gibt es eher hierarchische oder gleichberechtigte Kommunikation), durch die Berufe der Bezugspersonen (so sind z. B. Eltern in Dienstleistungsberufen, wirtschaftsbezogenen Arbeitsfeldern oder naturwissenschaftlich geprägten Tätigkeitsfeldern unterschiedliche Begrifflichkeiten und Sprachbilder geläufig), durch Anzahl und Altersunterschiede von Geschwistern (von älteren Geschwistern wird auch sprachlich gelernt – jüngeren muss man sich verständlich machen), durch Medienkonsum (z. B. wenig differenzierte Sprache der Synchronisation, verkürzte Sprache von Social Media, Art und Inhalt von gedruckten Medien) und soziale Umgebungen (z. B. Stadt–Land).

Wenn Kinder in Mathematik oder im Sachunterricht Probleme haben, kann es daran liegen, dass sie dem Unterricht nicht folgen können, weil sie die Bildungssprache nicht gut genug beherrschen. Davon sind nicht nur Kinder aus so genannten „bildungsfernen“ Familien betroffen oder Kinder und Jugendliche mit Deutsch als Zweitsprache. Bildungssprache muss grundsätzlich von allen erlernt und entwickelt werden. Weil sie an Inhalte gebunden ist, geschieht das anhand von Lehrinhalten und im Rahmen von Unterricht. Wortschatz- und Begriffserweiterungen ziehen sich durch den gesamten Bildungsprozess. Darin liegt eines der wichtigsten Argumente für die Förderung der Erstsprache: auch hier muss Bildungssprache aufgebaut werden können – keineswegs nur in der Unterrichtssprache. Geschieht das nicht, entsteht ein Defizit, das im Extremfall dazu führen kann, dass jemand zwar in Deutsch den Pflichtschulabschluss schafft, in der Erstsprache aber auf dem Sprachniveau des Schuleintritts verbleibt.

Deshalb soll Bildungssprache in allen Unterrichtsfächern gefördert werden: „Jeder Unterricht ist Sprachunterricht“ lautet daher das Motto der sprachsensiblen Pädagogik. Das Beherrschen von Bildungssprache wird immer wichtiger: Für immer mehr Berufe und bezahlte Tätigkeiten ist der perfekte und adäquate Umgang mit Sprache ein großer Vorteil, wenn nicht Voraussetzung. Für die Teilhabe an der Gestaltung des sozialen Lebens in der Gesellschaft ist das aktive und passive Beherrschen ihrer Sprache, Codes und Bilder unumgänglich.

In der Schule ist die Anforderung ganz einfach definiert: Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler dem Unterricht folgen und am sozialen Schulleben teilhaben können.

Trio als Unterrichtsmedium

Für den Unterricht in mehrsprachigen Klassen wird seit 2006 von BMBWF das Magazin Trio angeboten. Es berücksichtigt neben der Unterrichtssprache Deutsch, die zweit- und dritthäufigsten Erstsprachen, Türkisch und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Mit Trio „Hallo Österreich!“ ist im Jahr 2016 eine Schwesterzeitschrift dazugekommen. Sie wird vom Österreichischen Roten Kreuz ermöglicht und ist auf den Unterricht in Klassen mit geflüchteten Kindern abgestimmt. Hier werden auch deren Sprachen einbezogen – z. B. Arabisch und Dari.

Damit gibt es ein Angebot, das den Aufbau von Bildungssprache in allen berücksichtigten Sprachen unterstützt. Weil es im schulischen Rahmen bearbeitet wird, haben alle Lehrpersonen – Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer, Fachlehrerinnen und Fachlehrer sowie Lehrer/innen für die Erstsprachen – die Möglichkeit, dieses Angebot in einer für ihre Schülerinnen und Schüler passenden Form zu nutzen. Ein vergleichbarer Effekt wäre in größerem Rahmen nur mit Schulbüchern in mehreren Sprachen zu erreichen.

Wie sprachsensibel sind die Trio-Magazine gestaltet? Ein Rundgang durch einige Trio-Seiten (siehe dazu auch die Bildgalerie oben) zeigt folgende Schwerpunkte:

  • Wortschatzerweiterung zu Sachthemen durch Beschreibungen von Experimenten mit Materialangaben, Kochrezepte und Fachbegriffe wie etwas Musikinstrumente.
  • Zugängliches Layout mit portionierten Texten und Erklärungen in Infokästen.
  • Grafiken als Unterstützung zu Erklärungen im Text. Zusätzlich kann Trio nicht nur an die Bildungssprache heranführen, sondern die Mehrsprachigkeit der Kinder als Ressource darstellen: Sprachenvergleiche als Lernunterstützung, wenn Fachbegriffe in mehreren Sprachen gezeigt werden.
  • Sprachhandlungen ermöglichen: Die Texte in Trio sind nicht komplett übersetzt, sondern ergänzen einander. Um den Inhalt eines ganzen Artikels zu erschließen, müssen die Schülerinnen und Schüler miteinander kommunizieren. Jedes Kind ist dabei Expert/in für ihre/seine Muttersprache.