Anregungen für eine gezielte Sprachförderung

Lisa Fast-Hertlein hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin am BIFIE in ihrer Zuständigkeit für den Bereich Sprachstandsfeststellung und -förderung die USB DaZ-Begleitmaterialien entwickelt. Im Interview spricht sie über deren Vorteile, Inhalte und Einsatz.

Interview: Michael Achleitner | 10. September 2018

Man sagt USB DaZ bringt eine Qualitätssteigerung in der Deutschförderung – wie sieht diese Ihrer Meinung nach aus?

Fast-Hertlein: Durch die Feststellung des Sprachstands der Schülerinnen und Schüler können die Lehrkräfte eine gezieltere Sprachförderung durchführen. Denn sie wissen, wo die Schülerinnen und Schüler stehen und können sie dort abholen.

Welchen Vorteil haben Lehrkräfte beim Einsatz von USB DaZ – auch im Vergleich zu anderen Beobachtungsverfahren?

Das Instrument ist für Lehrkräfte sehr einfach zu handhaben. Die einzelnen Sprachstandsstufen sind logisch und auch grafisch sehr schön ersichtlich, wodurch die Lehrkräfte genau sehen, auf welcher Stufe die Schülerinnen und Schüler stehen, was sie sich bereits angeeignet haben und welche Fördermaßnahmen als nächstes zu treffen sind.

Können Lehrkräfte ohne Zusatzqualifikation diese unterrichtsbegleitende Sprachstandsbeobachtung durchführen?

Grundsätzlich ist es nützlich, wenn Lehrkräfte ein Grundwissen im Bereich Spracherwerb haben, wovon man bei DaZ-Lehrpersonen ausgehen kann. Eine Einschulung ist aber dennoch grundlegend notwendig.

Wo kann diese Einschulung durchgeführt werden?

Hierzu bieten die Pädagogischen Hochschulen (PH) verschiedenste Formate an. An der PH in Niederösterreich gibt es einen eigenen Lehrgang zu USB DaZ, in den anderen Bundesländern ist das Instrument zum Teil in den Lehrgängen integriert, die für die DaZ-Sprachförderung vorbereiten, etwa im Lehrgang „Migration und Schule“ in Salzburg. Zusätzlich bieten die verschiedenen PH auch spezifische Fortbildungen für das Instrument an.

Sollten künftig auch DaZ-Schüler/innen mit ordentlichem Status mit USB-DaZ eingeschätzt werden?

USB-DaZ wurde für die Begleitung von Schüler/innen mit Deutsch als Zweitsprache entwickelt, unabhängig vom außerordentlichen oder ordentlichen Status. Das Einsetzen von USB-DaZ im Regelunterricht würde meiner Meinung nach Sinn machen, weil ja mit dem Wechsel in den ordentlichen Status der Spracherwerb nicht abgeschlossen ist. Von dem her wäre es wünschenswert, ja eine geradezu ideale Situation, wenn nicht nur die DaZ-Lehrpersonen das Instrument kennen, sondern wenn alle beteiligten Lehrpersonen ein Grundwissen im Spracherwerb haben, damit alle gemeinsam die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler beobachten können.

Was war der Anlass für die Entwicklung der neuen USB DaZ-Begleitmaterialien?

Es ist gesetzlich verpflichtend Sprachstandsfeststellungen durchzuführen. Das BMBWF empfiehlt dazu USB DaZ. Dennoch hat man einige Zeit nach Aussenden des entsprechenden Erlasses festgestellt, dass das Instrument nicht wirklich in den Schulen und bei den Lehrpersonen angekommen ist. Dafür gab es mehrere Gründe. Das Instrument ist zum einen sehr komplex wahrgenommen worden, weil vielen Lehrpersonen die linguistischen Grundlagen gefehlt haben. Zum anderen hat den Lehrpersonen die Verknüpfung zwischen der Sprachstandsdiagnose und der anschließenden Förderung gefehlt. Sie wussten also nicht, was sei machen sollten, sobald sie den Beobachtungsbogen ausgefüllt haben.


Deshalb haben wir Anfang 2017 damit begonnen, begleitende Maßnahmen zu entwickeln (siehe dazu auch Neue Begleitmaterial für USB DaZ), die drei große Ziele verfolgen: Erstens sollen Lehrpersonen in der Einschulung besser begleitet werden, sprich Tipps und Hinweise von Anwender/innen bekommen, die schon erfolgreich mit dem Instrument arbeiten. Zweitens war der Beobachtungsbogen zu lang. Er hat zwölf Seiten, was auch einen großen Kopieraufwand verursacht. Also haben wir kompaktere Varianten entwickelt, die auch digital verwendbar sind. Und das dritte Ziel war die Verknüpfung zwischen dem Bogen und der eigentlichen Sprachförderung mit Hilfe von Förderanregungen.

Welche Inhalte haben diese Förderanregungen?

Die Förderanregungen gehen immer von einem Thema aus. Insgesamt stehen 17 Themen zur Verfügung. Jedes Thema ist aufgeschlüsselt in die Bereiche, die mit USB DaZ beobachtet werden. Es gibt zum Beispiel das Thema Verkehr. Zu diesem Thema gibt es Aktivitäten aus dem Bereich Verbformen, Verbstellung, Objekte, Wortschatz, Textkompetenz u. s. w. Die Bereiche im USB DaZ, das ist uns bewusst und wir weisen auch immer wieder darauf hin, sind Indikatoren, die wichtig sind, um die Sprachstand festzustellen, aber die Sprachförderung ist damit nicht abgedeckt. Deshalb haben wir die Bereiche nun etwas erweitert und haben etwa das Hörverstehen und das Leseverstehen in die Förderanregungen mit hineingenommen. Andere sprachlichen Phänomene werden im Rahmen einzelner Aktivitäten abgedeckt, wie z. B. das Genus.

Es stehen Fördermaterialien zu 17 Themengebieten online. Welche sind das?

Behandelt werden die Bereiche Arbeitswelt, Bauernhof, Essen, Familie, Feste feiern, Gefühle, Lebensumstände, Mathematik, Neue Medien und Technik, Körper, Pflanzen, Schule, Tiere, Verkehr und Wohnen. Zwei weitere Themen gehen von Kinderbüchern aus: „Die dumme Augustine“ (Thema Haushalt) und „Die zwölf Monate“ (Thema Jahresablauf).

Wozu genau dienen die Fördermaterialien und wie sollen sie eingesetzt werden?

Mit den Materialien sollen Lehrpersonen in erster Linie zu den Bereichen, die sie in USB DaZ finden, entsprechend verknüpfte Förderanregungen finden. Diese behandeln nicht isoliert ein Phänomen, sondern – was bei der Sprachförderung ja sehr wichtig ist – mehrere Phänomene, also etwa nicht nur das Perfekt, sondern gleichzeitig das Akkusativobjekt oder die Festigung des Wortschatzes. 

Waren Lehrkräfte in die Entwicklung der Förderanregungen eingebunden?

Alle Aktivitäten sind von Lehrpersonen erstellt worden. Ich habe das Konzept entwickelt und konkret Lehrpersonen zur Umsetzung eingeladen, von denen ich weiß, dass sie sehr erfolgreich in der Sprachförderung tätig sind. Daniela Rotter, Expertin im Bereich Gesprächsführung an der Universität Graz und ich haben die Aktivitäten abschließend nochmal gesichtet.

Wie können die Materialien bezogen werden?

Die Materialen können auf der BIFIE-Website heruntergeladen werden. In Kürze können die Förderanregungen im A5-Karteikartenformat auch über den BMBWF-Publikationenshop bezogen werden.