Das Unterrichtsprinzip „Interkulturelle Bildung“

Schule als Ort, an dem unterschiedlichste Menschen gemeinsam lernen und arbeiten, ist schon lange gesellschaftliche Realität. Wie interkulturelle Bildung am besten umgesetzt werden kann, ist daher eine zentrale Frage.

Von Anne Pritchard-Smith

Europabildung & Interkulturelle Bildung und Erziehung

Entstehung und gesetzliche Verankerung

Seit 1992 ist das Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen” in den Lehrplänen verankert. Anlass waren damals unter anderem der Krieg im ehemaligen Jugoslawien und damit verbunden Herausforderungen des interkulturellen Zusammenlebens und -lernens an österreichischen Schulen. 25 Jahre später wurden die Inhalte und Umsetzung des Unterrichtsprinzips „Interkulturelle Bildung” gemeinsam mit ExpertInnen verschiedener Disziplinen neu erarbeitet und im November 2017 als Grundsatzerlass an Österreichs Schulen übermittelt. (https://bildung.bmbwf.gv.at/ministerium/rs/2017_29.html)

Was ist neu?

Ging es in den Neunziger Jahren beim interkulturellen Lernen noch hauptsächlich um den Vergleich verschiedener Kulturen, stellt der Erlass einen inhaltlichen Perspektivenwechsel dar, was Kulturbegriff, Kompetenzen und damit implizit auch die Anforderungen an die Lehrenden betrifft. Kultur wird nicht mehr als in sich abgeschlossenes homogenes, sondern als dynamisches und in sich vielfältiges System aufgefasst. Dabei sind Migration und Mehrsprachigkeit nur zwei von vielen weiteren Dimensionen von Vielfalt. Individuelle und gesellschaftliche Vielfalt sowie Mehrfachzugehörigkeiten sind Normalität geworden. Hier kann direkt an die Lebens- und Erfahrungswelt aller SchülerInnen angeknüpft werden, die sich selbst als Teil verschiedener Gruppen identifizieren, zum Beispiel einer Familie, einer oder mehrerer Peergroups, einer oder mehrerer Musikrichtungen etc.

Ziele

Ziel ist, dass die SchülerInnen konstruktiv mit Vielfalt umgehen können. Hier besteht weiterhin eine starke Anbindung an Demokratieerziehung, an soziales Lernen und an Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Dazu findet sich ein klar formulierter Katalog, in dem die angestrebten interkulturellen Kompetenzen der SchülerInnen beschrieben werden. Methodisch-didaktisch liegt der Fokus auf Reflexion von Gruppenzugehörigkeiten, Biographien, Lebensentwürfen und den daraus resultierenden Handlungsoptionen.

Der Erlass macht auch deutlich, dass interkulturelles Lernen nicht nur auf die Kompetenzen der SchülerInnen abzielt, sondern auf alle Ebenen der Schule und somit die Schulpartnerschaft, Standort- und Personalentwicklung umfasst. Interkulturelle Bildung, wie sie im Erlass umrissen wird, ist demnach eine Lernchance für die ganze Schule und für die ganze Gesellschaft.

Praxisbeispiele und Ressourcen

Weiterbildung und Entwicklung:

Die Themenplattform des Bundeszentrums für Interkulturalität, Migration und Mehrsprachigkeit bietet Pädagoginnen und Pädagogen sowie allen Interessierten multimedial aufbereitet Informationen und Know-how zur interkulturellen Bildung und anderen Themen. Bereits jetzt greifen die Pakete „Interkulturelles Lernen“ und „Othering“ Teilaspekte des Erlasses auf (www.bimm.at/themenplattform).

Austausch und Vernetzung:

Die 18. Tagung zu Interkulturalität und Mehrsprachigkeit in der schulischen Praxis im April 2019 findet zum Thema „Kulturreflexives Lernen“ statt. Die Tagung richtet sich an Pädagoginnen und Pädagogen aller Fächer und greift wichtige Eckpfeiler des neuen Grundsatzerlasses Interkulturelle Bildung auf.

Regionale Initiativen für Schulen:

Seit Ende 2017 bietet die Private Pädagogische Hochschule Linz mit der Initiative „Gelingendes Zusammenleben – GeZu“ Beratung und Workshops an Schulen vor Ort an: www.phdl.at/ueber_uns/zentren_initiativen/zimt/angebote/

Dabei wird die Arbeit an der interkulturellen Haltung und die Entwicklung von Methoden- und Handlungskompetenzen am Schulstandort mit verschiedenen Angeboten, die je nach Anlass gewählt werden können und u. a. Beratung, schulinterne LehrerInnenfortbildungen (SchiLF), Informationen umfassen, unterstützt.

In der Steiermark gibt es mit den Mobilen Unterstützungsteams (MUT) des Landes konkrete Hilfsangebote für Schulen (www.mut.steiermark.at). LehrerInnen können sich hier Unterstützung und Beratung bei interkulturellen Fragen holen oder sich in Workshops weiterbilden.