1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

Italiano, la lingua italiana

Italiano – Italienisch

la lingua italiana - die italienische Sprache

Parlo italiano – ich spreche Italienisch

1.2 Wo Italienisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

1.2.1 Geographische Verbreitung

Italienisch wird von circa 60 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Italienisch wird in der Republik Italien, im Staat Vatikanstadt, in der Republik San Marino, z.T. in der Schweiz (im Kanton Tessin und in einigen Teilen des Kantons Graubünden) und in Teilen Istriens gesprochen und als Amtssprache definiert. Außerdem werden italienische Dialekte auf Korsika, in Nizza, Monaco und Malta gesprochen. Italienischsprechende Gemeinschaften finden sich auch unter den Nachkommen italienischer Einwanderer, die zahlreich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts  u.a. in die U.S.A, nach Australien, Argentinien, Brasilien, Deutschland und Belgien emigriert sind.

Italien ist ein Vielsprachenstaat: In Italien leben circa 62 Millionen Menschen. Im Jahr 2012  erklärten 91,3% der Bevölkerung, ausschließlich Italienisch als Muttersprache zu haben, 3% gaben an, eine zweite Muttersprache neben Italienisch zu sprechen und 5,8% führten eine andere Muttersprache an. Neben Italienisch werden in Italien noch folgende Sprachen als anerkannte Minterheitensprachen gesprochen: Albanisch, Deutsch, Katalanisch, Kroatisch, Französisch, Frankoprovenzalisch, Friulanisch, Griechisch, Ladinisch, Sardisch und Slowenisch. Anders als in Österreich ist Romani (noch) nicht als Minderheitensprache anerkannt.

1.2.2 Geschichtliche Entwicklung

Italienisch ist eine indoeuropäische Sprache und gehört zusammen mit u.a. Rumänisch, Französisch, Katalanisch, Spanisch und Portugiesisch zur Gruppe der romanischen Sprachen. Diese Sprachen haben sich aus dem Vulgärlatein entwickelt, d.h. aus der Sprache, die in bestimmten Teilen des römischen Imperiums gesprochen wurde und sich in mehreren Aspekten vom geschriebenen oder literarischen Latein unterscheidet.

Das heutige Gebiet Italiens wird zwischen dem 8. Jahrhundert v. Chr. (753 v. Chr. Gründung Roms) und dem 1. Jahrhundert n. Chr. (15 bis 25 n. Chr.) von den Römern erobert. Die von den Römern gesprochene lateinische Sprache breitet sich aus und verdrängt die von der indigenen Bevölkerung auf der italienischen Halbinsel gesprochenen verschiedenen indoeuropäischen und nicht indoeuropäischen Sprachen fast komplett.

Während der Epoche der Völkerwanderung gelangen verschiedene germanische Völker nach Italien und hinterlassen zahlreiche Ortsnamen und germanische Lehnwörter (z.B. stalla/Stall oder birra/Bier). Durch die Araber, die ab 827 für über 200 Jahre Sizilien unter ihrer Herrschaft haben, und durch den regen Handel, den die Seestädte Venedig, Pisa und Genua betreiben, fließen zahlreiche Arabismen in die italienische Sprache ein (z. B. dogana/Zoll oder arancia/Orange). Seit dem Mittelalter finden sich auch zahlreiche Gallizismen aus dem Französischen im Italienischen (z.B. mangiare/essen oder viaggio/Reise).

Die ersten Texte, die unbestrittenermaßen auf Italienisch und nicht in einer Variante des Vulgärlatein verfasst werden, entstehen relativ spät (um 960, d.h. circa 100 Jahre später als z.B. in Französisch) und erst zwei Jahrhunderte später zeigen sich erste Ansätze einer nicht-lateinischen Literatur. Einen ersten Meilenstein in der Geschichte der italienischen Literatur stellt  der vom heiligen Franziskus von Assisi im Jahr 1225 verfasste Sonnengesang (Laudato si') dar. Ab dem 13. Jahrhundert entwickelt sich in Sizilien am Hof Friederich II. und in den toskanischen Städten eine italienische Literaturtradition. Parallel zur wachsenden politischen Bedeutung von Florenz setzt sich dort ab Mitte des 13. Jahrhunderts der Gebrauch des Italienischen gegenüber dem Latein bei der Niederschrift von Texten sowohl bei der Erstellung von Urkunden als auch im literarischen Bereich durch. In dieser Zeit wird auch der bedeutendste italienische Dichter geboren: Dante Alighieri, Verfasser der „Göttlichen Komödie“ (Divina commedia). Die Werke Dantes sowie des ebenfalls aus Florenz stammenden Petrarcas und Boccaccios verbreiten sich dank toskanischer Bank- und Kaufleute zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert in ganz Italien. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts gilt der Dialekt aus Florenz als eigene Sprache, als „das Italienisch“ der Gebildeten. Es sollte aber noch weitere 400 Jahre dauern, bis diese Sprache auch von der breiten Masse der Bevölkerung verstanden und verwendet wurde.

Mit Dante beginnt die questione della lingua, d.h. die Diskussion über die Frage, welchem italienischen Dialekt am ehesten die Rolle und Funktion einer nationalen Literatursprache zukomme. Diese Form der Kontroverse, ausgehend im 14. Jahrhundert, reicht noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Ihren bekanntesten Ausdruck findet die questione della lingua in A. Manzonis toskanischer Neufassung (1840-42) seines ursprünglich in mailändischem Dialekt geschriebenen Romans „I promessi sposi“. Mit der Sprache seines Romans (Toskanisch ohne Künstliches und Rhetorisches) legt Alessandro Manzoni  den Grundstein für die heutige Form des Italienischen.

Anders als in Ländern wie Frankreich oder England gab es in Italien keine Zentralmacht, die eine einheitliche Sprachpolitik betrieb. Der Dialekt von Florenz verdankt seine Vorrangstellung gegenüber den anderen italienischen Dialekten (zumindest in der geschriebenen Form) nicht der politischen Machtposition von Florenz, sondern der literarischen Bedeutung der drei großen Schriftsteller des 14. Jahrhunderts: Dante, Petrarca und Boccaccio, sowie seiner relativen Nähe zum Latein und seiner zentralen geographischen Lage.

Italien wird erst 1861 zu einem Land vereinigt, 1400 Jahre lang war das Land in kleine, unabhängige Staaten unterteilt, die oft den Invasionen der großen Staaten wie Frankreich, Spanien und Österreich nicht standhielten.

Aufgrund dieser historischen Gegebenheiten zeigt Italien eine komplexe dialektale Konfiguration, die nicht vergleichbar ist mit jenen anderer romanischer Länder wie Frankreich oder Spanien. Neben Italienisch werden die Dialekte von den meisten Menschen abhängig von der kommunikativen Situation im Alltag verwendet. Bedeutende Schriftsteller haben ihre Meisterwerke zum Teil im Dialekt verfasst, wie z.B. Carlo Goldoni auf Venezianisch.

Man kann die italienischen Dialekte in drei große Kategorien einteilen, die wiederum zahlreiche weitere Unterteilungen aufweisen: norditalienische Dialekte, mittel- und süditalienische Dialekte, toskanische Dialekte. Diese drei Gruppen weisen große Unterschiede im phonischen und lexikalischen Bereich auf.

Im Süden und auf Sizilien und Sardinien wird im privaten und familiären Bereich häufiger Dialekt gesprochen als im Zentrum und im Nordwesten des Landes, wo ein regional gefärbtes Standarditalienisch auch zu Hause verwendet wird.

1861 waren 80% der Bevölkerung Italiens Analphabeten und sprachen nur Dialekt. 150 Jahre nach der politischen Einigung nähert sich Italien dank Schulpflicht, Wehrpflicht, Massenmedien und Binnenmigration langsam einer einheitlichen Standardsprache an. Nichtsdestotrotz kann man heutzutage in Hinblick auf die gesprochene Sprache noch nicht von einer italienischen Standardsprache sprechen, sondern von verschiedenen Varietäten der gesprochenen Standardsprache, die sich vor allem in Wortschatz, Phonologie und  Intonation unterscheiden.

1.2.3 Situation in Österreich

Während der letzten Volkszählung im Jahr 2001 gaben 10.742 Menschen Italienisch als Umgangssprache an.

Laut Statistik Austria lebten im Jahr 2016 25.327 ItalienierInnen in Österreich. Diese Zahl  beinhaltet auch SüdtirolerInnen, die Deutsch als Muttersprache sprechen.

Im Schuljahr 2014/15 lernten 57.525 SchülerInnen Italienisch als Fremdsprache. Italienisch liegt damit an dritter Stelle hinter Englisch und Französisch.

1.3 Sprachbrücken Italienisch – Deutsch

Es gibt zahlreiche Figuren aus der italienischen Kinder- und Jugendwelt, die auch in Österreich bekannt sind, wie z.B. Signor Rossi, La Linea und Calimero aus den 70er Jahren bis hin zu den Winx, die sich vor allem bei Mädchen besonderer Beliebtheit erfreuen.

Aber das wahrscheinlich berühmteste Werk der italienischen Kinderliteratur sind „Die Abenteuer des Pinocchio“ von Carlo Collodi, 1883 erschienen und 1905 zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt.

Die deutsche Sprache kennt zahlreiche Italianismen, d.h. Wörter, die aus dem Italienischen stammen. Seit dem Spätmittelalter haben Italianismen Einzug in den deutschen Sprachgebrauch gehalten, wie zum Beispiel das Wort ciao (ursprünglich Sklave im Sinne von „Ich bin dein Sklave!“). Viele Wörter findet man im Bereich des Handels (z. B. conto/Konto oder credito/Kredit), der Kunst (z.B. affresco/Fresko), des Essens und Trinkens (z.B. Pizza oder Cappuccino) und der Lebenseinstellung (z.B. dolcevita). Die meisten Wörter finden sich jedoch im musikalischen Bereich (z.B. aria/Arie oder opera/Oper oder die Vortragsbezeichnungen z.B. crescendo, forte, pizzicato).

Hier einige Beispiele für „falsche Freunde“ zwischen Italienisch und Deutsch:

 

"Falsche Freunde" zwischen Italienisch und Deutsch
ItalienischDeutschDeutschItalienisch
altohochaltvecchio
bruttohässlichbruttolordo
caldowarmkaltfreddo
cameraZimmerKameramacchina fotografica
cantinaKellerKantinemensa
compassoZirkelKompassbussola
confettiZuckermandelnKonfetticoriandoli
cozzeMiesmuschelnKotzevomito
enteAnstalt, BehördeEnteanatra
famosoberühmtfamoseccelente
firmaUnterschriftFirmaditta
nonnaGroßmutterNonnesuora
notiziaNachrichtNotizappunto, nota
primazuerstprimaottimo
regaloGeschenkRegalscaffale
stipendioGehaltStipendiumborsa di studio
studiarelernenstudierenandare all'università
tagliaKleidungsgrößeTaillevita
tesoroSchatzTresorcassaforte

1.4 Namen und Anrede

Seit 2016 können Kinder in Italien den Familiennamen des Vaters, der Mutter oder eine Kombination aus beiden annehmen.
Personennamen werden wie im Deutschen angegeben.
Anrede: Signor (Herr), Signora (Frau), veraltet: Signorina (Fräulein)
Im Italienischen wird zwischen tu (du) und der Höflichkeitsformel Lei (Sie) unterschieden.
Die Anwendung der beiden Formen entspricht weitgehend dem Deutschen.