2. Allgemeine Kurzinformation zur Sprache

2.1 Textproben

Tutto il mondo è paese.
Die Menschen sind wohl überall gleich (wörtlich: Die ganze Welt ist ein Dorf).

Ogni lasciata è persa.
Jede Gelegenheit ist einmalig (wörtlich: Was man sein lässt, ist verloren).

Morto un papa se ne fa un altro.
Kein Mensch ist unersetzlich (wörtlich: Wenn ein Papst tot ist, kürt man einen anderen).

Ci vuole un fiore

Le cose di ogni giorno raccontano segreti
a chi le sa guardare ed ascoltare.

Per fare un tavolo ci vuole il legno
per fare il legno ci vuole l’albero
per fare l’albero ci vuole il seme
per fare il seme ci vuole il frutto
per fare il frutto ci vuole un fiore
ci vuole un fiore, ci vuole un fiore,
per fare un tavolo ci vuole un fiore.

Per fare un fiore ci vuole un ramo
per fare il ramo ci vuole l’albero
per fare l’albero ci vuole il bosco
per fare il bosco ci vuole il monte
per fare il monte ci vuol la terra
per far la terra ci vuole un fiore
per fare tutto ci vuole un fiore.

Aus einem berühmten Kinderlied von Gianni Rodari (1920-1980)

Übersetzung

Man braucht eine Blume

Die Sachen, die wir jeden Tag benützen, erzählen Geheimnisse
denen, die sie betrachten können und ihnen zuhören.

Um einen Tisch zu machen, braucht man Holz,
um Holz zu machen, braucht man einen Baum,
um einen Baum zu machen,  braucht man einen Samen,
um einen Samen zu machen, braucht man eine Frucht,
um eine Frucht zu machen , braucht man eine Blüte (Blume)
um einen Tisch zu machen, braucht man eine Blume.

Um eine Blume zu machen, braucht man einen Zweig,
um einen Zweig zu machen, braucht man einen Baum,
um einen Baum zu machen, braucht man einen Wald,
um einen Wald zu machen, braucht man einen Berg,
um einen Berg zu machen, braucht man Erde,
um Erde zu machen, braucht man eine Blume,
um alles zu machen, braucht man eine Blume.

2.2 Schrift und Aussprache

Das italienische Alphabet hat 21 Buchstaben.

Aa, Bb, Cc, Dd, Ee, Ff, Gg, Hh, Ii, Ll, Mm, Nn, Oo, Pp, Qq, Rr, Ss, Tt, Uu, Vv, Zz.

Folgende Buchstaben kommen nur in Fremdwörtern vor: Jj, Kk, Ww, Xx, Yy. Es gibt auch keine Umlaute (ä, ö, ü). Das „h“ ist immer stumm, das „r“ immer gerollt.

Die Aussprache entspricht grundsätzlich der Schreibung mit einer starken Phonem-Graphem Korrespondenz. Jedoch gibt es einige Besonderheiten:

Buchstaben, Buchstabenkombinationen und Aussprache
Buchstabe/ BuchstabenkombinationAusspracheBeispiel
c (vor a, o, u)
ch (vor e, i)
[k] wie Kammcappucino
chilo
c (vor e, i)[t͡ʃ] wie Deutschciao
g (vor a, o, u)
gh (vor e, i)
[g] wie GolfGarda
Spaghetti
g (vor e, i)[d͡ʒ] wie Gingelato
gl[ʎ] wie Bouillonfamiglia
gn[ɲ] wie Cognacgnocchi
qu[ku] wie Kuhquattro
sc (vor a, o, u)
sch (vor e, i)
[sk] wie Skizzeschiavo
sc (vor e, i)[ʃ] wie Schisci
v[v] wie Weinvino

Im Italienischen gibt es nur 7 Vokale, während das vokalische System im Deutschen viel komplexer ist (16 verschiedene Vokale). Auch der Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen im Deutschen wird von den meisten Italienischsprechenden schwer wahrgenommen.

Die Satzzeichnung ist nicht wie im Deutschen grammatikalisch bestimmt, sondern folgt logischen und stilistischen Regeln.

Großschreibung gibt es nur bei Satzanfängen, Eigennamen, Ländernamen sowie Vor- und Familiennamen.

2.3 Besonderheiten aus der Grammatik

Größte Unterschiede zu Deutsch

  • Die Wortbetonung kann prinzipiell auf jede Silbe fallen, wobei die vorletzte Silbe am häufigsten betont wird. Nur bei Endbetonung wird die Silbe auch mit Akzent geschrieben (il papa/der Papst, il papà/der Vater)
  • Vokale spielen eine wichtige Rolle in der Silbenstruktur, fast jedes Wort endet mit einem Vokal, der Informationen über Geschlecht und Zahl enthält. Die Präsenz der vielen Vokale hat ab dem 17. Jahrhundert zum Mythos von Italienisch als „musikalische Sprache“ beigetragen. Nomen und Adjektive sind entweder weiblich oder männlich, im Singular sind die meisten Nomen mit der Endung –a weiblich, und die meisten Nomen mit der Endung –o männlich. Nomen mit der Endung -a bilden in der Regel den Plural mit –e (la pizza-> le pizze) und Nomen mit der Endung –o bilden den Plural mit –i (il cappuccino-> i cappuccini).
  • Es gibt keine Fälle wie im Deutschen. Die Ergänzungen des Nomens werden mittels Präpositionen ausgedrückt. Die Ergänzung folgt dem zu ergänzenden Wort (la macchina rossa di Paolo, Paolos rotes Auto).
  • Die Form des bestimmten und unbestimmten Artikels hängt vom Geschlecht und vom Anlaut des darauffolgendes Nomens ab (il/un momento, lo/uno svizzero).
  • Das Personalpronomen als Subjekt ist nicht obligatorisch wie im Deutschen und wird nur verwendet, wenn es hervorgehoben werden muss. (mangio/ich esse; pago io/ich zahle im Sinne von: Du bist eingeladen!).
  • Die  Objektpronomen haben eine fixe Stellung im Satz, nämlich vor dem konjugierten Verb: lo conosco/ich kenne ihn;
  •  Die Verben werden je nach Endung des Infinitivs in drei Gruppen unterteilt: Verben mit der Endung – are (parlare), -ere (vedere)  und –ire (finire). Viele Verben der Gruppe –ere sind unregelmäßig.

Als Beispiel hier die Subjektformen der Personalpronomen und der Indikativ Präsens der Verben essere/sein und avere/haben.

essere
essere
1. Pers. sing.(io) sono1. Pers. plur.(noi) siamo
1. Pers. sing.(tu) sei1. Pers. plur.(voi) siete
1. Pers. sing.(lui/lei) è1. Pers. plur.(loro) sono
avere
avere
1. Pers. sing.(io) ho1. Pers. plur.(noi) abbiamo
1. Pers. sing.(tu) hai1. Pers. plur.(voi) avete
1. Pers. sing.(lui/lei) ha1. Pers. plur.(loro) hanno

 Hier ein kleiner Überblick über die Indikativformen des Verbs parlare (sprechen) 

Indikativformen des Verbs parlare (sprechen)
presente (parlo)passato prossimo (ho parlato)
imperfetto (parlavo)trapassato prossimo (avevo parlato)
passato remoto (parlai)trapassato remoto (ebbi parlato)
futuro (parlerò)futuro anteriore (avrò parlato)
  • Anders als im Deutschen haben die Formen der Vergangenheit einen perfektiven Aspekt (passato prossimo und passato remoto) und einen imperfektiven Aspekt (imperfetto). Es gibt auch eine Verlaufsform, die dem Englischen ähnlich ist: Sto scrivendo. - Ich schreibe gerade./Ich bin gerade dabei zu schreiben.
  • Das reflexive Fürwort steht im Italienischen im Gegensatz zum Deutschen vor dem konjugierten Zeitwort: Si lava./ Er wäscht sich.
  • Die Verneinung wird mittels non ausgedruckt: Non parlo tedesco/Ich spreche nicht Deutsch. Non steht immer vor dem konjugierten Verb. Im Italienischen gilt die doppelte Verneinung: Non ho mai imparato il tedesco./Ich habe nie Deutsch gelernt.
  • Im Gegensatz zum Deutschen ist die Satzstellung relativ frei. Im Satzbau gibt es meistens keinen Unterschied zwischen Aussage- und Fragesatz. Der einzige Unterschied besteht in der Satzmelodie: Bei Fragesätzen geht die Stimme am Ende des Satzes nach oben.

2.4 Zahlen

Grundzahlen 1–100
Grundzahlen 1–100
0 zero
1 uno11 undici21 ventuno
2 due12 dodici22 ventidue … ecc
3 tre13 tredici30 trenata
4 quattro14 quattordici40 quaranta
5 cinque15 quindici50 cinquanta
6 sei16 sedici60 sessanta
7 sette17 diciassette70 settanta
8 otto18 diciotto80 ottanta
9 nove19 diciannove90 novanta
10 dieci20 venti100 cento
Ordnungszahlen
Ordnungszahlen
1 primo7 settimo
2 secondo8 ottavo
3 terzo9 nono
4 quarto10 decimo
5 quinto11 undicesimo
6 sesto12 dodicesimo

Für das Datum verwendet man die Ordnungszahlen (3 marzo). Die einzige Ausnahme bildet der Erste des Monats (1° maggio = primo maggio)

2.5 Einige Redewendungen

Einige Redewendungen
Guten Morgen! Guten Tag!Buongiorno!
Guten Abend!Buona sera!
Guten Nacht!Buona notte!
Hallo! Tschüss!Ciao!
Auf Wiedersehen!Arrivederci!
Wie geht es dir?Come stai?
Wie geht es Ihnen?Come sta?
Gut, danke.Bene, grazie.
Wie heißt du (heißen Sie)?Come ti chiami? Come si chiama?
Woher kommst du kommen Sie)?Di dove sei? Di dov’è?
jasi
neinno
dankeGrazie
bittePrego
Entschuldigung! Entschuldigen Sie!Scusa! Scusi!
Ich verstehe nichtNon capisco.