„Information, Service und individuelle Beratung“

Die neue Kompetenzstelle in Sachen Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung für Deutsch als Zweitsprache stellt sich vor.

Vier SchülerInnen

Eine neue gesetzliche Regelung sieht seit September 2016 den Einsatz von Diagnoseinstrumenten für den Unterricht in Sprachförderkursen und Sprachstartgruppen (d. h. für außerordentliche Schülerinnen und Schüler) verpflichtend vor. Das Bundesministerium für Bildung (BMB) empfiehlt die „Unterrichtsbegleitende Sprachstandsbeobachtung Deutsch als Zweitsprache (USB DaZ)” und hat deshalb im österreichweit gut vernetzten Bundeszentrum für Interkulturalität, Migration und Mehrsprachigkeit (BIMM) im Dezember 2016 die Kompetenzstelle USB DaZ eingerichtet. Als Service- und Beratungsstelle ist sie Ansprechpartnerin für Fragen rund um USB DaZ.

Die Leiterin des BIMM, Mag.ª Dagmar Gilly von der Pädagogischen Hochschule Steiermark, und die Leiterin der Kompetenzstelle, Mag.ª Martina Huber-Kriegler, sprechen über Aufgaben und Serviceleistungen.

Welche Serviceleistungen bietet die Kompetenzstelle USB DaZ im BIMM an?

Die Kompetenzstelle USB DaZ bietet Information, Service und Beratung für LehrerInnen, SchulleiterInnen, MitarbeiterInnen an PHs, Schulaufsicht – persönlich (Telefon, Skype) und online (Website) zum Thema USB DaZ. Dazu gehören die rechtlichen Grundlagen betreffend Einsatz des Instruments, Informationen zur Funktion des Instruments und zur Anwendungsweise, Antworten auf häufig gestellte Fragen im Zusammenhang mit USB DaZ sowie das Instrument USB DaZ selbst als Download.
Die Kompetenzstelle USB DaZ ist Ansprechstelle für Fragen rund um das Thema USB DaZ. Die Beratung bezieht sich auf oben genannte Themenbereiche (zum Instrument selbst, zum Einsatz, zur Fort-/Weiterbildung), sowie auf Unterstützung bei der Suche nach ReferentInnen zu USB DaZ in den Bundesländern.
Interessierte finden weiters Informationen zu neuen Entwicklungen die Sprachförderung betreffend, eine Zusammenstellung aller Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen der Pädagogischen Hochschulen sowie aller Bundesseminare zu USB DaZ.

Wer kann sich an die Kompetenzstelle wenden? Und wie geschieht das am besten?

Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten, SchulleiterInnen, MitarbeiterInnen von Pädagogischen Hochschulen und Personen der Schulaufsicht können sich an uns wenden. Am besten erfolgt die Kontaktnahme per E-Mail an kompetenzstelle@bimm.at oder telefonisch unter 0316/8067-5103 zu den folgenden Zeiten: Montag 13 bis 15 Uhr, Mittwoch 9 bis 14 Uhr. Es können bei Bedarf gerne auch Beratungstermine via Skype vereinbart werden.

Wie kommt man zu dem Diagnoseinstrument?

Das Instrument ist als Gratisdownload auf der BIMM-Themenplattform erhältlich. Ebenso steht es als Download auf der Seite des BMB zur Verfügung.

Ist USB-DaZ ein Test?

Die USB DaZ ist kein Test, sondern erlaubt im Unterschied zu Testverfahren eine kontinuierliche unterrichtsbegleitende Beobachtung der Sprachentwicklung, die laufend stattfinden kann. Somit ist das Instrument eine Unterstützung dabei, auf Basis eines beobachteten Sprachentwicklungsstandes entsprechende individuelle Sprachlernförderangebote zu gestalten.
Die USB DaZ besteht aus zwei Teilen, dem Erhebungsbogen und dem Ergebnisdokumentationsbogen. Der Erhebungsbogen stellt die Basis für die Beobachtung spezieller Sprachentwicklungsphänomene dar, quasi einen Leitfaden, welche Bereiche man beobachten kann (Syntax, Morphologie, Pragmatik etc.) und erläutert anhand von Beispielen und einem Glossar, was damit gemeint ist. Im Ergebnisdokumentationsbogen hält die Lehrkraft die gemachten Beobachtungen zu verschiedenen Zeitpunkten fest und kann so stets den aktuellen Lern- und Entwicklungsstand schriftlich dokumentieren.

Was genau beobachtet man mit USB-DaZ? Wie hilft es im Unterricht?

Das wissenschaftlich fundierte und erprobte Diagnoseinstrument dient zur Erhebung und Beschreibung des unterrichts- und bildungssprachlichen Entwicklungsstandes in der deutschen Sprache von DaZ-Lernenden. Es können damit mündliche und schriftliche Äußerungen der Lernenden von DaZ beobachtet und dokumentieret werden.
Die Aneignung bestimmter grammatischer Phänomene im Erwerb von DaZ folgt im allgemeinen wissenschaftlich belegten Erwerbsfolgen. LehrerInnen können mit dem Instrument systematisch beobachten und damit erkennen, wann ein bestimmtes Phänomen wie z. B. die korrekte Bildung der 3. Person Singular (Verbflexion) beherrscht wird, was in der nächsten Erwerbsstufe „am Programm steht“ und können darauf aufbauend durch adäquate Sprachlernangebote gezielt fördern und üben, damit der Schüler/die Schülerin diese „Zone der nächsten Entwicklung“ möglichst gut erreichen kann.

Wie und wie oft setzt man es ein?

Die USB DaZ kann zur Beobachtung mündlicher und schriftlicher Äußerungen von Lernenden von Deutsch als Zweitsprache verwendet werden. Das passiert beobachtend während des Unterrichts oder auf Basis schriftlicher Arbeiten bzw. von Aufnahmen mündlicher Sprachproduktion. Die Beobachtung bezieht sich auf die einzelne Schülerin bzw. den einzelnen Schüler. Für die Beobachtung können Lehrende spezifische Sprachlernbereiche auswählen, die individuell relevant erscheinen. Sie beobachten daher auch nicht immer alle SchülerInnen gleichzeitig, sondern wählen bedarfsorientiert einzelne Lernende aus. Die schriftliche Dokumentation der Beobachtung/en wird/werden meistens im Nachfeld der Beobachtung in den entsprechenden Abschnitten der individuellen Ergebnisdokumentationsbögen eingetragen.

Man kann die USB DaZ einsetzen so oft man möchte, aus zeitökonomischen Gründen wird man sich wahrscheinlich auf einen Rhythmus von acht bis 12 Wochen einpendeln. Es kommt natürlich auch auf die Intensität des Unterrichts an, welche Entwicklungsschritte möglich sind. Man beobachtet auch nicht alle Phänomene gleichzeitig, sondern sucht sich jene aus, die einem im Unterricht als „virulent“ aufgefallen sind, oder die gerade aus thematischen Gründen besonders oft auftreten und wechselt beim nächsten Einsatz zu anderen. Nach ca. drei Monaten ist es sinnvoll nachzusehen, ob die „Zone der nächsten Entwicklung“ bei einem bestimmten Phänomen auch tatsächlich schon erreicht wurde.

Was kostet USB-DaZ?

USB DaZ steht kostenfrei zur Verfügung.

Inwieweit kann die Kompetenzstelle Lehrkräften beim Einsatz des Diagnoseinstruments helfen?

Einerseits finden Lehrende die Basisinformationen zum Einsatz von USB DaZ gebündelt auf der BIMM-Themenplattform und andererseits erhalten Sie Beratung bei individuellen Fragen.
Für den professionellen Einsatz des Instruments USB DaZ ist eine entsprechende Schulung der Lehrenden wichtig. Die Kompetenzstelle bietet in Kooperation mit Pädagogischen Hochschulen (PH) regelmäßig bundesweite Einführungsseminare an und informiert über die  aktuellen Fortbildungsangebote der PH zum Thema. Die Kompetenzstelle vermittelt auf Anfrage auch individuelle Beratungsgespräche mit erfahrenen PraktikerInnen, um Fragen im Zusammenhang mit dem praktischen Einsatz von USB DaZ zu besprechen.

LehrerInnen benötigen zur Durchführung von Sprachförderkursen bzw. Sprachstartgruppen eine spezielle Ausbildung in DaZ. Wie erhalten sie diese?

Für die Arbeit in SKK/SSG benötigen LehrerInnen den Nachweis einer Qualifikation für DaZ. Anerkennung von Qualifizierungen erfolgen über die anstellende Behörde, also LSR/SSR. Die PHs stellen entsprechende regionale Fort- und Weiterbildungsangebote (Lehrgänge) sowie bundesweite Seminare im Auftrag des BMB zur Verfügung. Ein Überblick zu berufsbegleitenden Weiterbildungsangeboten steht auf der BIMM-Themenplattform zur Verfügung.

Wird das Diagnoseinstrument USB DaZ weiterentwickelt?

Ja, aktuell hat das BMB das BIFIE beauftragt, ergänzende Materialien zu USB DaZ zu entwickeln. Bis Frühjahr 2018 werden folgende Ergänzungen vorliegen:

  • Leitfaden zum Einsatz von USB DaZ
  • Alternative Ergebnisdokumentationsbögen
  • Förderempfehlungen für die Sprachförderung im Anschluss an die Analyse mit USB DaZ (Übungssammlung)


Eine konkrete Bitte der PraktikerInnen bezüglich der Reduzierung der Komplexität war, den Ergebnisdokumentationsbogen anwendungsfreundlicher als handlichen Überblick zu gestalten. Diese Entwicklung findet gerade im Rahmen eines Projekts am BIFIE unter der Leitung von Mag. Lisa Fast-Hertlein statt und wird auch im Frühjahr 2018 publiziert. Auch die Rückmeldung der PraktikerInnen betreffend Bedarf an konkreten Förderempfehlungen im Anschluss an die Diagnose wird im Rahmen des genannten Projekts derzeit bearbeitet.

Mitunter hört sich die Beschreibung des Diagnoseinstruments USB DaZ etwas kompliziert an.

Wir wissen aus Rückmeldungen, dass das Instrument wegen seines Umfangs auf den ersten Blick von Lehrpersonen als komplex wahrgenommen wird. Wir haben aber auch gleichzeitig schon von sehr vielen gehört, dass eine nähere Beschäftigung mit dem Instrument, etwa durch eine Einschulung, dazu führt, diesen ersten Eindruck zu revidieren. Nach näherer Beschäftigung melden Lehrpersonen, dass sie sehr positive Erfahrungen mit dem Einsatz machen, dass das Instrument anwenderfreundlich und übersichtlich gestaltet ist.

Nach einem Jahr Kompetenzstelle – wie fällt Ihr Resümee aus?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es mehr Zeit und viel Kommunikation braucht, um die Kompetenzstelle bekannt zu machen. Zunächst wurde das Angebot durch Personen genutzt und weiter kommuniziert, die selbst auch als MultiplikatorInnen zum Thema arbeiten. Die zentrale Bereitstellung von Informationen zu USB DaZ über die Website wurde von diesen KollegInnen sehr positiv aufgenommen. Wir haben auch von Lehrerinnen und Lehrern zu Information und Service positive Rückmeldungen erhalten. Allerdings ist das Angebot der Kompetenzstelle USB DaZ bei Lehrerinnen/Lehrern, SchulleiterInnen und PH-MitarbeiterInnen noch nicht ausreichend bekannt. Durch die Intensivierung der Bewerbung des Angebots bei Tagungen, durch Newsletter, in der Aus-, Fort- und Weiterbildung merken wir langsam einen Anstieg der Anfragen. Was noch wenig in Anspruch genommen wird, ist die Möglichkeit, sich mit persönlichen Fragen per E-Mail oder Telefon an uns zu wenden, aber das ändert sich hoffentlich mit zunehmender Bekanntwerdung des Angebots.