1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

ελληνική γλώσσα (ellinikí glóssa)- die griechische Sprache
ελληνικά (ellinika)- Griechisch
μιλάω ελληνικά (milao ellinika)- ich spreche Griechisch
Έλληνας, Ελληνίδα (ellinas, ellinida)- Grieche, Griechin

1.2 Wo Griechisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

Griechisch ist eine indogermanische Sprachen. Die griechische Schrift lässt sich über einen Zeitraum von 3400 zurückverfolgen. Was die historische Entwicklung der Sprache betrifft, so unterscheidet man aus heutiger Sicht die folgenden Zeitspannen: Urgriechisch (ca. 2000 v. Chr.), Mykenisch (ca. 1600–1100 v. Chr.), Altgriechisch (ca. 800–300 v. Chr.), Koine (ca. 300 v. Chr. bis 300 n. Chr.), spätantikes Griechisch (ca. 300–600), Mittelgriechisch (ca. 600–1500) und Neugriechisch (seit ca. 1500). Die Sprache (Altgriechisch), die in der Antike gesprochen wurde und heute in der Altphilologie gelehrt wird, und die Sprache (Neugriechisch), die heute in Griechenland und der Diaspora gesprochen und unterrichtet wird, sind verschiedene Stufen der griechischen Sprache.

Neugriechisch ist heutzutag Amtssprache in Griechenland und Zypern und eine der 24 Amtssprachen der Europäischen Union. Insgesamt sprechen Griechisch etwa 13 Mio. Menschen. Griechisch wird auch in anderen Ländern als anerkannte Minderheitssprache gesprochen. Diese Länder sind Albanien, Russland, Makedonien, Türkei, Ukraine,  Ägypten, Italien, Armenien, Rumänien, Ungarn, Syrien, USA, Australien.

Die abendländliche Kultur ist bis heute stark vom literarischen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Schaffen der griechischen Antike geprägt. Werke von entscheidender Bedeutung im Bereich der Weltliteratur und Philosophie wurden auf Griechisch verfasst. Dazu gehören die homerischen Epen, die Dramen der drei wichtigen Tragödiendichter Aischylos, Sophokles und Euripides, die philosophischen Schriften von Platon und Aristoteles und das Neue Testament. Außerdem findet man, in vielen Sprachen zahlreiche Wörter, deren Wurzel griechisch ist. Diese werden als Lehnwörter aus dem Griechischen oder Gräzismen bezeichnet.

Dialekte

Griechische Dialekte werden verschiedenen Dialektgruppen zugeordnet. Die nördlichen Dialekte werden auf dem griechischen Festland, in der nördlichen Hälfte der Insel Euböa, auf den Sporaden, Limnos, Lesvos, Samos, Thasos, und Samothraki gesprochen. Sarakatsanen (griech. Sarakatsani, Σαρακατσάνοι), die sich ursprünglich mit transhumanter Weidewirtschaft im nördlichen Griechenland beschäftigen, sprechen einen Dialekt, der von den umgebenden Dialekten deutlich abweicht und einige Archaismen erhalten hat. Die südlichen Dialekte umfassen den peloponnesisch-ionisch Dialekt (auf der Peloponnes, in Attika und Böotien, im Süden Euböas sowie auf den Ionischen Inseln), Alt-Athenisch und Maniotisch (in Megara, in Kymi sowie auf Ägina und der Halbinsel Mani), den kretisch-kykladischen Dialekt (auf Kreta, den Kykladen und in einigen Exklaven in Syrien und dem Libanon) sowie die südöstlichen Dialekte (auf Chios, Ikaria und der Dodekanes) sowie das Zypriotische Griechisch auf Zypern.

Es gibt auch Sprachformen älterer Herkunft, wie Tsakonisch (wird in der Region Lakonien auf der Peloponnes gesprochen), Pontisch und Kappadokisch (wird von den Nachkommen der pontischen und kappadokischen UmsiedlerInnen gesprochen, die sich nach dem Bevölkerungsaustausch mit der Türkei im Jahr 1922 in Griechenland niederließen) und Griko (wird von weniger als 20.000 Menschen in Kalabrien und Apulien gesprochen).

1.3 Sprachbrücken Griechisch – Deutsch

Obwohl die griechische Sprache aufgrund des anderen Alphabets und der ihr eigenen Sprachmelodie für Deutschsprachige oft fremdartig wirkt, benutzt man im Alltag doch viele Wörter, die aus dem Griechischen stammen. Diese Wörter nennt man Gräzismen. Dazu kommen bildungssprachliche Neologismen, die erst in späterer Zeit auf der Grundlage griechischer Wörter oder Morpheme gebildet wurden.  Es gibt viele Wörter, die man im alltäglichen Gespräch verwendet und deren Herkunft griechisch ist. Hier einige Beispiele:

GriechischAusspracheDeutsch
αστροναύτηςAstronaftisAstronaut
γεωγραφίαGeografiaGeografie
γραμματικήGrammatikiGrammatik
διδακτικήDidaktikiDidaktik
ζωολογίαSoologiaZoologie
καταστροφήKatastrofiKatastrophe
κριτικήKritikiKritik
μαθηματικάMathimatikaMathematik
μουσικήMusikiMusik
ξυλόφωνοXilofonoXylophon
οικολογίαIkologiaÖkologie
παιδαγωγικήPedagogikiPädagogik
φυσικήPhysikiPhysik
χημείαChemiaChemie
ψυχολογίαPsychologiaPsychologie

1.4 Namen und Anrede

Personennamen werden im Griechischen wie im Deutschen angegeben, allerdings haben die meisten Nachnamen je nach Geschlecht die Endung –ος (-os), ης (-is), ας (-as) (männlich) oder  -ου (-u), -η (-i), -α (-a) (weiblich).

Vater:  Κωνσταντίνος  Αντωνόπουλος  (Konstantinos Antonopoulos)
Mutter:  Ελένη Σοκολάκη- Αντωνοπούλου (Eleni Sokolaki- Antonopoulou)
Tochter: Κατερίνα Αντωνοπούλου (Katerina Antonopoulou)
Sohn: Βασίλης Αντωνόπουλος (Wassilis Antonopoulos)

Wenn die Frau sich für einen Doppelnamen entscheidet, steht üblicherweise der Frauenname zuerst, dann der Familienname der Frau und der Familienname des Ehemannes: Ελένη Σοκολάκη- Αντωνοπούλου (Eleni Sokolaki- Antonopoulou).

Die akademischen Grade bzw. Titel werden im Griechischen auch im beruflichen Kontext selten verwendet. Das Ausschreiben von akademischen Graden in Dokumenten (z.B. Reisepass, Heiratsurkunde) bildet einen Unterschied zum Deutschen bzw. sie werden  nicht angeführt.  Auch  in Alltagssituationen werden die Personen  nicht mit ihrem Titel angesprochen.

Vokativ

Im Griechischen gibt es einen weiteren Fall, der im Deutschen unbekannt ist: den Vokativ (Anredefall). Der Vokativ wird immer dann benutzt, wenn man jemanden direkt ansprechen möchte. Die weiblichen Substantive und Namen und die sächlichen Substantive bilden den Vokativ genauso wie den Nominativ. Informationen zur Bildung des Vokativs männlicher Namen und Substantive findet man  in den folgenden Tabellen.

Beispiele für den Vokativ Singular bei mehrsilbigen männlichen Substantiven:

Zwei- und mehrsilbige Substantive auf –ος im
Nominativ Singular
Zwei- und mehrsilbige Substantive auf –ος im
Vokativ Singular
Αλέξανδρος (Alexander)Αλέξανδρε
Κωνσταντίνος (Konstantin)Κωνσταντίνε
Στέφανος (Stephan)Στέφανε
φίλος (der Freund)φίλε
κύριος (der Herr)κύριε
δάσκαλος (der Lehrer, der Meister)δάσκαλε
γιατρός (der Arzt)γιατρέ
αδελφός (der Bruder)αδελφέ
πρόεδρος (der Vorsitzende)πρόεδρε

Ausgenommen von dieser Regel sind die zweisilbigen Eigennamen auf -ος. Sie enden im Vokativ Singular auf -ο.

Beispiele für den Vokativ Singular bei männlichen Eigennamen auf -ος: 

Männliche Eigennamen auf -ος im
Nominativ Singular
Männliche zweisilbige Substantive auf -ος im
Vokativ Singular
Πέτρος (Peter)Πέτρο
Γιώργος (Georg)Γιώργο
Νίκος (Nick)Νίκο

Höflichkeitsform

Die Höflichkeitsform oder respektvolle Anrede entspricht im Griechischen der zweiten Person Plurals, also der Form, mit der man auch mehrere Leute informell anspricht. 

Einzahl
2. Person
GriechischΓεια σου! Είμαι η Μαρία! Εσένα πώς σε λένε;
AusspracheJa su! Ime i Maria! Esena pos se lene?
DeutschGrüß dich! Ich bin Maria!
(Dich, wie nennen sie dich?)
Und du, wie heißt du?
Mehrzahl
2. Person
GriechischΓεια σας! Είμαι η Μαρία! Εσας πώς σας λένε;
AusspracheJa sas! Ime i Maria! Esas pos sas lene?
DeutschGrüß euch! Ich bin Maria!
(Euch, wie nennen sie euch?)
Und ihr, wie heißt ihr?
Höflichkeits-
form
GriechischΓεια σας! Είμαι η Μαρία Παπαδοπούλου! Εσάς πώς σας λένε;
AusspracheJa sas! Ime i Maria Papadopulu! Esas pos sas lene?
DeutschGrüß Sie! Ich bin Maria!
(Sie, wie nennen sie Sie?)
Und Sie, wie heißen Sie?