2. Allgemeine Kurzinformation zur Sprache

2.1 Textproben

Sprichwörter

"Da schimpfte der Esel den Hahn einen Dickkopf."
Original: "Είπε ο γάιδαρος τον πετεινό κεφάλα."
Aussprache: “Ipe o gaidaros ton petino kefala.”
Deutsche Entsprechung: "Ein Esel schimpft den anderen Langohr."

"Besser fünf in der Hand als zehn und darauf warten müssen."
Original: "Kάλλιο πέντε και στο χέρι, παρά δέκα και καρτέρει."
Aussprache: “Kalio pente ke sto cheri, para deka ke karteri.”
Deutsche Entsprechung: "Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach."

"Der Hund der bellt, beißt nicht."
Original: "Σκύλος που γαβγίζε,ι δε δαγκώνει."
Aussprache: “Skilos pu gawgisi, de dagoni.”
Deutsche Entsprechung: "Hunde die bellen, beißen nicht."

"Die Kinder der Vernünftigen kochen, bevor sie Hunger haben."
Original: "Των φρονίμων τα παιδιά, πριν πεινάσουν μαγειρεύουν."
Aussprache: “Ton fronimon ta pedia, prin pinassun majirewun.”
Deutsche Entsprechung: "Der kluge Mann baut vor."

2.2 Schrift und Aussprache

Die griechische Schrift stammt aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Vor der Einführung der heute noch gebräuchlichen griechischen Schrift wurde das mykenische Griechisch in der sogenannten Linear-B-Schrift festgehalten. Diese Schrift kam aber mit dem Untergang der mykenischen Kultur außer Gebrauch. Kleinbuchstaben gibt es erst seit dem 9. Jahrhundert n. Chr.
Trotz der Veränderung der Aussprache des Griechischen im Verlauf der Jahrtausende, blieb die Orthographie dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente (Akut, Gravis und Zirkumflex) und Symbole für Hauchlaute (Spiritus asper und Spiritus lenis) wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden die Hauchzeichen abgeschafft und die Akzente durch ein einziges Zeichen (Tonos) ersetzt, das die betonte Silbe anzeigt.

Das griechische Alphabet (altgriechisch ελληνικός αλφάβητος; neugriechisch ελληνικό αλφάβητο, ellinikó alfávito, auch ελληνική αλφαβήτα) ist die Schrift, in der die griechische Sprache seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. geschrieben wird. Die griechische Schrift ist eine Weiterentwicklung der phönizischen Schrift. Sie war die erste Alphabetschrift im engeren Sinne. Das griechische Alphabet diente als Grundlage für die Entwicklung des lateinischen – und somit unter anderem des deutschen, des kyrillischen und des koptischen – Alphabets. 

2.3 Besonderheiten aus der Grammatik

Das griechische Alphabet umfasst heute 24 Buchstaben, die ebenso wie im lateinischen Alphabet als Majuskeln (Großbuchstaben) und Minuskeln (Kleinbuchstaben) vorkommen. Die Buchstaben unterteilen sich in 7 Vokale (α, ε, η, ι, ο, υ, ω) und 17 Konsonanten (β, γ, δ, ζ, θ, κ, λ, μ, ν,  ξ, π, ρ, σ-ς, τ, φ, χ, ψ). Eine Besonderheit des griechischen Alphabets ist das Sigma (Σ). Bei diesem Buchstabe gibt es zwei unterschiedliche Formen von Kleinbuchstaben: ein σ schreibt man am Anfang oder innerhalb des Wortes und ein ς am Wortende. Substantive werden im Griechischen hauptsächlich klein geschrieben. In der Regel schreibt man groß das erste Wort im Satz sowie Namen von Personen, Monaten, Wochentagen und Orten.

Zeichenneugriechischer Name
(neugriechische Schreibung)
LautBeispiel
Α, αÁlfaάλφαAalso
Β, βVítaβήταWWitz
Γ, γGám(m)aγάμ(μ)αΓ/ Jγata/ je
Δ, δDéltaδέλταΔEnglisch: the
Ε, εEpsilonέψιλονETeppich
Ζ, ζZítaζήταZSeele
Η, ηΊtaήταIItalien
Θ, θΤhítaθήταThEnglisch: thief
Ι, ιIóta(γ)ιώταIItalien
Κ, κKápa                 κάπαKKappe
Λ, λLámdaλάμδαLLamm
Μ, μMiμιMmit
Ν, νNiνιNnie
Ξ, ξXiξιXXylofon
Ο, οΌmikronόμικρονOOdysseus
Π, πPiπιPPapagei
Ρ, ρRoροRRoboter
Σ, σSígmaσίγμαSEssig/heiß
Τ, τTafταυTTafel
Υ, υΎpsilοnύψιλονIItalien
Φ, φFiφιFForelle
Χ, χChiχιChNacht
Ψ, ψPsiψιPsPsychologie
Ω, ωOmégaωμέγαOOdysseus

Buchstabenverbindung

Wegen des Zusammenfallens vieler altgriechischer Vokalphoneme gibt es im Neugriechischen 6 unterschiedliche Schreibweisen für den Laut i (η, ι, υ, ει, οι, υι), 2 unterschiedliche für den Laut e (ε, αι) und 2 unterschiedliche für den Laut o (ο, ω). Im Neugriechischen ist die Orthographie durch den Lautwandel weit weniger phonematisch. Dadurch ist das Erlernen der griechischen Rechtschreibung auch für MuttersprachlerInnen mit Schwierigkeiten verbunden.

 

Buchstaben-
verbindungen
αιαυγγγκειευμπντοιουυι
Aussprachee, äaf oder awnghartes deutsches gief oder ewbdiui

Für Deutschlernende mit Muttersprache Griechisch können sowohl die Umlaute (ä, ö und ü) als auch die Unterscheidung zwischen kurzem, offenen e und o und langem, geschlossenen e und o Schwierigkeiten bereiten.

Deklination von Substantiven

Die griechische Sprache hat viele grammatische und syntaktische Ähnlichkeiten mit dem Deutschen. Ebenso wie im Deutschen gibt es drei grammatikalische Geschlechter und drei entsprechende Artikel. Die Nomen werden in vier Fälle dekliniert. Es gibt wie im Deutschen Nominativ (wer?/was?), Genitiv (wessen?) und Akkusativ (wen?/was?). Dativ scheint im Neugriechisch nicht auf. Stattdessen verwendet man einen präpositionalen Akkusativ oder Genitiv. Der vierte Fall ist im Griechischen der Anredefall oder Vokativ.

2.4 Zahlen

ZahlenGriechischAussprache
1Έναena
2Δύοthyo
3Τρίαtria
4Τέσσεραtessera
5Πέντεpende
6Έξιexi
7Εφτάefta
8Όχτωochto
9Εννέαenja
10Δέκαtheka
11Έντεκαenteka
12Δώδεκαthotheka
20Είκοσιikossi
30Τριάνταtrianda
40Σαράνταsaranda
50Πενήνταpeninda
60Εξήνταexinda
70Εβδομήνταewthominda
80Ογδόνταogthonda
90Εννενήνταenneninda
100Εκατό(ν)ekato(n)

Die Grundzahlwörter eins (1), drei (3) und vier (4) sowie die davon gebildeten Ableitungen und Zusammensetzungen werden im Griechischen dekliniert. Die Grundzahlen zweihundert (200), dreihundert (300), vierhundert (400), fünfhundert (500), sechshundert (600), siebenhundert (700), achthundert (800), neunhundert (900) werden auch dekliniert.

 

Einzahl
MaskulinumFemininumNeutrum
Nominativένας [enas]- einerμία [mia]- eineένα [ena]- eins
Genitivενός [enos]- einesμίας [mias]- einerενός [enos]- eines
Akkusativένα(ν) [ena(n)]- einenμία [mia]- eineένα [ena]- eins
Vokativ
Mehrzahl 
MaskulinumFemininumNeutrum
Nominativτρεις [tris]- dreiτρεις [tris]- dreiτρία [tria]- drei
Genitivτριών [trιon]- dreiτριών [trιon]- dreiτριών [trιon]- drei
Akkusativτρεις [tris]- dreiτρεις [tris]- dreiτρία [tria]- drei
Vokativ
Mehrzahl 
MaskulinumFemininumNeutrum
Nominativτέσσερις [tesseris]- vierτέσσερις [tesseris]- vierτέσσερα [tessera]- vier
Genitivτεσσάρων [tessaron]- vierτεσσάρων [tessaron]- vierτεσσάρων [tessaron]- vier
Akkusativτέσσερις [tesseris]- vierτέσσερις [tesseris]- vierτέσσερα [tessera]- vier
Vokativ

Die Zahlen von 13 an werden umgekehrt als im Deutschen gebildet, das bedeutet, dass zuerst die Position der Zehner und dann die Position der Einer ausgedrückt wird. Ein paar Beispiele dazu:
13 δεκατρία [dekatria]- zehn drei (dreizehn)
34 τριάντα τέσσερα [trianda tessera]- dreißig vier (vierunddreißig)

Eine Besonderheit bildet die Benennung des ersten Tages eines Monats, der mit dem Ordnungszahlwort im Femininum πρώτη [proti]- (erste) ausgedrückt wird.

2.5 Einige Redewendungen

GriechischAusspracheDeutsch
Καλημέρα!kalimeraGuten Tag!
Καλησπέρα!kalißperaGuten Abend!
Καληνύχτα!kalinichtaGute Nacht!
Αντίο!andioAuf Wiedersehen!
Τι κάνεις;ti kanis?Wie geht es dir?
καλάkalagut
ευχαριστώefcharistodanke
παρακαλώparakalobitte
ναιja
όχιochinein
Στο καλό!sto kaloalles Gute!
Καλό ταξίδι!kalo taksithigute Reise!
συγγνώμηsichnomiEntschuldigung
καταλαβαίνωkatalavenoich verstehe
Δεν καταλαβαίνω ελληνικά.Den katalaveno elinikaIch verstehe nicht Griechisch.
Πώς σε λένε;Pos se lene?Wie heißt du?
Με λένε Μαρία.Me lene MariaIch heiße Maria.
Από πού είσαι;Apo pu ise?Woher kommst du?
Είμαι από την Ελλάδα.Ime apo tin EladaIch komme aus Griechenland.
Καλώς ήρθες!Kalos irthesWillkommen!