Sprachliche Vielfalt im Bücherregal

Die Schulbibliothek an der Volksschule Oskar-Spiel-Schule in 1150 Wien ist weit mehr als ein Ort des Lesens. Sie trägt durch ihr mehrsprachiges Angebot neben der Sprach- und Leseförderung wesentlich dazu bei, eine Vertrauenskultur an der Schule zu etablieren.

Direktorin Ulrike Madzar freut sich, dass die Kinder den „schönsten Raum im Schulhaus“ stets mit großer Begeisterung betreten
Direktorin Ulrike Madzar freut sich, dass die Kinder den „schönsten Raum im Schulhaus“ stets mit großer Begeisterung betreten

Direktorin Ulrike Madzar und die Lesekoordinatorin Carina Erban wissen um die Bedeutung mehrsprachiger Angebote in der Schule. Daher war und ist es ein zentrales Anliegen in ihrer Bibliotheksarbeit, das Angebot an Büchern in den am Schulstandort gesprochenen Sprachen laufend zu erweitern. Derzeit können Schülerinnen und Schüler Bücher in mehr als 15 Sprachen lesen.

Carina Erban berichtet, wie die Augen der Kinder leuchten, wenn sie Bücher in ihren Erstsprachen in der Schulbibliothek entdecken. Sofort stellt sich ein Gefühl der Vertrautheit und des Angenommen-Seins ein. Darüberhinaus bildet die Förderung der Herkunftssprachen eine wichtige Basis für den weiteren Lese- und Lernfortschritt und unterstützt den Selbstfindungsprozess von Kindern und Jugendlichen.

Mehrsprachige Buchpräsentationen

Besonders beliebt bei den Kindern sind die mehrsprachigen Buchpräsentationen in der Schulbibliothek. Die Buchbesprechungen werden bewusst in den Erstsprachen oder in einer Kombination mit Deutsch durchgeführt, so Carina Erban. Vor allem die Arbeit mit Bilderbüchern oder illustrierten Sachbüchern ermöglicht es den Kindern, sich in ihrer Herkunftssprache auszudrücken und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler an ihrer Sprache teilhaben zu lassen. Auf diese Weise wird das sprachliche Potenzial der Kinder gewürdigt und alle Schülerinnen und Schüler erleben Mehrsprachigkeit als einen selbstverständlichen Teil ihres schulischen Alltags.

Aufbereitung mehrsprachiger Medien

Als Erfolgsmodell empfiehlt die engagierte Volksschullehrerin und ausgebildete Schulbibliothekarin Carina Erban die Durchmischung des Bestands fremdsprachiger Bücher mit deutschsprachigen Medien in den Regalen der Bibliothek, insbesondere im Sachbuchbereich.

Gleichzeitig erleichtern ausschließlich fremdsprachlich bestückte Bilderbuchtröge das Auffinden von Büchern in den Herkunftssprachen der Kinder. Vorübergehend zusammengestellte Bücherkörbe oder thematische Ausstellungen machen neugierig auf regelmäßige Besuche.

„Der Effekt einer mehrsprachigen Schulbibliothek ist unbezahlbar groß“, sagt Direktorin Ulrike Madzar. Kinder erleben im Umgang mit mehrsprachigen Büchern nicht nur die Wertschätzung ihrer Muttersprache und den Respekt vor allen Kulturen, sondern können gleichzeitig behutsam in eine neue Kultur hineinwachsen.

Beziehungsarbeit

Besonders wichtig sei dabei auch die Beziehungsarbeit. Mithilfe von Rollenspielen erfahren die Kinder, die häufig vor dem ersten Besuch der Schulbibliothek noch nie ein Buch in der Hand gehabt haben, wie man mit Büchern umgeht. Vom ersten gemeinsamen Durchblättern und Betrachten der Bilder bis hin zum individualisierten Lesen und Sprechen über das Gelesene, erleben die Kinder einen freudvollen Umgang mit den Büchern. Der Austausch darüber, wie und mit wem eventuell zu Hause gelesen wurde – ob alleine, mit dem großen Bruder oder als Familienevent – soll den Kindern neue Handlungsspielräume mit Büchern eröffnen. Die Vorbildwirkung der Mitschülerinnen und Mitschüler kann dazu beitragen, Lesen als positives Erlebnis zu etablieren. Eigens angefertigte Stoffsackerl erleichtern das Mit-nach-Hause-Nehmen und Aufbewahren des Buches.

Direktorin Madzar freut sich, dass die Kinder den „schönsten Raum im Schulhaus“ stets mit großer Begeisterung betreten. Die Bibliothek sei „fast wie ein Heiligtum“ an der Schule, in der sich Kinder ganzheitlich wahrgenommen und respektiert fühlen. Auf diese Weise können Schulbibliotheken einen wichtigen Beitrag bei der Begleitung von Kindern unterschiedlichster Herkunft am Weg der Selbstfindung leisten.