Ein Fest für die Sprache

Jedes Jahr am 14. April feiern die Georgierinnen und Georgier den Tag der georgischen Sprache. Die Erstveröffentlichung des außergewöhnlichen Bilderbuchs „Schlaf gut – Dsili Nebisa” erschien rechtzeitig bei Baobab Books in einer zweisprachigen Ausgabe Deutsch – Georgisch.

Doppelseite aus dem Buch "Schlaf gut"

Die georgische Schrift ist über 2000 Jahre alt, viel älter als beispielsweise das deutsche Alphabet. Man nimmt an, dass König Parnawas I., der im 3. Jahrhundert v. Chr. an der Macht war, das georgische Alphabet einführte. Obwohl Georgien in seiner Geschichte immer wieder von fremden Herrschern erobert wurde – von den Römern, Arabern, Mongolen, Persern, Osmanen und Russen –, konnten die Sprache und die Schrift bewahrt werden.

Im Lauf der Zeit hat die georgische Schrift einige Veränderungen erlebt. Heute wird die sogenannte Ritterschrift verwendet. Sie entstand vor 1000 Jahren im Adel und wurde für das Alltägliche gebraucht, im Gegensatz zur Priesterschrift, die in der Kirche Verwendung fand.

Die georgische Sprache ist reich und kompliziert. Das georgische Alphabet besteht aus 33 Buchstaben. Geschrieben wird von links nach rechts wie im Deutschen. Es gibt aber keine Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinbuchstaben. Den Laut „f“ kennt das Georgische nicht. Man schreibt die Buchstaben so, wie man sie liest. (Mehr über das Georgische finden Sie im entsprechenden Sprachensteckbrief.)

Spielerische Bilder

Es gibt viel zu entdecken in den spielerischen Bildern der georgischen Illustratorin Tatia Nadareischwili. Fasziniert vom Schlafverhalten der Tiere hat sie für ihr Buchprojekt genaue Beobachtungen angestellt und lange recherchiert. Entstanden ist „Schlaf gut“, eine feine, rhythmische Erzählung, die sich als Gutenachtgeschichte ebenso eignet wie für hellwache Lesestunden.

Mit offensichtlichem Vergnügen und sicherem Strich greift sie die kindliche Freude an der Nachahmung und der Wiederholung auf.

Schlaf gut – Dsili Nebisa

Es ist etwas vom Schönsten, sich am Ende eines ereignisreichen Tages ins Bett zu legen. Doch manchmal will der Schlaf trotz aller Müdigkeit einfach nicht kommen. So geht es auch dem Buben, der uns auf der ersten Buchseite mit wachen Augen anschaut. „Dann gehe ich eben noch ein bisschen spazieren“, sagt er sich. Und wen er da so alles trifft! Eine Giraffe, einen Koalabär, Pottwale … Sie alle haben einen guten Vorschlag, was der Bub tun könnte, um Schlaf zu finden. Er legt seinen Kopf unter den Arm, wie der Vogel seinen Schnabel unter den Flügel steckt. Als das nichts hilft, nimmt er sich den Rat des Otters zu Herzen, sich einfach rücklings auf dem Wasser schaukeln zu lassen.

Doch allen Ratschlägen zum Trotz, der Schlaf stellt sich nicht ein. Zum Schluss fragt der Bub den Albatros: „Kannst du mir helfen?“ Dieser meint, auf der Erde könne man nicht schlafen, dazu müsse man fliegen. Aber auch das Fliegen hilft nicht, und so macht sich der Bub auf den Heimweg. Er ist müde geworden und schläft sogleich ein …

Das liebenswerte Bilderbuch ist soeben in einer zweisprachigen Ausgabe erschienen. So ist es georgischen Kindern bei uns möglich, das Buch zu lesen – aber auch alle Lehrkräfte und anderen Leserinnen und Leser können die wunderschöne georgische Schrift kennenlernen. Übrigens: 2016 wurde die georgische Schrift in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.