PAPPERLAPAPP

Karin Hirschberger erzählt im Interview mit schule-mehrsprachig.at von der Entstehungsgeschichte von „Papperlapapp”. Oder warum es so wichtig ist, den Mund aufzumachen. Für Kinder und Erwachsene.

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Frau Hirschberger, Sie hatten die Idee zu PAPPERLAPAPP, der neuen, zweisprachigen Bilderbuchzeitschrift für Kinder ab fünf Jahren. Wie kam es dazu?

Es ist einer Reihe glücklicher Zufälle zu verdanken, dass es PAPPERLAPAPP gibt. Ich bin seit über 20 Jahren in der Designvermittlung tätig und beruflich wie privat immer interessiert an gestalterischen Lösungen, die das Leben bereichern. Über meinen Freundeskreis in Frankreich bin ich auf Kinderzeitschriften für die „ganz Kleinen“ gestoßen, die derart gut und hochwertig gemacht sind, dass die Kinder sie lieben und sofort vorgelesen haben möchten, sobald diese ins Haus flattern. Dies brachte mich auf die Idee, auch für österreichische Kinder eine entsprechende Vorleselektüre zu entwickeln. In Folge holte ich die Designerin Claudia Dzengel ins Boot, und wir begannen intensiv zu den Themen Vorlesen und frühe sprachliche Förderung zu recherchieren und das Konzept zu PAPPERLAPAPP zu entwickeln.

PAPPERLAPAPP erscheint zweisprachig, immer in Deutsch kombiniert mit jeweils einer von mehreren Fremdsprachen, die zur Wahl stehen. Warum dieses Konzept?

Je tiefer wir in die Materie eingestiegen sind, desto klarer wurde uns, dass wir mit PAPPERLAPAPP auch Kindern mit Migrationshintergrund eine altersgerechte Vor-Leselektüre in die Hände legen und damit einen kleinen Beitrag zur Chancengleichheit leisten möchten. Da mehrere wissenschaftliche Studien belegen, dass sich Sprachen umso leichter erlernen lassen, je sicherer der Umgang mit der Erstsprache ist, haben wir die Entscheidung getroffen, PAPPERLAPAPP in verschiedenen Sprachvarianten herauszubringen: jeweils in Deutsch plus in jenen Migrationssprachen, die in Österreich und Deutschland stark vertreten sind. Daher gibt es PAPPERLAPAPP in Deutsch-Albanisch, Deutsch-Arabisch, Deutsch-Bosnisch, Deutsch-Polnisch, Deutsch-Rumänisch, Deutsch-Tschetschenisch, Deutsch-Türkisch. Aber auch in Deutsch-Englisch: für Kinder mit Deutsch als Erstsprache oder mit einer in Österreich seltener anzutreffenden Erstsprache.

Die Stadt Wien verteilt PAPPERLAPAPP seit der ersten Ausgabe an alle Kinder, die in Wien das verpflichtende Kindergartenjahr besuchen. Wie kam die Zusammenarbeit mit der Stadt Wien zustande?

Da war ein weiterer glücklicher Zufall am Werk! Im Sommer 2014 bin ich auf den Wettbewerb „Ideen gegen Armut“ gestoßen. Als eines der wirksamsten Mittel gegen Armut und (Jugend-)Arbeitslosigkeit gilt ja die Fähigkeit, sinnerfassend lesen zu können. Diese Erkenntnis hat uns überzeugt! Und so haben Claudia Dzengel und ich unsere Idee eingereicht und wurden von der Erst-Jury in die sogenannte „Finalrunde“ empfohlen. Auch wenn wir am Ende nicht als Sieger hervorgegangen sind, hat uns die Haupt-Jury mit einer Auszeichnung bedacht. Dies wiederum bestärkte uns, öffentliche Träger, die hierzulande für Bildung und Integration zuständig sind, über unser Vorhaben zu informieren – darunter war u. a. das Referat Sprachliche Bildung der MA 10, Wiener Kindergärten, das uns in Folge zu einer Präsentation eingeladen hat. Das war der schließlich Startschuss für die Umsetzung unseres Projekts.

Wie werden die Eltern oder Familien motiviert, PAPPERLAPAPP daheim auch wirklich vorzulesen?

Die Kinder dürfen und sollen PAPPERLAPAPP mit nach Hause nehmen. Im Idealfall lesen Eltern oder ältere Geschwister oder weitere Personen im Familienverband in Abstimmung mit den Kindergarten- und Sprachpädagoginnen und -pädagogen die PAPPERLAPAPP-Geschichten in der jeweiligen Erstsprache vor. So lernen die Kinder die Inhalte kennen und bringen sich dadurch – davon sind wir überzeugt – selbstbewusster und aktiver ein, wenn PAPPERLAPAPP im Kindergarten in Folge noch einmal auf Deutsch gelesen wird. Das erleichtert den Erwerb und den Umgang mit der Bildungssprache Deutsch. Kinder mit der Erstsprache Deutsch erhalten PAPPERLAPAPP auf Deutsch-Englisch und finden damit einen spielerischen Zugang zur englischen Sprache.

Frau Hirschberger, Sie selbst sind von ihrer Ausbildung und ihrem beruflichen Hintergrund her keine Pädagogin. Wie stellen Sie sicher, dass die Inhalte von PAPPERLAPAPP altersgerecht sind?

Gute Frage! Um die Altersgerechtigkeit garantieren zu können, haben wir einen Expertenbeirat gegründet. Dieser unterstützt uns bei der Erstellung des Redaktionsplans und gibt sämtliche Beiträge frei, bevor sie ins Heft kommen.

Wie sind die PAPPERLAPAPP-Hefte inhaltlich aufgebaut? Wer liefert die Beiträge?

In PAPPERLAPAPP greifen wir Themen aus dem Alltag der Kinder auf, die sie anregen, über sich und die Welt nachzudenken. Alle Beiträge werden von anerkannten Autorinnen und Autoren verfasst und von arrivierten oder aufstrebenden Illustratorinnen und Illustratoren fantasievoll, poetisch oder auch humorvoll inszeniert. Jede Ausgabe umfasst zwei Hauptgeschichten, einen Comic, ein Wimmelbild, Gedankenspiele, eine Bastelanleitung und eine sensomotorische Übung.

Kurze Frage zum Titel: PAPPERLAPAPP klingt eingängig, ist jedoch auch mutig, wenn man die ursprüngliche Bedeutung kennt – PAPPERLAPAPP als mitunter unhöflicher Ausruf, mit dem man eine Äußerung eines anderen als leeres Gerede abwertet.


Dieser Bedeutung sind wir uns durchaus bewusst! Dennoch haben wir uns für diesen Titel entschieden. Denn er greift spielerisch einen kindlichen Jargon auf und soll ja ein bisschen frech daherkommen – das finden Kinder interessanter als das Brave.

Letzte Fragen: Wo sind die Hefte erhältlich? Können auch andere Bildungsinstitutionen, wie etwa Volksschulen, oder auch Privatpersonen die Zeitschrift kaufen?

Selbstverständlich. Unser Webshop auf www.papperlapapp.co.at ist allen Einzelpersonen und Institutionen gleichermaßen zugänglich.