Bildungsoffensive im Flüchtlingsquartier

In der Flüchtlings- & Asylwerberunterkunft in der Vorderen Zollamtsstraße, im Zentrum Wiens, wird den Flüchtlingen jede Menge an Aktivitäten und Fortbildungsmöglichkeiten geboten.

Von Mag. Elisabeth Langer

Ein afghanisches Flüchtlingskind besucht einen Deutschkurs in der Flüchtlings- & Asylwerberunterkunft in der Vorderen Zollamtsstraße in Wien
Ein afghanisches Kind besucht einen Deutschkurs in der Flüchtlings- & Asylwerberunterkunft in der Vorderen Zollamtsstraße in Wien

In der Vorderen Zollamtsstraße, im Zentrum der Stadt, befindet sich seit September 2015 die größte Unterkunft für AsylwerberInnen in Wien. Zeitweise waren in den vergangenen Monaten bis zu 1.150 Menschen dort untergebracht.

Seit der Eröffnung des Quartiers wurde eine Infrastruktur eingerichtet, die es den BewohnerInnen ermöglicht, die Zeit des Wartens auf die Entscheidung über ihren Asylantrag mit diversen Aktivitäten zu verbringen. Gemeinschaftsräume, eine Bibliothek, ein Kindergarten, eine Werkstatt, eine Cafeteria und mehrere Klassenräume wurden eingerichtet, Aktionen – wie z. B. das Bemalen einzelner Wände – wurden umgesetzt, Events durchgeführt, Chorsingen wird angeboten und immer wieder unternehmen freiwillige HelferInnen mit Erwachsenen und / oder Kindern Ausflüge, Museumsbesuche und Ähnliches. Das Projekt „Displaced_Space for Change“ wurde von Studierenden der Architektur an der TU Wien durchgeführt und von SozialMarie mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Sehr beliebt und erfolgreich sind die Deutschkurse im Haus. Ungefähr zwanzig ehrenamtliche MitarbeiterInnen bieten – 

über den ganzen Tag und die ganze Woche verteilt – Kurse auf unterschiedlichen Niveaus an. Manche Männer und Frauen, die im Herbst mit dem Erlernen der Lateinschrift begonnen haben, setzen sich bereits mit komplexeren Problemen der Wort- und Satzgrammatik auseinander. Dabei stehen Themen, die die neue Lebenswelt der Flüchtlinge betreffen, im Vordergrund, und die KursleiterInnen, von denen nur wenige aus dem Lehrberuf kommen, beraten die TeilnehmerInnen auch in allen Fragen des Alltags. Eine intensive Unterstützung wird auch den zahlreichen Schulkindern geboten, nicht nur mit Deutschkursen, sondern auch in Form einer Betreuung beim Lernen und Erledigen der Hausaufgaben.

Besonders schön ist es zu erleben, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen, die verschiedene Herkunftssprachen haben, beginnen, sich auf Deutsch zu verständigen und auf diese Weise Freundschaft schließen!

Es ist zu hoffen, dass die Expertise, die hier in der täglichen Integrationsarbeit gewonnen wurde, nach der Schließung der Vorderen Zollamtstraße an anderen Standorten zum Einsatz kommen kann.