2. Allgemeine Kurzinformation zur Sprache

2.1 Textprobe

Weitere Leseproben finden Sie unter: www.csenar.at und http://static2.orf.at/vietnam2/files/volksgruppen/200749/Kroatische_Literatur_im_Bgld_10536.pdf

Weitere Lyrik kann auf der Homepage der ORF-Volksgruppenredaktion online gehört werden: http://volksgruppenv1.orf.at/hrvati/program/stories/76009.html

2.2 Schrift und Aussprache

Burgenlandkroatisch wird in lateinischer Schrift geschrieben. Das Alphabet weist die gleichen Buchstaben auf wie im Kroatischen, außer dem Graphem đ, welches im Burgenland­kroatischen als dj wiedergegeben wird: andjeo (im Kroatischen: anđeo).

Das Alphabet:
A a, B b, C c, Č č, Ć ć, D d, Dž dž, Dj dj, E e, F f, G g, H h, I i, J j, K k, L l, Lj lj, M m, N n, Nj nj, O o, P p, R r, S s, Š š, T t, U u, V v, Z z, Ž ž.

Anmerkungen zur Aussprache: Die Aussprache der Laute ist gleich wie im Kroatischen, nur die Konsonanten ć und werden in der für Čakavisch typischen Art ausgesprochen, d. h. weicher als im Kroatischen.

Im Burgenlandkroatischen kann, wie im Kroatischen, der Laut r silbenbildend sein (krt, prst, smrt, vrt), was Lernenden mit Deutsch als Ausgangssprache anfangs Schwierigkeiten bereiten kann.

Bei den Vokalen besteht die Neigung, die langen Vokale e und o zu diphtongieren: pet > piet, Bog > Buog.

Das Burgenlandkroatische besitzt musikalische Akzente wie das Kroatische, aber das Akzentsystem ist čakavisch und nicht wie im Kroatischen neuštokavisch, wodurch es zu erheblichen Unterschieden in der Betonung kommt. Es gibt zwei fallende Akzente (kurz und lang) und den čakavischen Akut, wo die Betonung sehr gedehnt wird. Auch die Akzentstelle unterscheidet sich häufig von der im Kroatischen.

Das Burgenlandkroatische basiert auf dem čakavischen, ikavisch-ekavischem Dialekt, d. h. der urslawische Jat-Laut (ě) wird unter bestimmten Bedingungen einmal als i einmal als e realisiert: dite, lipo, mliko (< děte, lěpo, mlěko) aber testo, delo, vera (< těsto, dělo, věra). Dieser Laut e wird im Burgenlandkroatischen jedoch meistens nicht als e, sondern als Diphtong ie ausgesprochen: tiesto, dielo, viera. Während die Realisierung des Lautes i bis heute auch in der Schreibweise beibehalten wurde, wird seit der Rechtschreibreform in der Nachkriegszeit (1948) die Realisierung des Jat-Lautes als e (bzw. ie) wie im Kroatischen mit den Buchstaben ije (für langes e) oder je (für kurzes e) wiedergegeben:

bkr.kr.
Dite je dobro.Dijete je dobro.
Njegova vjera je jaka. (< Njegova viera je jaka.)Njegova vjera je jaka.
Tijesto s mlikom. (< Tiesto s mlikom.)Tijesto s mlijekom.

2.3 Besonderheiten aus der Grammatik

Burgenlandkroatisch wird zu den flektierenden Sprachen gezählt. Grammatische Beziehungen werden durch Endungen ausgedrückt.

Haupt- und Eigenschaftswort (Substantiv und Adjektiv)

Es gibt drei Geschlechter, zwei Zahlen (Einzahl und Mehrzahl) sowie sieben Fälle. Der Nominativ (gdo?/ča? – wer?/was?), Genitiv (koga?/čega? – wessen?), Dativ (komu?/čemu? – wem?) und Akkusativ (koga?/ča? – wen?/was?) stimmen im Wesentlichen mit den Fällen im Deutschen überein. Der Vokativ ist der Anredefall. Der Lokativ (kom?/čem? – über wen? wo?) dient in Verbindung mit einer Präposition meistens der Ortsangabe. Der Instrumental ((s) kim?/čim? – mit wem? womit?) gibt in der Regel die Begleitung oder das Handlungs­mittel an.

Im Gegensatz zum Deutschen haben die Hauptwörter keine (geschlechtsspezifischen) Artikel. Das Geschlecht ist am Wortauslaut im Nominativ Singular erkennbar: Maskulina enden in der Regel auf einen Konsonanten (brat, stol), Feminina auf ein -a (žena, ruka), seltener auf einen Konsonanten (noć, starost) und Neutra auf ein -o oder -e (selo, morje). Auch die Eigenschaftswörter haben diese drei geschlechtsspezifischen Formen und müssen mit den Hauptwörtern in Geschlecht, Zahl und Fall übereinstimmen.

Deklinationen

Die Deklination in der Einzahl stimmt mit dem Kroatischen überein und wird hier nicht gesondert angeführt.

Im Gegensatz zum Deutschen hat das Burgenlandkroatische, wie alle slawischen Sprachen, die Kategorie der Belebtheit/Unbelebtheit. Wenn die Maskulina Lebewesen sind, werden im Akkusativ die Endungen des Genitiv übernommen (Genitiv wie Akkusativ), z. B. Imam velikoga brata. Wenn die Maskulina kein Lebewesen bezeichnen, gleicht der Akkusativ dem Nominativ (Nominativ wie Akkusativ), z.B. Imam velik stol.

Mehrzahl
männl.weibl.sächl.
veliki stoli (große Tische)velike žene (große Frauen)velika sela (große Dörfer)
velikih stolovvelikih ženvelikih sel
velikim stolomvelikim ženamvelikim selom/selam
velike stolevelike žene velika sela
veliki stolivelike ženevelika sela
veliki stoliveliki ženaveliki seli
velikimi stolivelikimi ženamivelikimi seli

In der Mehrzahl gibt es keine Stammeserweiterung auf -ov/-ev wie im Kroatischen:

bkr.:kr.:
Stoli su veliki.Stolovi su veliki.
Vidim stole.Vidim stolove.
Puži su mali.Puževi su mali.

Auch der kroatische Genitivplural auf -a ist im Burgenlandkroatischen unbekannt:

bkr.:kr.:
Došlo je pet žen.Došlo je pet žena.
Došlo je pet študentov.Došlo je pet studenata.

Im Dativ, Lokativ und Instrumental werden alte Endungen gebraucht, die heute im Kroatischen nicht mehr üblich sind:

bkr.:kr.:
D: Čudim se dobrim sestram.Čudim se dobrim sestrama.
L: Govorim o dobri sestra.Govorim o dobrim sestrama.
I: Putujem s dobrimi sestrami.Putujem s dobrim sestrama.

Bewegliches a: Bei vielen Hauptwörtern wird im 1. Fall Einzahl von Maskulina der Vokal a zwischen die zwei letzten Konsonanten eingeschoben; das a entfällt in den übrigen Fällen – außer im 2. Fall Mehrzahl, z. B. 1. Fall: kupac, čvrčak 2. Fall: kupca, čvrčka. Bei den Eigenschaftswörtern kommt das bewegliche a nur im 1. Fall der männlichen Form vor, z. B. N: dobar, G: dobroga, D: dobromu; oder mask. dobar, fem. dobra, neutr. dobro.

Singularia tantum: Wie im Deutschen gibt es Wörter, die nur eine Einzahl haben und ein Verb in der Einzahl verlangen, z. B. Sadje je zrelo. – Das Obst ist reif.

Pluralia tantum: Einige Hauptwörter haben nur eine Mehrzahl: Škare su oštre. Hlače/Plundre su nove. – Wörtl.: Die Schere sind scharf. Die Hose sind neu. (Vgl. dt. dial.: Die Hosen sind neu.)

Feminina auf Konsonant: Zahlreiche weibliche Hauptwörter enden auf einen Konsonanten und haben eine eigene Deklination, die in diesem Einblick in die Grammatik nicht berück­sichtigt werden kann.

Das Adjektiv besitzt eine bestimmte und unbestimmte Form, die, außer im Nominativ Singular der Maskulina (z. B. velik–veliki), nur durch unterschiedliche Betonung markiert wird.

Das Fürwort (Pronomen)

Die Einteilung der Pronomen entspricht jener im Deutschen, doch im Gegensatz zum Deutschen gibt es im Burgenlandkroatischen, wie im Kroatischen, auch in der 3. Person Mehrzahl geschlechtsspezifische Formen. (3. P. pl.: oni, one, ona – sie) Die Höflichkeitsform wird mit der 2. Person Mehrzahl ausgedrückt.

Die persönlichen Fürwörter werden im Burgenlandkroatischen wie auch im Kroatischen in Verbindung mit dem Zeitwort nur dann verwendet, wenn sie betont sind (ja spim, ti spiš – ich schlafe, du schläfst). In den übrigen Fällen ist das Subjekt durch die Zeitwortform des Prädikats klar definiert, z. B. spim (ich schlafe), spiš (du schläfst) etc.

Das Zeitwort (Verb)

Die Nennform endet in der Regel auf -ti, selten auf -ći, z. B. gledati, misliti, putovati, peći (schauen, denken, reisen, backen).

Das Burgenlandkroatische hat sieben Zeitformen, von denen jedoch nur fünf (Präsens, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II) zu den produktiven Kategorien gezählt werden. Die Vergangenheitsformen Aorist und Imperfekt sind, im Gegensatz zum Kroatischen, nur noch in Resten vorhanden.

Gegenwart (Präsens)

a-Konjugationi-Konjguationje-Konjugatione-Konjugation
gledammislimputujempečem
gledašmislišputuješpečeš
gledamisliputujepeče
gledamomislimoputujemopečemo
gledatemisliteputujetepečete
gledajumislu – (kr.: misle)putujupeču – (kr.: peku)

Das Verneinungswort ne steht anders als nicht im Deutschen immer vor dem Zeitwort und nicht danach, z. B: ne gledam – ich schaue nicht.

Im Burgenlandkroatischen tritt in Sätzen mit Indefinitpronomen auf ni- oder mit einem verneinendem Adverb (nikad – nie) die doppelte Verneinung auf, z. B. Nigdo me ne vidi. – Wörtl. bzw. dt. dial.: Keiner sieht mich nicht. Nikad nisi doma. – Wörtl.: Nie bist du nicht zu Hause.

Vergangenheit (Perfekt)

PersonHilfszeitw.PartizipPartizipHilfszw.
jasamgledao, gledala, gledalogledao, gledala, gledalosam
tisigledao, gledala, gledalogledao, gledala, gledalosi
on, ona, onojegledao, gledala, gledalogledao, gledala, gledaloje
mismogledali, gledale, gledalagledali, gledale, gledalasmo
vistegledali, gledale, gledalagledali, gledale, gledalaste
oni, one, onasugledali, gledale, gledalagledali, gledale, gledalasu

Auch das Perfekt kann, wie im Kroatischen, mit oder ohne Personalpronomen ausgedrückt werden. Das Hilfszeitwort wird immer vom Zeitwort biti (sein) gebildet. Das Partizip wird vom Infinitivstamm (ohne Infinitivendung -ti oder -ći) mit den geschlechtsspezifischen Endungen -o, -la, -lo (für die Einzahl) und -li, -le, -la (für die Mehrzahl) gebildet, z. B. misliti (denken): On je mislio. One su mislile. – Er hat gedacht. Sie (weiblich) haben gedacht.

Bei der Verneinung wird dem Hilfszeitwort ein ni- vorangestellt, z. B. On nij(e) mislio. One nisu mislile.

Zukunft (Futur)

PersonHilfszw.InfinitivInfinitivHilfszw.
jaćupećipećiću
tićešpećipećićeš
on, ona, onoćepećipećiće
mićemopećipećićemo
vićetepećipećićete
oni, one, onaćedupećipećićedu

Die Zukunft wird aus dem Hilfszeitwort (htjeti – wollen) und Infinitiv zusammengestellt. Auch die Zukunft kann, wie alle Zeiten, mit oder ohne persönliches Fürwort ausgedrückt werden.

Bei der Verneinung wird dem Hilfszeitwort ein ne- vorangestellt, z. B. On neće peći. One nećedu peći.

Der Aspekt

Wie alle slawischen Sprachen, kennt auch das Burgenlandkroatische die Kategorie des Aspekts. Es wird zwischen perfektiven (vollendeten) und imperfektiven (unvollendeten) Verben unterschieden. Die beiden Aspekte drücken aus, ob eine Handlung schon beendet (perfektiv) oder noch in Gang ist (imperfektiv) ist. Imperfektiv kann auch eine Handlung in der Vergangenheit sein, wenn man die Dauer der Tätigkeit (Durativität) und nicht das Resultat betonen möchte. In der Regel haben alle Verben ein Aspektpaar, z. B. pitispiti (trinken–austrinken), pisati–napisati (schreiben–aufschreiben).

Beispiele:
Jučer sam pisala pismo tati.
– Gestern habe ich meinem Vater einen Brief geschrieben.

Sada pijem kakao. – Jetzt trinke ich Kakao. (Durativität: Die Handlung ist unvollendet.)

Jučer sam napisala pismo tati. – Gestern habe ich meinem Vater einen Brief (fertig)geschrieben.

Čekaj, dokle spijem kavu. – Warte, bis ich den Kaffee ausgetrunken habe. (Resultat)

2.4 Zahlen

1jedan21dvadeset jedan
2dva22dvadeset dva
3tri23dvadeset tri
4četire24dvadeset četire
5pet30trideset
6šest31drideset jedan
7sedam40četrdeset
8osam50pedeset
9devet60šezdeset
10deset70sedamdeset
11jedanaest80osamdeset
12dvanaest90devedeset
13trinaest100sto
14četrnaest115sto petnaest
15petnaest165sto šezdeset pet
16šesnaest200dvisto
17sedamnaest300tristo
18osamnaset1000tisuć
19devetnaest1050tisuć pedeset
20dvadeset1057tisuć pedeset sedam

2.5 Einige Redewendungen

Guten Morgen!Dobro jutro!
Guten Tag!Dobar dan!
Hallo!Zdravo!
Auf Wiedersehen!Zbogom!
Gute Nacht!Laku noć!
Wie geht es dir?Kako ti ide?
Wie geht es Ihnen?Kako Vam ide?
Wie ist Ihr Name, bitte?Kako Vam je ime, prosim!
Wie heißt du?Kako ti je ime? Kako se zoveš?
Woher kommst du (kommen Sie)?Odakle si (ste)?
jada
neinne
dankehvala
bitte/keine Ursacheprosim/ ništ za to
Entschuldigung!Oprostite! (Höflichkeitsform)
Oprosti! (Personen, die einander duzen)
Ich verstehe nicht.Ne razumim.
Alles Gute!Sve najbolje!