1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

qarTuli – [qartuli] das Georgische
qarTuli ena – [qartuli ena] die georgische Sprache
qarTulad – [qartulad] georgisch
vsaubrob qarTulad – [vsaubrob qartulad] Ich spreche georgisch

Georgisch ist die Amtssprache in Georgien. In der Sowjetunion war Georgien eine der wenigen Republiken, in denen es gelang, sich der russischen Assimilationspolitik zu widersetzen und die Nationalsprache als Staatssprache zu bewahren. Jährlich wird seit 1978 am 14. April in Georgien der Tag der georgischen Sprache gefeiert. In der georgischen Hauptstadt Tbilisi und einigen anderen georgischen Städten wurden der georgischen Sprache vor Jahren Denkmäler errichtet. Auch Parks werden nach der Muttersprache benannt.

1.2 Wo Georgisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

Die georgische Sprache wird von etwa. 4,5 Millionen Menschen gesprochen, hauptsächlich in Georgien, das am Fuße des Kaukasus liegt und sich über 69.700 km² erstreckt. Das Land wird im Westen vom Schwarzen Meer, im Norden von Russland, im Süden von der Türkei und Armenien, im Osten von Aserbaidschan begrenzt.

Es existiert keine genaue Statistik, wie viele Menschen Georgisch als Erst-, Zweit- oder Fremdsprache sprechen. Etwa 85% der Bevölkerung Georgiens sind ethnische GeorgierInnen. Laut Schätzungen beläuft sich die Zahl der über die Welt verteilten Georgisch-SprecherInnen gesamthaft auf ca. 200.000. Zahlreiche GeorgierInnen, welche im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen ihre Heimat verlassen mussten, leben seit Jahrzehnten in der Türkei, in Aserbaidschan oder im Iran. Nicht wenige davon haben die georgische Sprache an die nachfolgenden Generationen weitergegeben.

Im heutigen Georgien werden neben Georgisch etwa 20 weitere Sprachen gesprochen, darunter Aserbaidschanisch (ca. 300.000 SprecherInnen), Armenisch (ca. 250.000 SprecherInnen), Abchasisch (ca. 100.000 SprecherInnen), Ossetisch (ca. 100.000 SprecherInnen) und Russisch.

Georgisch ist Zweit- bzw. Umgebungssprache für viele ArmenierInnen, AserbaidschanerInnen, RussInnen, UkrainerInnen, ChinesInnen, TürkInnen, Schwarz-AfrikanerInnen, InderInnen, GriechInnen, Deutsche (seit der ersten Hälfte des 19. Jh.) uvm., die sich zu verschiedenen Zeiten aus politischen, kulturellen oder wirtschaftlichen Gründen in Georgien angesiedelt haben. Georgisch wird als Zweitsprache auch von ursprünglich in Georgien lebenden Juden gesprochen, von denen viele sich in Österreich niedergelassen haben.

1.3 Sprachbrücken zu Deutsch, Russisch, Englisch

Aufgrund interkultureller Beziehungen und internationaler Einflüsse auf Kultur, Literatur, Politik, Wirtschaft, Technik und Wissenschaft haben Wörter aus anderen Sprachen als Lehn- oder Fremdwörter Eingang ins Georgische gefunden.

Aus dem Deutschen wurden ins Georgische z.B. folgende Wörter übernommen:

rukzaki - Rucksack
Stepceli - Stöpsel
Snuri - Schnur
Strafi - Strafe
Slagbaumi - Schlagbaum
vagoni - Wagen

Aus der russischen Sprache haben sich im Georgischen folgende Wörter eingebürgert:
samovari - Teekane
futi - Pfund
pasta - Kugelschreiber
versi - Werst
kapiki - Kopeke

Die Einflüsse des Englischen auf die georgische Sprache sind sehr groß. Durch die weltweit dominante Stellung der englischen Sprache und die Globalisierung der Lebens- und Arbeitsräume gibt es heute im Georgischen deutlich mehr Wörter, die aus dem Englischen stammen, als aus anderen Sprachen:
marketingi - marketing
mesiji - message
treningi - training
mausi - mouse
printeri - printer
skaneri - scanner
roumingi - roaming
Diese und ähnliche Wörter sind in der georgischen Sprache heute allgegenwärtig.

1.4 Namen und Anrede

Bei Nachnamen wird im Georgischen nicht zwischen einer männlichen und einer weiblichen Form unterschieden wie es z.B. für Russisch und andere slawische Sprachen charakteristisch ist. Seit dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 ist als Anredeform (auch im Briefverkehr) die Verwendung des Vatersnamens in Kombination mit dem Vornamen nicht mehr üblich. Unter dem Einfluss des Russischen war dies früher, beispielsweise in Anreden wie Giorgi Davititsch (männlich) oder Mariam Davitovna (weiblich), häufig der Fall. Auch in Dokumenten wird der Vatersname in der Regel nicht mehr zusätzlich zum Nachnamen eingetragen. Es steht also z.B. Mariam Dadiani statt wie früher Mariam Davitovna Dadiani.

Anders als im deutschsprachigen Raum gilt es in der georgischen Sprache als unhöflich, eine Person mit dem Nachnamen anzusprechen (außer beim Militär). Man wird also statt mit dem Nachnamen beispielsweise als Herr Teimuraz mit dem Vornamen angesprochen. Unbekannte, deutlich ältere Menschen, bekannte Persönlichkeiten, Vorgesetzte und Höhergestellte werden gesiezt. In der Familie, unter Kollegen, Freunden und Gleichaltrigen wird das Du verwendet. Bis zum Zweiten Weltkrieg galt das Siezen in der Familie als Normalfall. Daran mussten sich besonders Frauen und Kinder halten.