2. Allgemeine Kurzinformation zur Sprache

2.1 Textproben

Lesen und hören Sie hier Texte in Kurdisch.

Sprichwörter

Kurmancî

Du zebeş bi destekî nayên girtin.
Zwei Wassermelonen lassen sich nicht in einer Hand halten.

Kund çêlika xwe dixwe, û paşê bi ser de digirî.
Die Eule tötet ihre Jungen und hinterher weint sie darüber.

Pêl marê razayî neke.
Trete nicht auf die schlafende Schlange.

Xwîn bi xwînê nayê şûştin.
Blut lässt sich nicht mit Blut waschen.

Av û agir razin, dijmin ranaze.
Wasser und Feuer schlafen, der Feind jedoch nicht.

Roviyekî berdayî ji şerekî girêdayî çêtir e.
Ein Fuchs in der Freiheit ist besser als ein gefangener Löwe.

Xweliya mêr û jinê ji hev e.
Der Mann und die Frau haben dieselbe Asche.

Yê ku ji jina xwe netirse, ne tu mêr e.
Wer sich vor seiner Frau nicht fürchtet, der ist kein richtiger Mann.

Bi dilopên baranê ber tijî nabe.
Die Regentropfen allein füllen das Meer nicht.

Zazakî

Cînîyan de bas nêbeno.
Frauen kann man nicht bändigen.

Her hêga ju kemere, her qafike de ju aqil.
Auf jedem Acker ein Stein, in jedem Kopf ein Verstand.

Bize dizdîya yena ro kel, eskera zêna.
Die Ziege wird geheim geschwängert, jedoch gebärt sie öffentlich.

Soranî

ێرێو هئ یێپ س هک وم هه هت اڵ هس هد ێب ۆرد .
Dro bê deseḻate, hemû kes pêy dewêrê.
Die Lüge ist machtlos, jeder kann sie bezwingen.

هرگهمڵهه باسهق یتهننم ۆخب تۆخ یناڕال یتشۆگ .
Goştî laranî xot bixo, minntî qesab heḻmegre.
Iss dein eigenes Fleisch und erwarte keine Almosen vom Metzger.

هناوخهل ۆڕمهئ هیهنان وهئ نان .
Nan ew naneye, emro le xwane.
Das Essen, das heute gegessen wird, ist, worauf es ankommt.

2.2 Schrift und Aussprache

Die verschiedenen kurdischen Varietäten wurden im Laufe der Geschichte mit unterschied­lichen Alphabeten geschrieben. Im Osmanischen Reich wurde Kurdisch in arabisch-osmanischer Schrift geschrieben. Alle frühen Werke kurdischer Literatur sind in dieser Schrift verfasst worden.

Im 20. Jahrhundert wurde Kurdisch in Alphabeten geschrieben, die auf arabisch-persischen, lateinischen, armenischen und kyrillischen Buchstaben basieren, da meist die Alphabete der jeweiligen Nationalstaaten übernommen wurden. Heute dominiert ein auf den arabischen Buch­staben basierendes Alphabet für Soranî, Gûranî/Hawramî und die südkurdischen Varietäten sowie das irakische und iranische Kurmancî. Das von Celadet Ali Bedirxan entwickelte Alphabet auf Basis des lateinischen Alphabets wird heute v. a. für Kurmancî in der Türkei und in Syrien sowie für Zazakî verwendet. Letzteres wird bis heute aber auch in einem stärker an die türkische Variante der Lateinschrift angelehnten Alphabet geschrieben.

Bedirxan-Alphabet

Dieses Alphabet wurde in den 1930er-Jahren entwickelt und hat sich in den letzten zehn Jahren weitgehend für das in der Türkei und in Syrien verwendete Kurmancî durchgesetzt. Es wird auch vom pro-kurdischen Teil der ZazakîsprecherInnen immer häufiger verwendet.

Bedirxan-Alphabet
BuchstabeAusspracheBeispiel
adeutsches aav = Wasser
bdeutsches bbira = Bruder
cweiches dschcil = Bekleidung
çhartes tschçem = Fluss
ddeutsches ddendik = Kern
ekurzes eem = wir
êlanges und betontes eêl = Sippe
fdeutsches ffirok = Flugzeug
gdeutsches ggund = Dorf
hgehauchtes aber hörbares hhavîn = Sommer
ikurzer und unbetonter Vokal zwischen ä und i (türkisches ı)insan = Mensch
îdeutsches iînî = Freitag
jsehr weiches j wie in Journaljîr = klug
kdeutsches kkar = Arbeit
ldeutsches llazim = notwendig
mdeutsches mmal = Haus, Familie
ndeutsches nnan = Brot
odeutsches oode = Raum, Zimmer
pdeutsches ppartî = Partei
qhartes k, das tief im Kehlkopf gebildet wirdqutî = Schachtel
rgerolltes r mit einem Zungenschlagreng = Farbe
sstimmloses ssal = Jahr
şstimmloses schşîr = Milch
thartes ttazî = nackt
ukurzes, unbetontes uUrmîye = Urmia
ûlanges, betontes uûr = Bauch
vHalblaut zwischen u und w, wie engl. ‚water‘vala = leer
wdeutsches wwelat = Vaterland
xhartes, stimmhaftes ch, wie dt. ‚Bach‘xwîn = Blut
yj wie in ‚Jahr‘yek = eins
zstimmhaftes ‚s‘, wie in dt. ‚Rose‘zor = sehr

Zazakî-Alphabete

Neben dem Bedirxan-Alphabet wird für Zazakî auch ein stärker am türkischen Alphabet angelehntes Alphabet auf lateinischer Grundlage verwendet – v. a. von jenen, die von einer vom Kurdischen verschiedenen eigenen Zaza-Sprache ausgehen. Diese Variante des Zazakî unterscheidet sich nicht nur im Alphabet, sondern auch in der Rechtschreibung von jener, die die Sprache im Bedirxan-Alphabet wiedergibt.

Einer der Hauptunterschiede zwischen den beiden Varianten ist die Schreibweise des ı bzw. i und des i bzw. î. Hier ein Beispiel für die zwei Schreibweisen des gleichen Satzes „Was ist los?“:

Çıçi biyo? (‚türkisches‘ Zaza-Alphabet)
Çiçî bîyo? (Bedirxan-Alphabet)

Soranî-Alphabet

Dieses Alphabet wird nicht nur für Soranî, sondern auch für das irakische Kurmancî, das so genannte Bahdînî (oder Bahdînanî) verwendet. Es basiert auf der arabischen Schrift und wurde um weitere Buchstaben angereichert. Im Gegensatz zum Arabischen werden im Kurdischen auch die kurzen Vokale geschrieben. Wie im Arabischen, Persischen, Osmanischen und Urdu gibt es auch hier von jedem Buchstaben eine Singular-, eine Initial-, eine Medial- und eine Finalform. Jeder Buchstabe wird also etwas anders geschrieben, je nachdem, ob er allein steht oder von links, rechts oder links und rechts mit dem nächsten Buchstaben verbunden wird. Wie in diesen Schriften wird auch im Soranî und Bahdînî von rechts nach links geschrieben. In dieser Tabelle wird jeweils die Singularform, also die Form als alleinstehender Buchstabe abgebildet.

Sorani-Alphabet
BuchstabeAussprache
deutsches a
deutsches b
deutsches p
hartes t
weiches dsch
hartes tsch
weiches, aber hörbares h
hartes ch wie im dt. ‚Bach‘
deutsches d
gerolltes r mit einem Zungenschlag
ڕlängeres gerolltes r
stimmhaftes ‚s‘ wie in dt. ‚Rose‘
sehr weiches j wie in ‚Journal‘
stimmloses s
deutsches (stimmloses) sch
arabischer Knacklaut ʿAyn
Gaumen-r, nur etwas härter als im Deutschen
deutsches f
ڤstimmhafter labiodentaler Frikativ, etwas ähnlich dem deutschen v
hartes k, das tief im Kehlkopf gebildet wird
deutsches k
deutsches g
deutsches l
ڵein pharyngalisierter stimmhafter lateraler alveolarer Approximant, eine Art doppeltes l
deutsches m
deutsches n
deutsches u
Halblaut zwischen u und w, wie engl. ‚water‘
ﻭﻭlanges und betontes u
gehauchtes h
ەkurzer und unbetonter Vokal zwischen ä und i
ێlanges und betontes e
ىlanges i

Armenisches und kyrillisches Alphabet für Kurdisch

In der Sowjetunion wurde Kurdisch zunächst mit armenischen Buchstaben geschrieben, ab 1929 in einer mit kyrillischen Buchstaben angereicherten Lateinschrift und schließlich, nach einer unter Stalin verordneten Umstellung, mit Hilfe des kyrillischen Alphabets. Dieses hat für Kurdisch heute nur noch marginale Bedeutung. Historisch gesehen spielte die kurdische Publikationstätigkeit in der Sowjetunion jedoch auch unter kurdischen Intellektuellen in anderen Teilen Kurdistans eine Rolle.

Yekgirtú

Ein weiteres Alphabet stellt das Yekgirtú, auch Kurdish Unified Alphabet genannt, dar. Es handelt sich dabei v. a. um den Versuch kurdischer Intellektueller, eine gemeinsame Schrift­sprache für alle Varietäten des Kurdischen zu entwickeln, die sich bisher außerhalb von kleinen Intellektuellenzirkeln allerdings kaum durchsetzen konnte. Auch dieses Alphabet basiert auf der Lateinschrift, hat jedoch gegenüber dem weiter verbreiteten Bedirxan-Alphabet einige andere und einige zusätzliche Schriftzeichen.

Die folgende Tabelle ermöglicht einen Vergleich der verschiedenen heute noch in Gebrauch befindlichen Schriftsysteme des Kurdischen mit dem internationalen phonetischen Alphabet:

Kurmancî (Lateinisch)YekgirtúKurmancî (Kyrillisch)Sorani – isoliertSorani – initialSorani – medialSorani – finalIPA
A, aA, aA, aائاـا[aː]
B, bB, bБ, бـبــب[b]
C, cJ, jЩ, щـجــج[d͡ʒ]
Ç, çC, cЧ, чچـچــچ[t͡ʃ]
D, dD, dД, дــد[d]
E, eE, eӘ, әەئە[ɛ]
Ê, êÉ, éE, e (Э э)ێئێــێــێ[e]
F, fF, fФ, фـفـ[f]
G, gG, gГ, гـگــگ[ɡ]
H, hH, hҺ, hـهــهـ[h]
Ḧ, ḧ H’, h’Һ’, h’ححــحــح[ħ]
'Ә’, ә’ععــعــع[ʕ]
I, iI, iЬ, ь[ɪ]
Î, îÍ, íИ, иﺋﯾـيـ[iː]
J, jJh, jhЖ, жـژ[ʒ]
K, kK, kK, kـکـ[k]
L, lL, lЛ, лـلــل[l]
llڵ, ڶڵــ, ڶـــڵـ, ـڶــڵ, ـڶ[lˁ]
M, mM, mM, mـمــم[m]
N, nN, nН, нـنــن[n]
O, oO, oO, oۆئۆ-ـۆ[o]
P, pP, pП, п1پپـــپــپ[p]
Q, qQ, qQ, qـقــق[q]
R, rR, rP, pـر[ɾ]
rrР’, р’ڕ, ڒ, ڔـڕ, ـڒ, ـڔ[ɽ]
S, sS, sC, cـســس[s]
Ş, şSh, shШ, шـشــش[ʃ]
T, tT, tT, т2ـتــت[t]
U, uU, uÖ, öـو[ʊ]/[ʉ]
Û, ûÚ, úУ, уﻭﻭ, ۇـوﻭ, ـۇ[uː]
Ù, ùۈـۈ[ʉː]
V, vV, vB, вڤ, ۋڤــڤــڤ ,ـۋ[v]
W, wW, wW, wـو[w]
X, xX, xX, xX, xـخــخـخ[x]
Ẍ, ẍ X', x'X', x' Г’, г’ـغــغ[ʁ]
Y, yY, yЙ, йيـ[j]
Z, zZ, zЗ, зـز[z]

2.3 Besonderheiten aus der Grammatik

Kasussystem

Kurmancî und Zazakî unterscheiden, wie viele iranische Sprachen, nur zwei Fälle (rectus, obliquus). Soranî und die südkurdischen Varietäten kennen bei Substantiven und Pronomina keine Unterscheidung zwischen Kasus und Genus.

Geschlecht und Artikel

Von allen westiranischen Sprachen unterscheiden nur Zazakî, Kurmancî und Gûranî ein grammatikalisches Geschlecht (männlich, weiblich, sächlich) Soranî kennt kein grammatikalisches Geschlecht.

In Soranî und den südkurdischen Varietäten existiert eine Art Artikelsystem, in Kurmancî haben definite Nomina („der Tisch“) wie im Persischen keine besondere Kennzeichnung.

Ergativität

Kurmancî, Zazakî und Gûranî sind so genannte Ergativsprachen und besitzen eine präteritale Split-Ergativität. Die Vergangenheitsform des Agens bei transitiven Verben wird nicht im casus rectus (also dem Fall, in dem das Subjekt des Satzes steht, entsprechend dem 1. Fall im Deutschen), sondern im casus obliquus (entsprechend dem 2., 3. und 4. Fall im Deutschen), gebildet. Die Endung ê wandert vom Objekt zum Subjekt (Split-Ergativität).

Ein Beispiel aus dem Kurmancî:
Jin pirtûkê dixwîne. Die Frau liest das Buch.
Jinê pirtûk xwend. Die Frau hat das Buch gelesen.

In der Vergangenheitsform wandert in diesem Fall das ê von pirtûk (Buch) zu jin (Frau), wird also abgespalten (Split-Ergativität). Soranî und Südkurdisch sind hingegen keine Ergativ­sprachen.

Pronomen

Im Soranî und Südkurdischen sind viele Pronomen im Laufe der Zeit verschwunden und durch andere – etwa im casus obliquus durch die Form des casus rectus – ersetzt worden, im Kurmancî ist im Vergleich dazu eine große Vielfalt an Pronomen erhalten geblieben.

Die unterschiedlichen kurdischen Varietäten unterscheiden sich in ihren Personalpronomina. Die folgende Tabelle listet die Personalpronomina in den wichtigsten Varietäten (in Bedirxan-Schrift) im ersten Fall auf:

Personalpronomina in den wichtigsten Varietäten
KurmancîSoranîZazakîGûranî Bedeutung
1. Sg.ezminezezminich
2. Sg.tutotitodu
3. Sg. mewewoawer
3. Sg. fewewaawasie
1. Pl.emêmemaemawir
2. Pl.hûnêweşimaşimaihr
3. Pl.ewewanêewesie pl.

Auch im Demonstrativpronomen unterscheiden sich die verschiedenen Varietäten:

Varietäten der Demonstrativpronomen
FormKurmancîSoranîSüdkurdischZazakîBedeutung
casus rectus: maskulin, feminin, pluralev/ewemewno, na, nê dieser, diese, diese
casus obliquus: 
maskulinvî / wîemewneydiesen, diesem
femininvê / wêememewnayediese, dieser
pluralvan / wanemewnînandiese, diesen

Verben

Wie im Deutschen gibt es im Kurdischen eine Nennform der Verben. Die Gegenwart wird im Kurmancî so gebildet, dass das Präfix di- vor den Gegenwartsstamm gestellt wird. Am Ende des Wortes werden dann die Personalendungen angehängt.

Beispiel:
dimîn – bleiben

Beispiel Verb
ez dimînimich bleibe
tu dimînîdu bleibst
ew dimîneer/sie/es bleibt
em dimîninwir bleiben
hûn dimîninihr bleibt, Sie bleiben (Höflichkeitsform)
ew dimîninsie bleiben

Definiertheit

Die verschiedenen kurdischen Varietäten unterscheiden sich auch in der Art, wie Bestimmt­heit/Unbestimmtheit von Nomina ausgedrückt wird. Soranî und Südkurdisch verfügen über ein Definitheitssuffix, im Kurmancî gilt ein Substantiv als bestimmt, solange nicht das Unbestimmt­heitssuffix -ek oder -in angehängt wird. Auch im Zazakî gilt ein Nomen grundsätzlich als bestimmt, solange es nicht durch das Unbestimmtheitssuffix -ê zu einem unbestimmten Nomen gemacht wird.

Ein Beispiel aus dem Zazakî:
embaz – der Freund
embazê – ein Freund

Attributisierung

Im Zazakî existiert eine für das Deutsche sehr ungewöhnliche Form der Attributisierung von Adjektiven. Bei prädikativer Verwendung bleibt das Adjektiv – so wie im Deutschen – unverändert. Das Adjektiv erhält nur ein Verbalsuffix, das dem grammatikalischen Geschlecht und Numerus des Substantivs entspricht. In der attributiven Verwendung ver­schiebt sich aber – völlig anders als im Deutschen – dieses Verbalsuffix als „Attributierungs­suffix“ an das zu bestimmende Substantiv.

Beispiel:
herî gewrê – die Esel sind grau
heranê gewran – die grauen Esel

2.4 Zahlen

Auch bei den Zahlen unterscheiden sich die kurdischen Varietäten teilweise stark von-einander. Hier sind einige Beispiele für die am weitesten verbreiteten Varietäten aufgelistet:

Einige Beispiele für Zahlen
KurmancîZazakîSoranîKurmancîZazakîSoranî
0sifirsifirسفر11yanzdehyondesیانگزه
1yekyekyewیه ك12diwanzdehdiwêsدوانگزه
2dudiدوو13sêzdehhîresسیانگزه
3hîrêسێ20bîstvîstبیست
4çarçeharچوار21bîst û yekvîst û jewبیست و یه ك
5pêncpancپێنج30sîhhîrisسی
6șeșșeșشه ش40çilçewresچل
7hefthewtحه وت50pêncîpancasپه نجا
8heştheștهه شت60șêstșeștiشه ست
9nehnewنۆ100sedseسه د
10dehdesده1000hezarhazarهه زار

2.5 Einige Redewendungen

Da die meisten KurdInnen in Österreich Kurmancî, Soranî oder Zazakî sprechen, werden hier einige Redewendungen in diesen drei Varietäten wiedergegeben. Das bedeutet aller­dings nicht, dass alle KurdInnen in Österreich diese verstehen müssen. In Wien gibt es auch kleinere südkurdisch- und gûranîsprachige kurdische Communities. Zudem gibt es unter den KurdInnen aus der Türkei auch solche, die als Folge der systematischen Assimilationspolitik kein Kurdisch mehr verstehen.

Kurmancî

Einige Redewendungen in Kurmancî
Guten Morgen!Beyanî baș!
Guten Tag!Roș baș!
Sei willkommen!Tu bi xêr hatî!
Wie geht’s? Gut?Tu çawa yî, baș î?
Danke, es geht mir gut.Sipas, ez baș im.
Wer ist das?Ew kî ye?
Das ist Welat.Ew Welat e.
Wie heißt du? (nicht unhöflich!)Navê te çi ye?
Ich heiße Bêrîvan.Navê min Bêrîvan e.
Sehr erfreut.Ser çava.
Auf Wiedersehen!Bi xatirê te!
Ich gehe zur Schule.Ez diçim mektebê.
Woher bist du?Tu ji ku yî?
Ich kann gut Kurdisch.Ez bi kurdî baș dizanim.
Ich kann kein Kurdisch.Ez bi kurdî nizanim.
Sprechen Sie bitte langsam!Hêdî hêdî xeber de!
Können Sie Deutsch?Hûn bi almanî dizanin?
Lassen Sie mich in Ruhe.Min rehet bihêlin.
Ich bin krank.Ez nexweş im.
Wo ist die Toilette?Tiwalet li kuderê ye?
Ich bin aus Diyarbakır.Ez ji Diyarbekirê me.
Ich bin Kurde.Ez kurd im.
jaerê / belê
neinna
Ich liebe dich!Ez ji te hez dikim.

Soranî

Da Soranî im Allgemeinen mit dem auf dem Arabischen basierenden Alphabet geschrieben wird, wird hier neben der Phrase auch noch eine Umschrift angegeben, die sich am Bedirxan-Alphabet orientiert und die ungefähre Aussprache angibt.

Einige Redewendungen in Soranî
Guten Tag!! رۆژ باشRoj baș!
Hallo!! مه رحه باMerheba!
Willkommen! (Pl.)! به خێر بینBexêr bên!
Gute Nacht!! شه و باشŞew baș!
Wie heißt du?ناوت چیه؟Nawit çîye?
Schön, dich zu kennen zu lernen. Sehr erfreut.. خوشحا ڶـم بە ناسینتXoșhaḻim be nasînit.
Wie geht’s? Gut?چۆنی؟ باشی؟ Çonî? Bașî?
Danke.. سوپاسSupas.
Auf Wiedersehen! (Gott sei mit dir!)! خوا لەگەڵXwa legeḻ!
Gibt es hier ein Hotel?ئێره هیچ ئوتێلی لێیه؟Êre hîç utêlêkî lêye?
Ich liebe dich!! من تۆم خۆش ده‌وێتMin tom xoș dewêt!

Zazakî

Die hier gesammelten Redewendungen sind im Bedirxan-Alphabet wiedergegeben.

Einige Redewendungen in Zazakî
Guten Tag!Roza to xêr bo!
Willkommen!Xêr ama!
Wie geht’s, wie steht’s?Ti se kenî?
Auf Wiedersehen!Xatir bi to!
Wie heißt du?Namê to çiko?
Ich habe nicht verstanden.Mi fahm nêkerd.
Ich kann nicht gut Zazakî.Ez Zazakî weș nêzana.
Gibt es hier ein Hotel?Hotel tîya di esto?
Vielen Dank!Berxûdar be!
Woher bist du?Ti kotra ya?
jaheya
nein
Ich liebe dich!Ez tora hasken!

2.6 Kurdische Literatur

Die frühesten Zeugnisse kurdischer Literatur bilden religiöse Gesänge der religiösen Minder­heiten der Êzîdî (Yezidi) und der Ahl-e Haqq. Volksepen wurden über Jahrhunderte v. a. von Sängern, den so genannten Dengbêj vermittelt, die mit ihren oft bis zu einer Stunde dauernden Liedern von Dorf zu Dorf zogen. Neben den männlichen Sängern gab es auch weibliche Dengbêja, die eine anerkannte Position in der kurdischen Gesellschaft innehatten. Die frühesten heute noch bekannten kurdischen Dichter schrieben im 16. und 17. Jahr­hundert lyrische Texte in Kurmancî. Die in Göttingen lehrende Kurdologin Khanna Omarkhali erwähnt Elî Herîrî, der vermutlich von 1425 bis 1490/5 lebte, als den ersten namentlich bekannten kurdischen Dichter. Wurde das 1597 vollendete berühmte kurdische Geschichts­werk Şerefname von Şerefxanê Bedlîsî (1543–1599) aus Bitlis noch in Persisch verfasst, so schrieben die Dichter eine Generation später schon in Kurmancî.

Melayê Cezîrî (1570–1640) schuf am Fürstenhof von Cizre-Botan einen umfangreichen Dîwan, eine Sammlung seiner Gedichte. Auch der im heutigen Hakkari geborene Ehmedê Xanî (1651–1707), der mit Mem û Zîn das berühmteste kurdische Liebesdrama verfasste, wirkte am Hof von Cizre-Botan.

Neben Kurmancî bildete das Gûranî/Hawramî die wichtigste Literatursprache Kurdistans. Während die klassischen Kurmancî-Dichter v. a. am Fürstenhof von Cizre-Botan tätig waren, bildete das Gûranî die Literatursprache am Fürstenhof von Ardalan, im heutigen Iran. Die Geschichte der Dynastie der Fürsten von Ardalan wurde interessanterweise von einer Dichterin und Historikerin namens Mastûray Ardalan (1805–48) verfasst, was auf die bedeutende Stellung von Frauen in der Region hinweist. Während das Gûranî aus seinem einstigen Kerngebiet um die Ardalan-Hauptstadt Sanandaj im 18. und 19. Jahrhundert vom Soranî verdrängt wurde, werden die Gedichte von Parishan Dinawarî (14. Jahrhundert), Mustafa Beseranî (1641–1702), Xana Qubadî (1700–1759) und ganz besonders Mewlewî (1806–1882) bis heute in der Bergregion des Hewraman gelesen.

Andere Varietäten des Kurdischen wurden erst später als schriftliche Literatursprachen verwendet. So gilt Nalî (1800–1856) als der erste Poet, der seine Gedichte in Soranî verfasste. Eine Generation später verfasste Hacî Qadirî Koyî (1817–1897) seinen Diwan ebenfalls auf Soranî. Zu den berühmtesten der klassischen Dichter des Soranî zählt schließlich der in Kirkuk geborene Şêx Rizayê Telebanî (1835–1910).

Das 1898 erschienene religiöse Werk Mewlid von Ehmedê Xasi (1867–1951) gilt wiederum als das älteste publizierte Buch in Zazakî. Bis dahin wurde die Sprache lediglich für mündlich tradierte Literatur verwendet. Lyrik ist bis heute eine hochangesehene Literaturform in allen Varietäten des Kurdischen. Allerdings kamen im 20. Jahrhundert auch dramatische und epische Formen dazu. PoetInnen gelten trotz dieser neuen Formen auch noch im 21. Jahrhundert als die angesehensten VertreterInnen der kurdischen Literatur. Cegerxwîn (1903–1984), der mit bürgerlichem Namen Şehmus Hasan hieß, gilt als einer der größten Kurmancî-Dichter des 20. Jahrhundert. In Syrien spielt heute der Dichter Taha Khalil eine wichtige Rolle für die kulturelle Wiederbelebung des Kurmancî als Literatursprache.

Für das Soranî reformierte Şêrko Bêkes (1940–2013) die traditionellen Formen der kurdischen Verse und führte damit einen Befreiungsschlag für eine moderne, Zeit­genössische kurdische Lyrik durch.

Mussten viele der kurdischen DichterInnen im 20. Jahrhundert ihre Werke im Exil publizieren oder selbst den Weg ins Exil antreten, so entdeckt eine ganze Generation junger AutorInnen das Kurdische wieder neu als Literatursprache. Exilliteratur bildet auch heute noch einen wichtigen Bereich des kurdischen Literaturschaffens. Heute werden aber auch in allen Teilen Kurdistans wieder kurdische Bücher und Zeitschriften produziert. Noch nie sind so viele literarische Werke auf Soranî und Kurmancî erschienen wie seit der Etablierung einer autonomen Region Kurdistan im Irak und der Liberalisierung der Sprachpolitik in der Türkei. Dies gilt jedoch nicht im selben Ausmaß für die anderen Varietäten.