Von der Diagnose zur Förderung

Das Diagnoseinstrument „Unterrichtsbegleitende Sprachstandsbeobachtung –  Deutsch als Zweitsprache“

Lehrerin mit Schülern

Spracherwerb ist einerseits ein hochgradig individueller Prozess, andererseits folgt die Aneignung einer neuen Sprache bestimmten Regelmäßigkeiten, und zwar (weitgehend) unabhängig vom Alter und von der zu erwerbenden Sprache. Immer geht das Verstehen der Sprachproduktion voraus, immer ist ein Minimum an Wortschatz die Grundlage für die Bildung erster Sätze, und immer gilt, dass komplizierte Konstruktionen erst dann angeeignet werden können, sobald einfachere Sprachmuster erworben wurden. (So erfolgt die sichere Verwendung des Präsens vor jener des Perfekts und die Bildung von Nebensätzen erst dann, wenn Hauptsätze einigermaßen souverän gebraucht werden.) Das gilt für den Erwerb der Erstsprache ebenso wie für alle weiteren Sprachen.

Beobachtungsinstrument USB DaZ

Das Wissen um die Mechanismen der Sprachaneignung und die Sprachstandsdiagnostik sind eine Voraussetzung für eine gezielte Förderung. Um Lehrkräfte bei dieser anspruchsvollen Aufgabe zu unterstützen, wurde vom Zentrum für Sprachstandsdiagnostik an der Universität Wien im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Frauen (damals: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur) das Beobachtungsinstrument „Unterrichtsbegleitende Sprachstandsbeobachtung – Deutsch als Zweitsprache“ (USB DaZ) entwickelt.

Es handelt sich dabei um ein wissenschaftlich fundiertes und von PraktikerInnen erprobtes Diagnoseinstrument für die Feststellung sprachlicher Fähigkeiten von SchülerInnen mit Zweitsprache Deutsch.

Folgendes gilt es bei der Arbeit mit USB DaZ zu beachten:

  • Bei USB DaZ handelt es sich NICHT um einen Test, der zu einem bestimmten Zeitpunkt sprachliche Teilfertigkeiten überprüft, sondern um ein Verfahren, welches Lehrkräften ermöglicht, Sprachstand und Sprachzuwächse von SchülerInnen mit Zweitsprache Deutsch regelmäßig zu beobachten und zu interpretieren, um darauf aufbauend gezielte sprachliche Angebote bereitzustellen.
  • Das Instrument lässt sich jederzeit und beliebig oft anwenden, ohne die Lernenden einer Stresssituation auszusetzen, da die Beobachtung mündlicher und schriftlicher sprachlicher Äußerungen in den Unterrichtsalltag integriert ist.
  • USB DaZ eignet sich einerseits für den Einsatz in Sprachförderkursen für außerordentliche SchülerInnen und andererseits für den Regelunterricht – und zwar sowohl für den Bereich der Primarstufe als auch der Sekundarstufe I.
  • Eine Anleitung zur konkreten Arbeit mit USB DaZ ist den Hinweisen zu den einzelnen sprachlichen Teilbereichen im Teil 1 der Handreichung (Beobachtungsbogen) zu entnehmen.
  • Im Teil 2 (Ergebnisdokumentationsbogen) können die Beobachtungen durch Ankreuzen der jeweils erreichten Spracherwerbsstufe festgehalten werden.
  • Um eine gewisse Anwendungsroutine zu erlangen, empfiehlt es sich, entsprechende Einschulungsangebote der Pädagogischen Hochschulen wahrzunehmen.
  • Schließlich darf nicht darauf vergessen werden, dass die Deutschkompetenz nur einen Ausschnitt aus dem gesamten sprachlichen Repertoire mehrsprachiger SchülerInnen darstellt.