Learning by doing mit Trio

Seit acht Jahren ist die Zeitschrift Trio ein fixer Bestandteil in vielen mehrsprachigen Volksschulklassen. Erstmals trafen sich LehrerInnen zu einem dreitägigen Seminar zum Erfahrungsaustausch.

Von: Thomas Aistleitner

TeilnehmerInnen des Trio-Seminars

Seit seiner ersten Ausgabe im März 2006 ist Trio ein gern gesehenes Angebot an Schulen, wo Kinder mit verschiedenen Muttersprachen unterrichtet werden: 50.000 Leserinnen und Leser bekommen zweimal jährlich ein Magazin, dem jede Sprache gleich viel wert ist und das Mehrsprachigkeit auf höchstem pädagogischen und ästhetischem Niveau behandelt.
Heuer wurden erstmals auf einem dreitägigen Seminar in St. Pölten Erfahrungen mit Trio ausgetauscht und neue pädagogische Strategien für den Unterricht in mehrsprachigen Klassen erörtert. Organisatorin Elfie Fleck im Interview über die Erkenntnisse.

Es war das erste Seminar zum Einsatz der Zeitschrift Trio im Unterricht. Was war das Ziel des Seminars?

Elfie Fleck: Die Online-Befragung zu Trio, die im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Frauen (damals Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur) im Jahr 2012 durchgeführt wurde, hat eine große Zufriedenheit mit dem Heft ergeben. Allerdings zeigte sich auch, dass viele der (einsprachigen) KlassenlehrerInnen die Möglichkeiten, die Trio bietet, nicht voll ausschöpfen, da sie sich ohne muttersprachliche Unterstützung oft nicht ausreichend qualifiziert fühlen, mit allen drei Sprachen zu arbeiten.

Daher wurde mehrfach der Wunsch nach spezifischen Weiterbildungen zur Arbeit mit Trio im Zuge der Umfrage geäußert. Diesem Anliegen wurde nun durch das bundesweite Fortbildungsseminar erstmals entsprochen. Ziel der Veranstaltung war es, auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Trio hinzuweisen, wobei auf unterrichtspraktische Aspekte in Form von Workshops und Gruppenarbeiten größter Wert gelegt wurde.

An wen hat sich das Seminar gerichtet, an LehrerInnen im muttersprachlichen Unterricht, oder auch an andere LehrerInnen?

Zielgruppe der Veranstaltung waren aus den genannten Gründen in erster Linie VolksschullehrerInnen und LehrerInnen der Sekundarstufe I sowie – aufgrund ihrer Rolle in der Lehreraus- und -weiterbildung – Lehrende an den Pädagogischen Hochschulen. Die muttersprachlichen Lehrkräfte waren natürlich ebenfalls willkommen.

Waren Sie mit der Teilnehmerzahl zufrieden?

Es haben über 40 Lehrkräfte aus allen Bundesländern und aus verschiedenen Schularten – wenngleich mehrheitlich aus der Volksschule – teilgenommen. Das Verhältnis zwischen Klassen- und FachlehrerInnen einerseits und muttersprachlichen LehrerInnen andererseits war ziemlich ausgewogen.

Welche Workshops wurden besonders gut angenommen?

Am Ende des zweitägigen Seminars wurden die TeilnehmerInnen eingeladen, in Kleingruppen ihr Feedback zu der Veranstaltung zu geben. Besonders geschätzt wurden die wissenschaftlich fundierten Fachvorträge, der Erfahrungsaustausch über Schularten, Sprachen und Bundesländer hinweg und die gemeinsame Erarbeitung von konkreten Unterrichtseinheiten. Aus den insgesamt vier parallel angebotenen Workshops konnten drei ausgewählt werden, die alle gleichermaßen gut angenommen wurden.

Zur Illustration seien einige der schriftlich festgehaltenen Rückmeldungen zitiert: „Ideensammlung für den Unterricht“, „viele Impulse“, „umfangreiche Ideenbörse“, „die Vielfalt an Vorträgen, Workshops, Gruppenarbeiten“, „die praxisbezogene Arbeit“, „die Vermittlung neuer Sichtweisen“, „der neue Zugang zu fremdsprachigen Texten“.

Gab es Vorschläge von den TeilnehmerInnen, die umgesetzt werden können?

Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass in vielen Klassen neben Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Türkisch auch zahlreiche andere Sprachen vertreten sind, die in Trio nur in Form der „Gastsprache“ berücksichtigt werden. Bei einem allfälligen Folgeseminar könnte auf diese Problematik verstärkt eingegangen werden.

Was waren wichtige Erkenntnisse aus dem Seminar?

Die Möglichkeit, selbst Experimente durchzuführen, die Online-Angebote zu Trio auszuprobieren und in Kleingruppen eigene Unterrichtseinheiten zu erarbeiten, wurde äußerst positiv aufgenommen. „Learning by doing“ ist somit auch für die Arbeit mit LehrerInnen ein Erfolg versprechender Zugang, der allfällige Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit dem mehrsprachigen Ansatz abbauen oder zumindest reduzieren kann. Teilweise wurde aber auch kritisch angemerkt, dass die Anregungen zur Arbeit mit Trio ohne muttersprachliche LehrerInnen nicht ausreichend waren.

Ist daran gedacht, auch im nächsten Jahr ein Trio-Seminar anzubieten? Wenn ja, wie kann man sich anmelden?

Grundsätzlich lässt sich ein Seminar zur unterrichtspraktischen Arbeit mit Trio auch im kommenden Schuljahr anbieten. Wenn es so weit ist, wird die Veranstaltung auf www.schule-mehrsprachig.at sowie per Erlass angekündigt. Die Anmeldung erfolgt wie bei allen Fortbildungsveranstaltungen über PH-online.