Chemie braucht (mehrsprachigen) Nachwuchs

Um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, setzt der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs mit dem „Chemiekoffer“ für VolksschülerInnen seit zwei Jahren auf Frühförderung. Jetzt stattet er Schulen mit einem hohen Anteil an Kindern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, damit aus, und die (muttersprachlichen) LehrerInnen werden speziell geschult. 

Marko (7 Jahre) und Tatjana (8 Jahre) arbeiten in der VS Rothenburgstraße mit dem Chemiekoffer
Schülerin und Schüler der VS Rothenburgstrasse beim Arbeiten mit dem Chemiekoffer

Die Produkte der Chemieindustrie sorgen dafür, dass wir unsere Anforderungen an ein modernes Leben erfüllen können: von Dämmmaterialien und Solarzellen über leichte Verpackungen bis hin zu selbstreinigenden Fassaden oder energiesparenden Waschmitteln. Auch mit der Erzeugung ihrer Produkte setzt die Chemieindustrie auf Nachhaltigkeit.

Wenn es um die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs geht, müssen die Naturwissenschaften mitgedacht werden, ist Sylvia Hofinger, Obfrau des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) überzeugt: „Wir brauchen mehr qualifizierte ChemikerInnen. Denn unsere produzierenden Unternehmen setzen auf Forschung. Sie ist der Motor für wichtige Innovationen im Gesundheits- und Umweltschutz und in Zukunftstechnologien. Wir können es uns nicht leisten, auf das naturwissenschaftliche Talent auch nur eines einzigen Kindes zu verzichten!“

Experimentierset „Chemiekoffer“

Seit zwei Jahren unterstützt der FCIO mit dem Verband der ChemielehrerInnen (VCÖ) die VolksschullehrerInnen beim praktischen Sachunterricht mit dem eigens entwickelten Experimentierset. Susanne Brandsteidl, Amtsführende Präsidentin des Stadtschulrats für Wien, weiß dieses Engagement zu schätzen: „Die Verantwortung unserer Lehrkräfte ist groß. Es ist schön, wenn sie von ExpertInnen außerhalb unserer Bildungseinrichtungen bestmögliche Unterstützung erhalten“. Knapp 300 Volksschulen in ganz Österreich, 40 davon in Wien, arbeiten bereits mit dem beliebten „Chemiekoffer“.

Im Rahmen seiner aktuellen Initiative stellt der FCIO den Chemiekoffer insbesondere Volksschulen mit einem hohen Anteil an Kindern mit anderen Erstsprachen als Deutsch zur Verfügung.

Mehrsprachige naturwissenschaftliche Talente

In Österreichs Volksschulen haben 24,8 Prozent, in Wien 53,9 Prozent der SchülerInnen eine andere Erstsprache als Deutsch. In wenigen Jahren werden sie ihre ersten Berufsentscheidungen treffen. Hofinger: „Ist ihr naturwissenschaftliches Interesse geweckt, stehen die Chancen gut, dass sie sich für einen chemischen Beruf entscheiden. Die KlassenlehrerInnen und die muttersprachlichen LehrerInnen erhalten spezielle Einschulungen, die ihnen helfen, die Kinder bei der Überwindung von sprachlichen Barrieren zu unterstützen.”

Die VS Rothenburgstraße zeigt, wie es geht

Auch in der VS Rothenburgstraße in Wien sind die Chemiekoffer eingetroffen. Als Zentrum für Begabungsförderung ist das wichtigste Ziel der Schule nicht nur das Ausgleichen von Defiziten, sondern die Förderung aller Stärken und Begabungen der Kinder. 62 Prozent der SchülerInnen dieser Schule haben eine andere Erstsprache als Deutsch. „Gerade Fachausdrücke, wie sie beispielsweise in der Chemie verwendet werden, verstehen viele unserer Kinder nicht”, erklärt Sanja Biwald, Lehrerin in der Schule. „Das Arbeiten mit dem Chemiekoffer gibt uns Lehrkräften die Möglichkeit, den Kindern diese Vokabel zu lehren und somit ihr Interesse für Naturwissenschaften zu wecken.