1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

español – Spanisch
castellano – Kastilisch

Hablo español/castellano. – Ich spreche Spanisch.
¿Hablas español/castellano? – Sprichst du Spanisch?
¿Habla usted español/castellano? – Sprechen Sie Spanisch?

Castellano und español sind synonyme Bezeichnungen für die spanische Sprache. Die unterschiedliche Verwendung der Begriffe hat in Spanien und Lateinamerika politische Gründe: castellano leitet sich von Castilla ab, der Region in Spanien, die der geografische Ursprungsort des kastilischen Dialekts ist. Die Bezeichnung español leitet sich von España, also der spanischen Nation, ab. In Spanien wird der Begriff castellano verwendet.

In Südamerika wird allgemein eher die Bezeichnung castellano bevorzugt, während in Mittelamerika und Kolumbien español üblich ist. Die Verfassungen von z.B. Spanien, Bolivien, Kolumbien, Ecuador, El Salvador, Paraguay, Peru und Venezuela verwenden den Begriff castellano; Kuba, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Panama hingegen español.

In diesem Dokument wird der Terminus Spanisch verwendet, da er im Deutschen geläufiger ist als der Begriff Kastilisch.

1.2 Einige Begriffsklärungen

Es gibt geographische und kulturelle Begriffe, die sich auf unterschiedliche Teile des amerikanischen Kontinents beziehen.

1.3 Wo heute Spanisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

1.3.1 Länder, in denen Spanisch gesprochen wird

Diese Weltkarte zeigt nur jene Länder, in denen der Prozentsatz an SprecherInnen von Spanisch als Muttersprache oder L1 (Erstsprache) sehr hoch ist. Dazu gehören Länder mit Spanisch als Amtssprache, Staaten innerhalb der USA mit einem hohen Prozentsatz an hispanohablantes (spanischsprachigen BewohnerInnen), und Länder mit kreolischen Varianten des Spanischen.

Die Farbmarkierungen bedeuten:

  • Dunkelblau: Länder mit Spanisch als offizieller Sprache
  • USA: Drei Abstufungen der Farbe blau
    - dunkel: 25 % oder mehr der Bevölkerung spricht Spanisch als L1
    - mittel: 10-20 %
    - hell: 5-9 %
    Spanisch ist jedoch keine offizielle Sprache oder Amtssprache.
    Durch die Mischung mit Englisch hat sich Spanglish/Espanglis entwickelt, das international verwendet wird (z. B. von Internet-UserInnen), aber vor allem in den USA die alltägliche Form der Kommunikation unter spanischsprachigen MigrantInnen geworden ist.
  • Hellblau (außerhalb der USA): Länder oder Regionen, in denen Spanisch als L1 gesprochen wird, jedoch nicht als offizielle Sprache anerkannt ist, bzw. in denen eine kreolische Variante basierend auf Spanisch gesprochen wird (Belize, Trinidad und Tobago).

1.3.2 Anzahl der SprecherInnen insgesamt

Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es ca. 60 Millionen Spanisch sprechende Menschen, heute sind es, je nach Quelle, bis zu 500 Millionen. Diese Zahl inkludiert auch jene Menschen, die Spanisch als Fremdsprache lernen.

Spanisch als Erstsprache oder L1 sprechen ca. 420 Millionen Menschen, ca. 42 Millionen leben in Spanien. 30 bis 60 Millionen sprechen Spanisch als Zweitsprache oder L2.

Bei den Erstsprachen liegt Spanisch je nach Schätzung knapp vor bzw. hinter dem Englischen (und hinter Mandarin) auf dem zweiten bzw. dritten Platz. Die Schätzungen reichen bei diesen Angaben von 329 bis 400 Millionen Menschen mit Spanisch als L1. Nach anderen Berechnungen belegt Spanisch Platz 4 und wird von Mandarin, Hindu-Urdu und Englisch übertroffen. (Schader, Basil: Deine Sprache – meine Sprache. Handbuch Erstsprache, Lehrmittelverlag Zürich: 2011)

Das bevölkerungsreichste spanischsprachige Land ist Mexiko (ca. 110 Millionen SprecherInnen). In den USA sprechen rund 15% der Bevölkerung Spanisch: ca. 35 Mio. als L1 und ca. 15 Mio. als L2.

1.3.3 Hauptverbreitungsgebiete und Status

Spanisch ist offizielle Sprache in 22 Ländern: in Spanien, im Großteil Lateinamerikas, in Äquatorialguinea und in der Westsahara (seit 1976 von Marokko annektiert).

Spanisch wird in Europa nach Englisch, Französisch und Deutsch am häufigsten als Fremdsprache gelernt. In vielen europäischen Ländern (z. B. Portugal, Deutschland, Polen, Österreich) hat die Nachfrage nach Spanisch als Unterrichtsfach in Schulen und Sprachschulen bzw. in der Erwachsenenbildung in den letzten Jahren stark zugenommen. In Deutschland und Österreich rangiert Spanisch meistens nach Englisch und Französisch bzw. Englisch und Italienisch an dritter Stelle der gewählten Fremdsprachen.

In der Mehrsprachigkeitsforschung wird Spanisch häufig in der Position der dritten Sprache (L3) bzw. der dritten Fremdsprache nach Französisch erforscht.

Weiterführende Informationen geben verschiedenste Internetquellen:

1.4 Verbreitung des Spanischen

1.4.1 Spanisch als Lingua Franca

Spanisch hat in all jenen spanischsprachigen Regionen die Funktion einer Lingua Franca, in denen Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Erstsprachen zusammenleben, z. B. in vielen Regionen Lateinamerikas.

1.4.2 Wo wird die Sprache noch gesprochen?

Spanisch auf den Philippinen

Es gibt viele Texte, kulturelle Zeugnisse, religiöse Schriften und rechtliche Grundlagen aus der Zeit der spanischen Kolonialherrschaft (bis 1898).

1973 verlor Spanisch den Status als Amtssprache. Präsidentin Corazon Aquino strich später Spanisch auch als Pflichtfach aus dem philippinischen Lehrplan. Spanisch ist unter Jugendlichen heute trotzdem wieder sehr präsent.

Spanisch in Marokko

Spanien und Frankreich teilten sich im Jahre 1912 Marokko als „Protektorat“ auf. Spanien behielt seinen Teil des Protektorats bis 1956. In den von Spanien kontrollierten Gebieten Marokkos (Süden, Norden) wird auch heute noch Spanisch unterrichtet und gesprochen.

Spanisch als Nachbarschaftssprache

1.4.3 Die Verbreitung der spanischen Sprache durch Migration

Emigration von Lateinamerika in die USA (siehe auch Karte oben)

Der hohe Anteil an Hispanohablantes in den USA geht auf unterschiedliche Einwanderungswellen zurück. Eine der ältesten Gruppen von MigrantInnen sind die mexikanischen Chicanos, die vielfach als Landarbeiter und Erntehelfer in den Süden der USA auswanderten. Politische Ereignisse wie die kubanische und nicaraguanische Revolution, Verfolgungen während der Zeit der Diktaturen (z. B. in Argentinien, Uruguay, Paraguay ...), Bürgerkriege (El Salvador), Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten Gruppen (Armee, Paramilitärs, Guerilla in Kolumbien) oder Armut und Perspektivlosigkeit brachten Hunderttausende dazu in die USA zu emigrieren. Zahlenangaben sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, denn viele EmigrantInnen waren/sind auf illegale Schlepper angewiesen, viele erreichten die USA nie.

Tatsache ist, wie Internetquellen gut dokumentieren, dass heute die spanischsprachige Bevölkerung der USA sowohl von PolitikerInnen vor Wahlen als auch von großen Unternehmen oft auf Spanisch angesprochen wird. In der Werbung wird häufig auf Spanglish zurückgegriffen.

Emigration aus Spanien in andere Länder Europas

Über Jahrhunderte wanderten SpanierInnen nach Lateinamerika und in die Karibik aus. Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts änderte sich dieses Muster, als verschiedene europäische Staaten mit den Mittelmeerstaaten Abkommen zur Rekrutierung von Arbeitskräften abschlossen. In verschiedenen europäischen Staaten sind daher Nachkommen von spanischen MigrantInnen heute relativ stark vertreten, so z. B. in Deutschland, Frankreich und der Schweiz.

1962 schloss auch Österreich ein „Abkommen zwischen Österreich und Spanien über die Anwerbung spanischer Arbeitskräfte und deren Beschäftigung in Österreich“ ab (Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich vom 18. Juli 1962) (genauso wie mit der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien). Insgesamt wanderten jedoch relativ wenige ArbeitsmigrantInnen ein: zwischen 1970 und 1989 waren es etwa 1.000 Personen. (Vilar, Mª. José (1999): La emigración española a Europa en el siglo XX. Madrid: Arco Libros)

1.4.4 Welche anderen Sprachen werden in spanischsprachigen Ländern gesprochen?

Spanien

Die spanische Verfassung von 1978 anerkennt zusätzlich zu Spanisch drei weitere Amtssprachen in den jeweiligen autonomen Regionen: Català (Katalanisch) in Katalonien, den Balearen und Valencia (siehe auch die Karte weiter unten); Euskera (Baskisch) im Baskenland und in Navarra; und Galego (Galizisch) in Galizien. Valencià (Valencianisch, in Valencia und Alicante gesprochen) zählt für manche als Variante des Català, für andere als eigene Sprache (siehe Karte weiter unten).

Lateinamerika

In allen spanischsprachigen Ländern werden auch 500 Jahre nach der Entdeckung Hunderte von indigenen Sprachen gesprochen. Das heißt, dass für einen Teil der Bevölkerung von Mexiko, Guatemala, Bolivien etc. Spanisch die Zweitsprache und nicht die erste Sprache ist. In den lateinamerikanischen Ländern ist die sprachenpolitische Situation sehr unterschiedlich. Einige Beispiele sollen als Illustration dienen:

In Bolivien und Peru sind Aymara und Quechua neben Spanisch am häufigsten zu hören. In Peru sind alle drei Sprachen Amtssprachen. Artikel 5 der neuen Verfassung von Bolivien aus dem Jahr 2009 nennt als offizielle Sprachen neben Spanisch noch 36 weitere indigene Sprachen. An verschiedenen anderen Stellen der Verfassung wird das Recht auf Bildung in der Erstsprache festgehalten und geregelt, welche Sprachen im Schulsystem in einzelnen Regionen angeboten werden sollen. (http://bolivia.infoleyes.com/shownorm.php?id=469)

 

In Guatemala sind 22 verschiedene Maya-Sprachen anerkannt, und Mexiko rühmt sich mehr als 345 Sprachen und Sprachvarianten zu beherbergen. Anerkannt sind 67 unterschiedliche indigene Sprachen (z. B. Náhuatl, Zapoteco, Mixteco) und acht Maya-Sprachen.

1.4.5 Situation von Spanisch in Österreich

Spanisch als L1 in Österreich

Laut Statistik Austria (2011) leben ca. 9.300 LateinamerikanerInnen und ca. 3.380 spanische StaatsbürgerInnen in Österreich. Die niedrige Zahl ist ein Spiegel der historisch schwachen Zuwanderung nach Österreich (siehe oben) und zeigt auf, wie unterschiedlich sich die Migrationsnetze in Deutschland, der Schweiz und in Österreich entwickelt haben.

Spanisch wird also von einer verhältnismäßig kleinen Anzahl an MigrantInnen als L1 gesprochen. An einigen wenigen Schulen gibt es Unterricht in „Spanisch als Muttersprache“ (Linz, Graz, Dornbirn, Feldkirch, Wien-Hietzing). (Informationsblatt 5, 2013/14)

Spanisch lernen in Österreich (LEPP-Länderbericht 2006)

Spanisch wird an den Universitäten Wien, Graz, Innsbruck und Salzburg als Bachelor- bzw. Masterstudium angeboten. Das Lehramtsstudium für Spanisch (AHS, BMHS) gibt es an allen Universitäten außer in Klagenfurt.

Viele Schulen bieten die Möglichkeit an, Spanisch als Fremdsprache zu lernen. Im Burgenland, in Niederösterreich, Oberösterreich, Vorarlberg und Wien ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler auf der 8. Schulstufe, die Spanisch belegt haben, höher als der für Italienisch, liegt allerdings in allen diesen Bundesländern bei weniger als 2 % der jeweiligen SchülerInnen. In Kursen der VHS nimmt Spanisch als Fremdsprache in den meisten Bundesländern vor Französisch, aber nach Englisch und Italienisch den dritten Platz ein. Nachfragen nach Spanischangeboten haben in den letzten Jahren zugenommen.

1.5 Geschichtlicher Abriss

Die heutige Verbreitung des Spanischen ist ein Spiegelbild der Kolonialgeschichte Spaniens, die von der Eroberung und Kolonialisierung eines Teils der Welt durch spanische (bzw. im Auftrag der spanischen Krone agierende) Entdecker, Eroberer und Missionare seit dem Jahr 1492 über die jahrhundertelange Emigration von Teilen der spanischen Bevölkerung nach Lateinamerika und in die Karibik reicht und auch die aktuelle Situation Spaniens als Zuwanderungsland (für lateinamerikanische, afrikanische und osteuropäische ArbeitnehmerInnen) beeinflusst. Die derzeitige Wirtschaftskrise in Spanien führt allerdings wiederum zu einer neuen Auswanderungswelle nach Lateinamerika und Mitteleuropa.

Die Römer beginnen im 3. Jh. v. Chr. mit der Eroberung der iberischen Halbinsel, wo verschiedenste Sprachen gesprochen werden. Die lateinische Sprache verbreitet sich rasch und wird zur Kultursprache. Daraus entwickeln sich unterschiedliche romanische Dialekte. Das Kastilische entsteht in einer schwach romanisierten Gegend im Norden Spaniens, der stärker von den vorromanischen Sprachen geprägt ist, und wird später zur Schrift- und Nationalsprache Spaniens.

Maurische Eroberer beginnen ihre Expansion 711 von Afrika aus. Sie besetzen und besiedeln ganz Spanien, mit Ausnahme des Kantabrischen Gebirges und Nordspaniens; von dort aus wird die spätere Rückeroberung (die sog. Reconquista) organisiert. Die Grafen Altkastiliens erweitern in andauernden Kämpfen gegen die arabischen Kalifen ihr Staatsgebiet nach Süden hin, was das Einzugsgebiet der kastilischen Sprache enorm vergrößert.

Die ersten Zeugnisse einer gegenüber dem Latein eigenständigen Sprachform, d. h. des frühen Altspanischen, finden sich in den Glosas Emilianenses und den Glosas Silenses, die auf das Jahr 960–980 datiert werden. Dabei handelt es sich um Erläuterungen zu unverständlich gewordenen lateinischen Ausdrücken in kirchlichen Texten.

In der zweiten Hälfte des 11. Jh. wird Kastilien zum Königreich ausgerufen (Toledo wird 1085 Hauptstadt). Die kastilische Mundart wird somit Hof- und Umgangssprache. Im 13. Jh. wird das Lateinische als Urkundensprache abgeschafft und durch das Kastilische ersetzt. Das Spanische, wie wir es heute kennen, ist eine Weiterentwicklung der lateinisch-kastilischen Mundart mit toledanischem (aus Toledo stammendem) Einfluss (vgl. auch die Erklärungen zu den Begriffen castellano und español).

Die erste spanische Grammatik wird im Jahre 1492 von Antonio de Nebrija verfasst.

Während mehrerer Jahrhunderte (zwischen 711 und 1492) werden große Teile Spaniens von muslimischen Kalifen regiert, die nach und nach zurückgedrängt und vertrieben werden. Dieser Prozess der Reconquista ist 1492 mit der Übernahme von Granada abgeschlossen. Nach der Reconquista werden sowohl jüdische (sefardische Juden/Jüdinnen), arabische und muslimische BewohnerInnen als auch gitanos (Roma) des Landes verwiesen, wenn sie sich nicht zum katholischen Glauben bekennen.

Während der Zeit der arabischen Präsenz auf der Halbinsel gelangen viele arabische Wörter in die spanische Sprache. Nach Auswertung des Wörterbuches der Real Academia Española von 1995 enthält das heutige Spanisch noch 1285 Entlehnungen aus dem Arabischen und ist somit die romanische Sprache mit den meisten arabischen Lehnwörtern, die im alltäglichen Wortschatz fest verankert sind, wie beispielsweise aceite (Öl), aceituna (auch: oliva; Olive), alfombra (Teppich), alcazar (Festung), alcalde (BürgermeisterIn), baño (Bad), café, chisme (Gerede), quintal (Maß von 46 kg). Auch der Name der südlichsten Region Spaniens, Andalusien, stammt von der arabischen Bezeichnung Al-Andalus. Da auch das Türkische vom Arabischen beeinflusst war, entdecken türkischsprachige Kinder und Jugendliche, wenn sie Spanisch lernen, viele bekannte Wörter.

1492 ist auch das Jahr der Entdeckung Amerikas. Spaniens Aufstieg zur Welt- und Kolonialmacht beginnt. Während mehr als 400 Jahren Kolonialgeschichte wandern SpanierInnen aus den ärmsten Regionen Spaniens (im Norden z. B. aus Galizien und Asturias, im Süden aus Extremadura und Andalusien) nach Lateinamerika aus, unermessliche Reichtümer gelangen von Lateinamerika über Spanien nach Europa.

Die spanische Sprache wird in allen Kolonien eingeführt und ist heute Amtssprache der meisten ehemaligen Kolonien. Die Varianten des Spanischen, die durch diese weltweite Verbreitung entstanden sind, werden im nachfolgenden Kapitel behandelt.

Die meisten lateinamerikanischen Länder erkämpfen zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Unabhängigkeit von Spanien, das seine letzten Kolonien im amerikanisch-spanischen Krieg 1898 an die Vereinigten Staaten verliert (Kuba, Philippinen).

Ceuta und Melilla, zwei Städte in Nordafrika, gehören heute noch zum spanischen Territorium, während Gibraltar britische Kronkolonie geblieben ist.

1923 übernimmt das Militär die Macht in Spanien, 1931 wird Spanien zur Republik erklärt, doch 1936 putscht das Militär unter General Francisco Franco gegen die Regierung. Nach einem dreijährigen Bürgerkrieg, bei dem Franco auch von Hitler unterstützt wird, beginnt die Franco-Diktatur, die erst mit seinem Tod im Jahre 1975 zu Ende geht. Juan Carlos I wird zum Staatsoberhaupt ernannt und es beginnt die Zeit der Transición, des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie. 1982 wird gewählt, und die sozialistische Partei von Felipe Gonzalez übernimmt die Regierungsgeschäfte und regiert das Land bis 1996. Seither wechseln sich die sozialistische Partei und die Volkspartei (Partido Popular) als Regierungsparteien ab.

1.6 Varianten des Spanischen

1.6.1 Spanien: Spanisch, regionale Varianten und andere Sprachen

Übersichtsgrafik Spanien: Spanisch, regionale Varianten und andere Sprachen

http://en.wikipedia.org/wiki/File:Castillian_dialects_in_spain.png

Bilinguale Regionen:

Katalonien, Valencia und die Balearen: Catalá, Valenciá, Mallorquín
Baskenland und Teile von Navarra: Euskera (Baskisch)
Galizien: Galego (Galizisch)

Gebiete mit stark unterschiedlichen regionalen Varianten:

Neben den offiziell anerkannten Sprachen werden unterschiedliche Varianten des Spanischen sowie verschiedenste Dialekte gesprochen, die nicht auf bestimmte Regionen (Bundesländern vergleichbar) beschränkt sind. Das asturleonés wird zum Beispiel in Asturias und in Teilen von Portugal gesprochen, das aragonés in Aragón.

Zudem findet man in ganz Spanien das caló, eine Variante des Romanes, das von den gitanos gesprochen wird. Es hat den Wortschatz des Spanischen bereichert. Wörter wie currelar oder currar (arbeiten), molar (gefallen), parné (Geld), piltra (Bett), die in der spanischen Alltagssprache sehr häufig verwendet werden, sind ein Zeugnis für dieses Kontaktphänomen. (http://es.wikipedia.org/wiki/Idioma_cal%C3%B3)

Vor allem in ländlichen Gebieten Spaniens werden Dialekte und regionale Varianten des Kastilischen gesprochen, die sich in der Aussprache und im Wortschatz stark von der Standardsprache unterscheiden. In Städten sind diese Unterschiede weniger stark.

1.6.2 Die Real Academia Española

Im Jahr 1713 entstand nach französischem Vorbild die Real Academia de la Lengua, die als anerkannte Autorität in Sprachfragen gilt.

Heute gibt die Real Academia Española (Königliche Spanische Akademie) in Zusammenarbeit mit den 21 Sprachakademien der anderen spanischsprachigen Länder (in Lateinamerika und auf den Philippinen) unter anderem das Wörterbuch Diccionario de la Lengua Española und das umfangreiche Grammatikwerk Nueva Gramática de la Lengua Española heraus. Die 22 Sprachakademien bilden zusammen die Asociación de Academias de la Lengua Española (Vereinigung der Akademien der span. Sprache). (http://www.asale.org/academias/real-academia-espanola)

Die Sprachenpolitik der Sprachakademien basiert auf der Annahme, dass die Sprache die wichtigste gemeinsame Grundlage und Basis für die Einheit (unión) der spanischsprachigen Bevölkerung ist. Das Ziel der Sprachakademien ist die Erhaltung der Einheit dieser gemeinsamen Sprache in ihrer reichhaltigen Vielfalt: La unidad de nuestro idioma en su rica variedad. Die Sprachakademien überwachen die Normen der Sprache, wobei nicht das Spanische der iberischen Halbinsel als Norm angesehen, sondern die Sprache bewusst als plurizentrische Sprache definiert wird. Norm ist also genauso die Variante des Spanischen, die in einem der spanischsprachigen Länder als Bildungssprache in Verwendung ist.

In der Orthografie und Grammatik ist das Spanische weitgehend einheitlich. Unterschiede in der Grammatik beziehen sich zum Beispiel auf den Gebrauch der Zeiten oder der Personalpronomen „ihr“ und „Sie“.

Allgemein machen sich die Unterschiede insbesondere in der Phonetik und im Wortschatz bemerkbar. Diese sind in der Schrift- und Verkehrssprache nicht so groß wie in der Umgangssprache bzw. den mündlichen Varianten der einzelnen Länder.

Einige Wörter haben einen Bedeutungswandel durchgemacht; generell lässt sich der lateinamerikanische Wortschatz als archaischer als der kontinentaleuropäische beschreiben (d. h. die Ausdrucksweise mutet für SprecherInnen in Spanien veraltet an, weil sich Begriffe in Lateinamerika weniger stark verändert haben als in Spanien selbst). Einige Abweichungen sind auch auf den (in den einzelnen Regionen unterschiedlich starken) Einfluss indigener Sprachen zurückzuführen. Besonders in Mexiko, der Karibik, Zentralamerika und Venezuela sehr deutlich spürbar sind auch die Einflüsse des US-Amerikanischen, die wesentlich stärker als in Europa sind. Aber auch in Spanien entstehen unter dem Einfluss des Englischen laufend neue Wortschöpfungen, zum Beispiel emilio für e-mail, internauta für Internetnutzer oder chatear für chatten. Die spanische Sprache ist eine dynamische, sich ständig wandelnde Sprache im Kontakt mit Hunderten von anderen Sprachen und Millionen von SprecherInnen. Dabei entstehen auch Varianten, die sich zu neuen Sprachen entwickeln können, wie das Ilan Stavans von Spanglish/Espanglis annimmt. (Stavans, Ilan: Spanglish. The Making of a New American Language. Harper Collins 2003)

1.7 Sprachbrücken

1.7.1 Echte und falsche Freunde

Deutsch und Spanisch haben viele gemeinsame Wörter, z. B. jene, die vom Lateinischen abstammen. Manche Wörter wurden aus dem Spanischen ins Deutsche übernommen (wie Tomate), manche vom Deutschen ins Spanische.

Beispiele für falsche Freunde:

 

Beispiele für falsche Freunde in der spanischen Sprache
SpanischÜbersetzungfalscher Freund (FF)Übersetzung FF
el regaloGeschenkRegalla estanteria
el mapaLandkarteMappela carpeta
la infusiónKräutertee im Alltagsgebrauch, kann auch Infusion im medizinischen Bereich bedeutenInfusionla infusión
la bateríaKochtopfset, SchlagzeugBatteriela pila
la cartaBrief(Post)Kartela postal
la firmaUnterschrift, Firma (Chile)Firmala empresa, compañía
el gimnasioFitnessstudioGymnasiumel Instituto (de Educación Secundaria), liceo
el mantelTischdeckeMantelel abrigo
la carenciaDefizit, MangelKarenzbaja por maternidad

1.7.2 Literarische Texte, bekannte Filme oder Musik

Es gibt eine große Anzahl an AutorInnen, SängerInnen und MusikerInnen sowie RegisseurInnen. Hier eine Auswahl zu treffen ist schwierig und die folgende auf jeden Fall eine sehr persönliche.

Einige bekannte MusikerInnen, die auch unter Jugendlichen bekannt sind, sind

CDs mit Kinderliedern in mehreren Sprachen, auch in Spanisch, werden in Österreich von www.unartproduktion.at (Gauls Kinderlieder) produziert. Besonders empfehlenswert ist die CD „Parampampin” – Kinder & Karibik.

Beispiele aus der Literatur

„Don Quijote“ (Miguel de Cervantes) ist das meistübersetzte Buch nach der Bibel.

Einige bekannte spanischsprachige NobelpreisträgerInnen, die für ihre Werke ausgezeichnet wurden, sind: (http://es.wikipedia.org/wiki/Premio_Nobel_de_Literatura)

Weitere bekannte SchriftstellerInnen

Carlos Ruiz Zafon (Spanien), Roberto Bolaño (Chile), Gioconda Belli (Nicaragua), Isabel Allende (Chile), Pablo Neruda (Chile)

Regisseure

Pedro Almodóvar (Spanien), Andrés Wood (Chile), Benito Zambrano (Spanien), Carlos Saura (Spanien), Luis Buñuel (Spanien)

1.8 Namen und Anrede

1.8.1 Vornamen

Bis vor wenigen Jahren wurde Kindern sehr häufig ein biblischer Vorname gegeben: 28 % der spanischen EinwohnerInnen heißen deshalb heute Maria und 13 % der Männer José (Kosename Pepe). Viele beliebte Mädchennamen stammen von biblischen Bezeichnungen für die Jungfrau Maria, wie z. B. Pilar (die heilige Jungfrau von der Säule), Consuelo (Trost), Dolores (Schmerzen), Soledad (Einsamkeit), Concepción (Empfängnis), Belén (Bethlehem), Piedad (Gnade).

Doppelnamen wie Maria José oder Maria Jesús sind für Frauen geläufig, Männer heißen genau umgekehrt, nämlich Jesús Maria oder José María. (Auch im deutschsprachigen Raum gab es diese Tradition, man denke z. B. an Klaus Maria Brandauer). Viele SpanierInnen benutzen jedoch eine Kurzform. Aus einer María Jesus wird eine Masus oder eine Chus. María del Pilar wird zu Maripili, Pilar zu Pili, María Dolores zu Lola, María Concepción zu Concha. Aus José wird Pepe, aus Jesús wird Chucho.

In Lateinamerika können Kinder auch Namen von Orten, Städten oder berühmten historischen oder biblischen Persönlichkeiten tragen (wie z. B. Homer). Lateinamerikanische Kinder und Jugendliche haben heutzutage auch oft englische Vornamen, die aber spanisch ausgesprochen werden.

In den bilingualen Regionen Spaniens werden häufig katalanische, baskische oder galizische Namen gewählt (z. B. Jordí in Katalonien; Aitziver in Euskadi/Baskenland).

Es zahlt sich aus, nach dem Namen bzw. dem tatsächlich benutzten Namen zu fragen, wenn man jemanden aus Spanien oder Lateinamerika kennen lernt. Denn es ist eigenartig, María genannt zu werden, wenn man María José heißt!

1.8.2 Familiennamen

In den spanischsprachigen Ländern hat jede Person zwei Familiennamen. Wenn zwei Menschen heiraten, behält jede/r den eigenen Doppelnamen. Wird ein Kind geboren, so setzt sich der Doppelname folgendermaßen zusammen: erster Familienname des Vaters + erster Familienname der Mutter.

 

Familiennamen in der spanischen Sprache
VaterMutter
Vorname1. Familienname2. FamiliennameVorname1. Familienname2. Familienname
JuanGarcíaMarquezMaria JoséPinoAlameda

Das Kind dieses Paares heißt demnach mit Familiennamen García Pino.
Frauen übernehmen nicht die Familiennamen des Mannes, wenn sie heiraten! Auf dem Türschild einer Familie findet man daher durchaus zwei unterschiedliche Doppelnamen.

1.8.3 Anrede

Die persönliche Anrede ist in Spanien sehr weit verbreitet, außer wenn man sich an wesentlich ältere oder höher gestellte Personen wendet. Die in Spanien nur als Höflichkeitsform im förmlichen Umgang verwendete Anrede usted(es) (von vuestra merced, was übersetzt etwa „Euer Gnaden“ bedeutete und heute dem „Siezen“ im Deutschen entspricht) ist in Lateinamerika die allgemein verbreitete Anredeform, unabhängig von Sprachebene oder Vertrautheit, sowohl im Singular als auch im Plural. Man greift in vielen Ländern Lateinamerikas öfter zur 3. Person mit usted, selbst unter ArbeitskollegInnen oder innerhalb der Familie, als zum .

In Kolumbien verwenden viele Leute in sehr höflichen Situationen auch heute noch den Ausdruck „Su merced“.

In Argentinien wird die Anrede vos anstelle des verwendet, man spricht hier vom Voseo.

Wenn man eine Person mit Familiennamen anspricht, verwendet man die Anredeform Señora (Frau) bzw. Señor (Herr): Señora Schmidt, Señor Huber. Spricht man jemand Älteren mit dem Vornamen an, verwendet man in respektvollen Situationen Don bzw. Doña. Dies ist v. a. in ländlichen Gebieten üblich: Doña Carmen, Don Juan.

Die Anrede Señorita (Fräulein) für junge, unverheiratete oder kinderlose Frauen ist noch in Gebrauch, wird jedoch immer seltener verwendet. Die männliche Form Señorito ist keine Anrede, sondern bezeichnet häufig einen jungen Mann, der nicht arbeiten muss, sondern vom Vermögen der Familie lebt.

1.8.4 Andere Formen der Höflichkeit

Höflichkeit drückt man auch auf andere Weise aus, indem man z. B. bestimmte Formulierungen verwendet (mucho gusto / encantada – wenn man jemanden kennen lernt); indem man por favor häufiger verwendet, oder indem man usted nicht weglässt (Personalpronomen für andere Personen jedoch schon).

In Kolumbien wird z. B. auch der Begriff Señor mío, Señora mía in höflichen Situationen als Anrede verwendet.

Auch Konditionalformen drücken, wie im Deutschen, höfliche Bitten/Vorschläge aus.