Mehrsprachigkeit. Glücksfall oder Stolperstein?

Von Michael Achleitner und Elfie Fleck

Mit dem Webportal www.schule-mehrsprachig.at bietet die Arbeitsstelle für Migration und Schule im Bundesministerium für Bildung eine neue Plattform für den Unterricht in mehrsprachigen Klassen in Österreich. Auf der Website wurden diverse bestehende Webangebote zusammengefasst und für LehrerInnen, SchulleiterInnen, Schulaufsicht, Unterrichtende in der Lehreraus- und -weiterbildung an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten, Studierende und NGOs, aber auch für interessierte Eltern aufbereitet.

Auf dem neuen Webportal www.schule-mehrsprachig.at gibt es viel zu entdecken.
Schülerinnen und Schüler vor einem Laptop

Bereits im 18. Jahrhundert sagte der französische Philosoph Voltaire: „Kennst du viele Sprachen – hast du viele Schlüssel für ein Schloss.“ Dass Sprachen wichtig sind und Türen öffnen können und dass das Sprechen mehrerer Sprachen ein wichtiges Bildungsziel ist, ist also nicht wirklich eine neue Erkenntnis. Sprachen wurden schon früh von Kindermädchen, Hauslehrern oder in entsprechenden Schulen gelehrt.

Drei Sprachen in der Familie

Dass Kinder aber mit mehreren Familiensprachen und einer zusätzlichen Landessprache aufwachsen, ist in Österreich ein relativ neues Phänomen. Es ist die Folge von Migration, der Einwanderung von Menschen, die heute in Österreich leben. Wenige kamen als Flüchtlinge, der Großteil wurde als Gastarbeiter aus unseren Nachbarländern angeworben.
All diese Einwandererfamilien stellen sich über kurz oder lang die gleiche Frage: Wie gehen wir mit der sprachlichen Erziehung unserer Kinder um? Dass diese oft gar nicht so einfach zu beantworten ist, zeigt folgendes Beispiel einer Familie, in der die Eltern bereits zweisprachig (Türkisch und Kurdisch) sind. Für die Kinder gibt es also eine Muttersprache, eine Vatersprache und die Landessprache Deutsch. Und Deutsch wird noch mal unterteilt in den österreichischen Dialekt als Umgangssprache und das Standarddeutsche als die geschriebene formale Sprache.

Gar nicht so einfach, aber auch nicht unbedingt ein Stolperstein. Eine solche Konstellation kann auch ein Glücksfall sein – Eltern müssen aber wissen, wie man den Kindern all die Sprachen am besten beibringt, und Kindergarten und Schule müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen bereitstellen.

Dazu gehört, dass alle vom Kind gesprochenen Sprachen anerkannt und wertgeschätzt werden, dass mehrsprachige Erziehung möglichst früh einsetzt und dass Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch ausreichend Gelegenheit

erhalten, alle ihre Sprachen zu verwenden. Die neue Sprache Deutsch erwerben junge LernerInnen sowohl im Spiel mit anderen Kindern als auch im Unterricht. Denn bei der Aneignung der Bildungssprache sind die Kinder auf die Unterstützung ihrer LehrerInnen angewiesen.

Das neue Internetportal www.schule-mehrsprachig.at möchte alle am Schulgeschehen Beteiligten mit diversen Angeboten für den Unterricht in mehrsprachigen Klassen unterstützen: Wie bereits erwähnt, ist das Zulassen der Erstsprache(n) besonders wichtig – mit Sprachverboten kommt man weder bei Dreijährigen noch bei älteren Kindern weiter, sondern ruft Störungen im Sozial- und Sprachverhalten der Kinder hervor. Umso wichtiger ist die Möglichkeit des muttersprachlichen Unterrichts, dem das neue Webportal eine eigene Rubrik widmet.

Die neue Website

Eine gute Möglichkeit zur Sprachaneignung ist auch das Lesen von Büchern. Im Idealfall lesen Eltern oder Pädagoginnen und Pädagogen den Kleinsten vor. Eine Schulbibliothek mit einem umfangreichen mehrsprachigen Buchbestand ist ein großer Pluspunkt. www.schule-mehrsprachig.at bringt hierfür ebenfalls eine eigene Rubrik, in der fremd-, zwei- und mehrsprachige Kinderbücher  vorgestellt werden. All diese Bücher sind in Österreich erhältlich. Idealen Lesestoff bietet außerdem die dreisprachige Kinderzeitschrift Trio.

Daneben werden interkulturelle Schulprojekte aus der Initiative „Interkulturalität und Mehrsprachigkeit – eine Chance!” vorgestellt, um zu eigenen Aktivitäten und Projekten zu dieser Thematik anzuregen. Die Rubrik Sprachensteckbriefe erlaubt allen Interessierten einen Einblick in zahlreiche in Österreich gesprochene Sprachen. Ergänzt wird die Website durch Hintergrundinformationen zu schulrechtlichen und schulorganisatorischen Fragen.
Wir wünschen viel Spaß beim Schmökern.