1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

Fārsi فارسی , Dari دری , Fārsi-e Dari فارسی دری , Tāǧiki تاجیکی

زبان فارسی، زبان دری، زبان تاجیکی – die persische Sprache
zabāne Fārsi , zabāne dari, zabāne tāǧiki

Die Bezeichnungen Farsi und Dari sind historisch gleichwertig, Farsi-e Dari bedeutet „die Hofsprache Persisch“ und verweist darauf, dass das Neupersische nach der arabischen Eroberung am Hof der ersten iranischen Könige in Buchara entwickelt wurde. Heute nennt man die Sprache im Iran Fārsi und in Afghanistan eher Dari. Die Bezeichnung Tadschikisch für die Sprache der Tadschiken wurde erst in sowjetischer Zeit geprägt.

1.2 Wo Persisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

Über 70 Millionen Menschen sprechen Persisch als Muttersprache, etwa 39 Millionen von ihnen leben im Iran, 17 Millionen in Afghanistan und weitere 17 Millionen in Zentralasien (vor allem in Tadschikistan und in Usbekistan). Weitere 60 Millionen sprechen Persisch als Zweitsprache.

Persisch ist Amtssprache im Iran, in Afghanistan (gemeinsam mit Paschtu) und in Tadschikistan. Als Minderheitensprache wird Persisch in Usbekistan, in kleinen Teilen von Kasachstan, Kirgisien, Turkmenistan, Russland, Pakistan und China sowie von EmigrantInnen in allen Erdteilen gesprochen, insbesondere in Nordamerika (vor allem in Kalifornien), Israel und Bahrain.

Persisch gehört zum iranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie mit dem Language Code fa, fas oder per.

Persisch ist eine plurizentrische Sprache und hat mehrere Standardvarietäten.

Vor etwa 1.600 Jahren hieß die Sprache Pārsik oder Pārsig. Die Umbenennung in Fārsi erfolgte nach der arabischen Eroberung.

Eine Besonderheit der persischen Sprache ist, dass sie sich als eine von wenigen Sprachen im Orient gegen die Übermacht der arabischen Sprache behaupten konnte. Die osmanischen Herrscher, aber auch die Moguln in Indien wählten Persisch zeitweilig als Hof- und Korrespondenzsprache, während das gesamte Sprachgebiet selbst unter Fremdherrschaft stand. Dass Persisch sich trotz der politischen Unterlegenheit an den Höfen durchgesetzt hat, wird oft auf die der Sprache zugeschriebene Poesie und Darstellungskraft zurückgeführt. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass bis zu tausend Jahre alte Texte bis heute auch außerhalb gebildeter Schichten verstanden werden und alte Formen in überlieferten Gedichten oder Sprichwörtern weiterhin in Gebrauch bleiben.

1.3 Sprachbrücken Persisch – Deutsch

Die Verwandtschaft zwischen Deutsch und Persisch erkennt man daran, dass sich gewisse Wörter in beiden Sprachen gleichen, z. B. Name (nām), Mutter (mādar), Vater (pedar), Bruder (barādar), Tochter (doxtar), stehen (istādan).

Viele persische Wörter wurden in europäische Sprachen übernommen: Basar (bāzār), Scheck (ček), Karawane (kārewān), Pistazie (peste), Schach (šāh heißt König), Schal (šāl), Magier (moġ) – ein zoroastrischer Priester – und Paradies (pardis) – in der Sprache Pārsig Garten: Die Sassaniden-Könige haben teilweise selber das Gärtnern erlernt und auf das Anlegen schöner Gärten sehr viel Wert gelegt. Die Übernahme dieses Wortes für den Begriff Paradies lässt darauf schließen, wie beeindruckt die Europäer von diesen Gärten gewesen sein müssen.

Einige Beispiele für Wörter europäischen Ursprungs in der persischen Sprache sind otobān (Autobahn), otobus (Autobus), otomobil (Automobil), hidrolik (Hydraulik), kārtofel (Kartoffel).

Wörter aus anderen Sprachen

Über die Hälfte der Wörter in der persischen Sprache sind arabischen Ursprungs. Im 19. Jahrhundert haben die ersten persischen Akademiker, die aus Frankreich zurückgekommen sind, viele französische Wörter in den Iran gebracht. So bedankt sich ein Iraner heute meist mit „merci!“, obwohl es drei andere persische bzw. arabische Wörter dafür gibt. In Afghanistan gibt es verhältnismäßig viele englische Wörter, aber auch russische, indische und paschtunische Begriffe. Der Einfluss der russischen Sprache ist in Tadschikistan am größten.

1.4 Namen und Anrede

Die Vornamen haben immer eine Bedeutung, Blumennamen für Mädchen und Heldennamen aus der Mythologie für Buben sind sehr häufig. Auch islamische Namen wie Ali, Mohammad oder Zahrā und Fāteme findet man oft.

Der Familienname wurde im Iran erst im 20. Jahrhundert eingeführt. Die Endung „i“ bedeutet „von“ oder „aus“ und ist Bestandteil der meisten Namen, z. B. heißt Tehrāni aus Tehrān oder Ahmadi das Kind von Ahmad.

Angeredet werden alle Herren mit āġā und alle Damen mit xānom. Auch xān, d. h. der Herr, (Khan!) fügt man gerne männlichen Namen hinzu, wenn man eine Respektsperson mit dem Vornamen anreden möchte. Die Nachsilbe ǧān, was wörtlich „mein Leben“ bedeutet, begleitet jeden Vornamen, den man ruft.

Als akademische Titel werden nur Doktor oder mohandes (Ingenieur) angewendet. Der religiöse Titel „hāǧi“ ist für Personen reserviert, die die Pilgerfahrt nach Mekka gemacht haben.

Höflichkeit wird in diesem Sprachraum großgeschrieben. So ist man selten mit jemandem per Du. Auch Arbeits- oder StudienkollegInnen, Eltern und Verwandte lassen sich gerne per Sie anreden. Anders als im deutschen Sprachraum wird damit keine Distanz zum Ausdruck gebracht, sondern Höflichkeit und Respekt. Die Höflichkeitsform stellt kein Hindernis für Nähe und Sympathie dar. Wie im Englischen ist die 2. Person Plural die Höflichkeitsform bei der Anrede. Die 3. Person Plural wird hingegen als Höflichkeitsform für eine nicht anwesende Person verwendet.