2. Allgemeine Kurzinformation zur Sprache

2.1 Textprobe

درویشی، گیوه در پا، نماز می گذارد. دزدی طمع در گیوه ی او بست. گفت: با گیوه نماز نباشد. درویش دریافت.گفت :اگرنمازنباشد،گیوه باشد.
(عبیدزاکانی، قرن هفتم خورشیدی)

darwiši, giwe dar pā, namāz migozārd. Dozdi tamaʿ dar giwe-je u bast. goft: bā giwe namāz nabāšad. Darwiš goft: agar namāz nabāšad, giwe bāšad.
(Obejd-e zākāni , ġarn-e haftom-e xoršidi)

Die Zeugschuhe (= aus Tuch gefertigte Fußbekleidung)

Ein Derwisch betete, Zeugschuhe an den Füßen. Ein Dieb begehrte nach seinen Zeugschuhen. Er sagte: „Mit Zeugschuhen gibt es kein Gebet.“ Der Derwisch verstand (ihn). Er sagte: „Wenn es auch kein Gebet gibt, Zeugschuhe gibt es.“

دزدی در شب خانه ی فقیری می جست. فقیر از خواب بیدار شد. گفت: ای مردک، آنچه تو در تاریکی می جویی، ما در روز روشن می جوییم و نمی یابیم.

Dozdi dar šab xāne-je faġiri miǧost. Faġir az xāb bidār šod. goft: ej mardak, ānče to dar tāriki miǧuji, mā dar ruz-e rošan miǧujim wa nemijābim.

Ein Dieb durchsuchte in der Nacht das Haus eines Armen. Der Arme erwachte aus dem Schlafe. Er sagte: „Mein lieber Mann; das, was du in der Finsternis suchst, haben wir am hellen Tage gesucht und nicht gefunden.“

Aus: Von Melzer, Uto (1991). Erzählungen aus Persien: Persische Prosa aus elf Jahrhunderten. Hg.: Nosratollah Rastegar (Arbeiten aus der Abteilung Vergleichende Sprachwissenschaften Graz; 3). Graz: Verlag Leykam.

همدردی
hamdardi

بنی آدم اعضای یکدیگرند
bani ādam aʿzāje jekdigarand

که در آفرینش ز یک گوهرند
ke dar āfarineš ze jek goharand

چو عضوی به درد آورد روزگار
čo ozwi be dard āwarad ruzegār

دگر عضوها را نماند قرار
degar ozwhā rā namānad ġarār

تو کز محنت دیگران بی غمی
to kaz mehnat-e digarān biġami

نشاید که نامت نهند آدمی
našājad ke nāmat nahand ādami

(سعدی، قرن هفتم خورشیدی)
(saʿdi, ġarn-e haftom-e xoršidi)

Verbundenheit
(Saadi, 13. Jh.)

Die Menschen sind Glieder miteinander verwoben,
Von gleichem Stoff aus der Schöpfung gehoben.

Hat das Leben ein Glied mit Schmerz versehen,
Die anderen Glieder vor Leid vergehen.

Du, der kein Mitleid mit anderen kennt,
Bist unwürdig, dass man dich einen Menschen nennt.

آرزوی عارف
ārezuj-e āref

دی شیخ با چراغ همی گشت گرد شهر
di šejx bā čerāġ hami gašt gerd-e šahr
کز دیو و دد ملولم و انسانم آرزوست
kaz diw o dad malulam o ensānam ārezust

گفتند یافت می نشود جسته ایم ما
goftand jāft minašawad ǧosteim mā
گفت آنک یافت می نشود آنم آرزوست
goft ānk jāft minašawad ānam ārezust
(مولوی، قرن ھفتم خورشیدی)
(molawi, ġarn-e haftom-e xoršidi)

Die Sehnsucht des Weisen
(Molawi [Rumi], 13. Jh.)

Suchend ging der Sheikh durch die Stadt mit einem Licht
„Satt bin ich der Bestien, nach einem Menschen sehn ich mich.“

„Den“, sagen sie, „suchten wir, doch ihn gibt es nicht.“
„Was es nicht gibt“, sagt er, „danach sehn ich mich.“

Aus: Pirayech, Purandocht (2001). Gol-o-Bolbol / Rosen und die Nachtigall. Ausgewählte Gedichte aus zwölf Jahrhunderten aus dem Persischen. Tehran: Yassavoli Publications.

گر بر فلکم دست بدی چون یزدان
gar bar falakam dast bodi čun jazdān
برداشتمی من این فلک را ز میان
bardāštami man in falak rā ze mijān

وز نو فلکی دگر چنان ساختمی
waz no falaki degar čonān sāxtami
کازاده به کام دل رسیدی آسان
kāzāde be kām-e del residi āsān
خیّام، قرن ششم خورشیدی
(xajjām, ġarn-e šešom xoršidi)

Läge doch die Welt in meinen Händen,
Ich würde ihre Zeit beenden.

Und formte eine bessre Welt,
Wo jeder Mensch sein Glück erhält.

(Omar Khayyam,11./12. Jh.)

Aus: Rinner, Horst (2007). Mystische Rubaiyate – Omar Khayyam / Vierzeiler der Lebensfreude. Graz: M+N Medienverlag. (nur auf Deutsch!)

Sprichwörter

سر چشمه شاید گرفتن به بیل
sar-e češme šājad gereftan be bil
چو پر شد نشاید گذشتن به پیل
سعدی
čo por šod našājad gozaštan be pil
saʿdi

Eine Quelle, welche man am Anfang mit einer Schaufel hätte verschließen können, kann man, sollte sie mit der Zeit zu einem starken Fluss werden, nicht einmal mehr mit einem Elefanten überqueren. (Saadi, 13. Jh.)

آب را خت آب را خت گل آلود کن، ماهی بگیر! افغانستان
āb rā xat [gel ālud] kon, māhi begir (afġānestān)

Mach das Wasser trübe und fange Fische! (Schaffe Zwist und nütze ihn für dich aus!)

آه در جگر بساط ندارد! افغانستان
āh dar ǧegar [basāt] nadārad! (afġānestān)

Er besitzt nicht einmal einen Seufzer!
(afghanische Redewendungen; in eckigen Klammern die im Iran verwendeten Entsprechungen)

عادت به جمع بودن احباب کرده ایم
ādat be ǧamʿ budan-e ahbāb karde-im
ما بو نمی کنیم گلی را که دسته نیست
(بیدل دهلوی)
mā bu nemikonim goli rā ke daste nist
(bidel-e dehlawi)

Wir haben uns so sehr an das Beisammensein gewöhnt, dass wir nicht einmal an einer Blume riechen wollen, wenn sie nicht zu einem Strauß gebunden ist. (Bidel aus Delhi)

2.2 Schrift und Aussprache

Verwendet wird die arabische Schrift, die um die vier Buchstaben p, g, ž und č erweitert wurde und auch in vielen anderen Sprachen wie Urdu, Kurdisch usw. in Gebrauch ist. Die persische Schrift ist eine Silbenschrift. In Tadschikistan schreibt man jedoch nicht in persischer, sondern seit 1939 in kyrillischer Schrift.

Fast jede Stadt hat ihren eigenen Dialekt und eigene Wörter, wobei die Dialekte in der ostiranischen Provinz Khorasan dem Afghanischen und Tadschikischen sehr ähnlich sind. Als „Hochpersisch“ wird die Varietät von Teheran bezeichnet. Die Aussprache in anderen Regionen und Ländern ist zum Teil stark abweichend. Die Varietät von Kabul bildet in Afghanistan den Standard.

Die Schriftsprache wird auch von Menschen mit geringer Bildung verstanden. Da die kurzen Vokale e, o und a nicht geschrieben werden, wird die Schrift allerdings je nach Dialekt anders gelesen, z. B. wird die Zahl Eins im Iran Jek und in Afghanistan Jak gelesen. Diese Abwandlung von e zu a kommt sehr häufig vor und bildet den größten Unterschied bei der Aussprache: xāne (das Haus) ist in Afghanistan und Tadschikistan xāna; xaste (müde) wird zu xasta, mānde (ein anderes Wort für müde) wird zu mānda. Die Sprache, die im „Buch der Könige“ verwendet wird, in dem der Dichter Ferdousi vor tausend Jahren mythische Geschichten des Iran in 60.000 Versen verewigt hat, legt nahe, dass die afghanische Variante die ursprünglichere ist. In Afghanistan versteht man die Sprache von Ferdousi, dem „Vater der persischen Sprache“, oft besser als im Iran, viele der „alten“ Wörter, für die Menschen im Iran nicht selten ein Wörterbuch brauchen, sind in Afghanistan noch in Verwendung.

Auch Wörter arabischen Ursprungs werden oft anders ausgesprochen als im Arabischen.
So gibt es für die vier arabischen Buchstaben ﺫ, ﺯ, ﺽ, ﻅ  im Persischen nur den Laut z.
Die persische Schrift verläuft wie die arabische von rechts nach links.

 

Das Alphabet
NameAusspracheLaut-SchriftJunker-Alavi*rechts-gebundenbeidseitig-gebundenlinks-gebundenisoliertAnmerkung
Aleflanges offenes a[ɒ ; ʔ ]ā____آ 4
Beb[b ]bﺑ‎ﺑ‎5
Pep[p ]pپپ5, 9
Tet[t ]t‏ﺗ‎‏ﺗ‎5
Sestimmloses s[s ]s5, 6
Dschimdsch, wie g in George[dʒ ]ǧ5
Tschetsch[tʃ ]č5,9
He-ye-dschimih[h ]h5,6
Chech wie in Buch[x ]x5
Dāld[d ]d____4
Zālstimmhaftes s[z ]z____4,6
Rer[r ]r____4
Zestimmhaftes s[z ]z____4
Žewie j in journal[ʒ ]žژ____ژ4, 9
Sinstimmloses s[s ]s5
Schinsch[ʃ ]š5
Sādstimmloses s[s ]s5, 6
Zādstimmhaftes s[z ]zﺿﺿ5
t[t ]t6
stimmhaftes s[z ]z6
EynKnacklaut vor Vokalen[ʔ ]ʿ5, 6
GhynGaumen-r wie franz. r in Paris[ɣ ;ɢ ]ġ5
Fef[f ]f5
GhāfGaumen-r wie franz. r in Paris[ɣ ;ɢ ]ġ5
Kāfk[k ]kکک5, 11
Gāfg[g ]gگگ5, 9
Lāml[l ]l5
Mimm[m ]m5
Nunn[n ]n5
Waww, u, ou, o[v, oʊ, u ]w, o, uو____و4, 5, 7
Heh[h ]h10
YeYej,i[j,i ]j,i5, 7

* Das Wörterbuch Persisch-Deutsch von Junker-Alavi ist das am meisten verwendete Wörterbuch und benützt für die Wiedergabe der Lautschrift auch Buchstaben aus Balkansprachen. Die Lautschrift in dieser Arbeit orientiert sich an Junker-Alavi.

Anmerkungen zur Tabelle

1) Für die kurzen Vokale e, a und o gibt es die Zeichen ِ  َ  ُ  Man kann sie über bzw. unter dem darauffolgenden Buchstaben setzen, worauf jedoch fast immer verzichtet wird. Das Lesen wird für AnfängerInnen dadurch erschwert, oft auch das Verständnis, da e auch in der persischen Grammatik eine wichtige Rolle spielt.

2) Das ganze Wort in Großbuchstaben (Druckschrift) schreiben ist nicht erlaubt.

3) Jedes Wort wird mit einem Großbuchstaben beendet. Sonst gibt es keine Regeln zu Groß- und Kleinschreibung.

4) Bei den acht Buchstaben ر، د ، ذ ، و ، ظ ، ژ، ز، ط wird nicht zwischen Klein- und Großschreibung unterschieden. Von diesen darf an die sechs folgenden ﺪ ، ذ  ، ژ ، ر ، و ، ز ، (ebenso wie an den Buchstaben آ) kein weiterer Buchstabe angefügt werden, d. h. auch innerhalb eines Wortes ist ein (halber) Abstand zum nächsten Buchstaben zu lassen.

5) 19 Buchstaben kommen in Klein- und Großschreibung vor (siehe Tabelle).

6) Die acht Buchstaben ﺡ ،ﺙ ، ﺹ ، ﻈ ، ﻄ ، ﺫ ،  ﻍ ،  ﻉ  weisen auf ein arabisches Lehnwort hin.

7) Am Anfang des Wortes schreibt man alle Vokale mit ﺍ ; a, e, o, i, u und ā werden folgendermaßen geschrieben:  آ ، او ، اﻳ ، اُ ، اِ ، اَ  

8) Die zwei arabischen Sonderzeichen tašdid ّ (verdoppelt den Buchstaben, auf dem es sitzt) und tanwin ا" (bildet ein Adverb) werden auch in der persischen Schrift verwendet.

9) Die Buchstaben p, g, ž und č چ ، ژ ، گ ، پ weisen auf rein persischen Wörter hin.

10) h-je harkat ﻪ gibt es als stummes H ebenfalls in der persischen Schrift. Es signalisiert, dass der vorangehende Buchstabe mit einem kurzen Vokal versehen ist.

11) K ک ﮐ hat im Persischen eine andere Schreibweise als im Arabischen. Trotzdem wird auch die arabische vor allem im Druck oft verwendet ك ﮐ

Da Ö und Ü im Persischen nicht vorkommen, haben alle Persischsprachigen Probleme mit den Umlauten in der deutschen Sprache.

Auch ein weiches ch (z. B nach i) wird eher als sch oder x ausgesprochen (isch oder ix) und dem Konsonant am Anfang des Wortes wird gern ein Vokal zugefügt! (Esteraße, Espanien ...).

Persisch lernende Europäer sprechen das lange ā eher wie a aus, ġ wird zu g und ž (zumindest bei Österreichern) häufig zu sch.

Da es sehr viele Buchstaben gibt (z. B. drei verschiedene Buchstaben für S), die gleich ausgesprochen werden, kann man die richtige Schreibweise eines Wortes nur auswendig lernen. Das darf niemanden entmutigen, denn man sagt: Eine Seife mit falschem S (sābun) wäscht auch.

Die Umgangssprache

Im Iran existiert – abgesehen von den Dialekten – eine Umgangssprache, die nur für Einheimische eine vereinfachte Form der Sprache darstellt. Für jene, welche die Schriftsprache lernen, ist es dagegen schwierig, die Leute auf der Straße zu verstehen. So wird oft ā zu u: Korn, Samen (dāne = dune), Haus (xāne = xune), Kamm, Schulter (šāne = šune). Im Präsens gibt es viele Abweichungen: ich komme (miājam = mijām), ich gehe (mirawam = miram), ich werde (mišawam = mišam), ich will (mixāham = mixām), ich sage (migujam = migam), hungrig (goresne =gošne)

2.3 Besonderheiten aus der Grammatik

Obwohl Persisch eine indoeuropäische Sprache ist, hat sie unter dem Einfluss der aramäischen Sprache schon in ihrer Frühentwicklung die Artikel und das grammatikalische Geschlecht verloren.

Der Akkusativ wird durch Präposition rā oder Suffix i (unbestimmt) gekennzeichnet. Der Dativ wird nur mit Hilfe der Präpositionen az (von), bā (mit), ruje (auf), be, be tarafe (zu) usw. gebildet, ohne dass das Hauptwort verändert wird. Den Genetiv bildet man mit Hilfe von ezāfe (e).

Satzbau

Der Satz endet immer mit dem Verb. Sonst wird der Platz eines Satzglieds durch seine Wichtigkeit bestimmt. Als Erstes kommt immer der wichtigste Teil, meist das Subjekt, und je nach Reihung von Objekten, Adverbien oder Adjektiven verschiebt sich die Bedeutung ein wenig. Wenn eine Frage nicht mit einem Fragewort anfängt, kann man nur durch die Betonung oder aus dem Sinnzusammenhang erkennen, dass nach etwas gefragt wird. In den alten Texten wird fast völlig auf Fragezeichen, Rufzeichen, Anführungszeichen verzichtet, oft sogar auf den Punkt. Das gilt auch für das Komma bei Nebensätzen. Damit man erkennen kann, wo ein Wort anfängt oder aufhört, sollte der Abstand zwischen zwei Wörtern immer doppelt so groß sein als der Abstand zwischen Teilen eines Wortes, die nicht zusammengeschrieben werden dürfen (siehe Anmerkung 4 zum Alphabet).

Wortbildung

Die Pluralbildung ist sehr einfach. Zwar gibt es komplizierte Pluralbildungen für arabische Wörter und auch mehrere persische Pluralendungen. Man kann allerdings alle Wörter auch mithilfe des Suffixes hā in den Plural setzen.

Die vielen Bedeutungen von e und i
e ezāfe (auf Deutsch ungefähr: beigefügtes E) verbindet Hauptwort und Adjektiv, wobei das Hauptwort zuerst kommt:
z. B. gol-e zibā (Blume-e schön = die schöne Blume).
e ezāfe verbindet ein Hauptwort mit einem Personalpronomen und macht daraus ein Possessivpronomen:
z. B. gol-e man (Blume-e ich = meine Blume).
e  ezāfe verbindet zwei Hauptwörter und bildet so einen Genetiv:
z. B. gol-e marjam (Blume-e marjam = die Blume von Maria oder die Blume namens Marjam)
e  ezāfe verwendet man auch zwischen Vornamen und Familiennamen:
z. B. Michael-e Niavarani
e in der Umgangssprache: e ersetzt hier das Verb „ist“; somit kann man mit jedem Adjektiv und -e einen vollen Satz bilden:
z. B.:
bad-e: Das ist schlecht!
ziād-e: Das ist zu viel!
garm-e: Es ist warm!

i ersetzt den unbestimmten Artikel:
z. B. eine Blume (gol + i )
Da für i und j derselben Buchstabe verwendet wird, sollte man Folgendes beachten:

  • Wenn zuerst der Vokal i und dann der Konsonant j ausgesprochen werden soll (i + j),
    schreibt man den Buchstabe nur einmal:
    z. B. schwarz (sijāh  سیاه )
  • Wenn zuerst der Konsonant j und dann der Vokal i vorkommt, schreibt man den Buchstaben zweimal (j + i):
    z. B. die Schönheit (zibāji  زیبایی)
  • Beim Auftreten von Doppel-i oder Doppel-j verwendet man tašdid ّ:
    z. B. der/die Tote (mejjet  میّت)

i ist Verbindungsbuchstabe, wenn man bei einem Wortbau Teile zusammenfügen muss und der zweite Teil z. B. mit ā anfängt, oder der erste Teil mit u endet (das i sorgt für den Fluss der Sprache):
z. B. Komm! (b + i + ā =bijā)
Durch unterschiedliche Suffixe und Präfixe kann man Wörter bilden bzw. umwandeln, auch mit dem Suffix i:
z. B. xub (gut) + -i = xubi (die Güte)

 

Personalpronomina
Personal-
pronomen
AkkusativDativPossessiv-
pronomen
gebundene
Possessivpronomen
من
man
ich
مرا
ma

mich
به من
be man
mir, zu mir
زبانِ من
zabān-e man
meine Sprache
زبانم
zabān
am
meine Sprache
تو
to
du
تو را
to

dich
از تو
az to
von dir
زبانِ تو
zabān-e to
deine Sprache
زبانت
zabān
at
deine Sprache
او
u
er, sie, es
و را
u

ihn, sie, es
 تا آن-تا آنجا
tā ān- tā ānǧā
bis dort
زبانِ او
zabān-e u
seine/ihre Sprache
زبانش
zabān

seine/ihre
Sprache
ما

wir
ما را

uns
زیر ما
zir-e mā
unter uns
زبانِ ما
zabān-e mā
unsere Sprache
زبانمان
zabān
emān
unsere Sprache
شما
šomā
ihr
شما را
šomā

euch/ Sie
به طرف شما
be taraf-e šomā
zu euch/zu Ihnen
زبانِ شما
zabān-e šomā
eure/Ihre Sprache
زبانتان
zabān
etān
eure/Ihre Sprache
آنها
ānhā
sie
آنها را
ānhā

sie
با آنها
bā ānhā
mit ihnen
زبانِ آنها
zabān-e ānhā
ihre Sprache
زبانشان
zabān
ešān
ihre Sprache

Die persischen Verben besitzen einen Präsens- und einen Präteritumstamm.
Der Präsensstamm ist die Imperativform ohne Präfix be- oder bo-.
Der Präteritumstamm ist das Präteritum in der 3. Person Singular.

Der Infinitiv wird aus dem Präteritumstamm + -an gebildet,
z. B. kard (macht) + -an = kardan (machen)

Der Imperativ wird aus bo- oder be- + Präsensstamm gebildet,
z. B. bo- + ro = boro (geh!)
be- + bin = bebin (schau!)

Das Präteritum wird aus dem Präteritumstamm + Personalendungen gebildet,
z. B. xānd + -and= xāndand (sie lasen)

Das Präsens hat zwei Formen, die auch in die Zukunft weisen:
- Sicheres Präsens (exbāri):
mi- + Präsensstamm + Personalendung
z. B. mi- + xor + -i = mixori (Du isst).
- Unsicheres Präsens (eltezāmi), die Jusiv-Form, wird oft mit den Wörter „muss“ bājad, „wenn“ agar oder „vielleicht“ šājad verwendet: be- + Präsensstamm + Personalendung
z. B.  bājad be- + xor + -ad = bājad bexorad (er/sie/es muss essen!)šājad be- + bin + -and = šājad bebinand (Vielleicht sehen sie!)

Das Futur wird aus dem Hilfsverb „wollen“ xāstan + Personalendung + Präteritumstamm gebildet,
z. B. xāhim goft = Wir werden sagen.
Allerdings ist es eher unüblich, in bestimmter Form über die Zukunft zu reden. So verwendet man diese Form der Zukunft nicht oft und bleibt meist bei den Präsensformen + Adverb,
z. B. fardā (morgen) mi- + newis + -am = fardā minewisam (morgen schreibe ich)

Wie in anderen indoeuropäischen Sprachen sind budan (sein) und dāštan (haben) irreguläre Verben, die als Hilfsverb dienen können. Bei der Konjugation ändern sich nur die Personalendungen, dadurch ist die Konjugation sehr regelmäßig. Das Partizip Perfekt wird aus dem Präteritumstamm + -e gebildet.

Perfekt und Plusquamperfekt werden ähnlich wie im Deutschen durch Verwendung des Partizips Perfekt gebildet.

Das Perfekt wird aus dem Partizip Perfekt (Präteritumstamm + -e) + den Endungen -am, -i, -ast, -im, -id und -and gebildet,
z. B. (nešast + -e) + -am = nešaste am (Ich bin gesessen.)
Allerdings wird das Perfekt im Gegensatz zum Deutschen seltener verwendet, das Präteritum ist die meistbenutzte Zeitform in der persischen Sprache.

Das Plusquamperfekt (diese Zeitform ist in persischer Sprache gebräuchlicher als im Deutschen) wird aus dem Partizip Perfekt + bud (ist) + Personalendung gebildet
z. B. (did + -e) + bud + -im = dide budim (Wir hatten gesehen)

māzi estemrāri ist Durativ und beschreibt eine wiederholte Tätigkeit in der Vergangenheit:
Durativ wird aus mi- + Präteritumstamm + Personalendungen -am, -i, —, -im, -id und -and gebildet
z. B. mi- + šost + -id = mi šostid (Ihr habt oft gewaschen)

Der Konjunktiv  wird viel häufiger als im Deutschen verwendet. Dabei werden zwei Formen benutzt:
- Durativ: agar (wenn) + estemrāri Verb = agar midid (Wenn er/sie/es gesehen hätte …)
- Jussiv: agar + eltezāmi Verb = agar bebarim (wenn wir gewinnen würden …)

Verneinung

Mit den Präfixen na- und ne- werden alle Prädikate verneint.
Infinitiv, Imperativ, Futur, Perfekt und Plusquamperfekt, Vergangenheit und eltezāmi werden mit na- verneint.
estemrāri und exbāri werden mit ne- verneint.

Beispiele:
raftan (gehen) – naraftan (nicht gehen)
raftam (Ich ging.) – naraftam (Ich ging nicht).
rafte budam (Ich war gegangen.) – narafte budam (Ich war nicht gegangen.)
rafte-am (Ich bin gegangen.) – narafte-am (Ich bin nicht gegangen.)
xāham raft (Ich werde gehen.) – naxāham raft (Ich werde nicht gehen.)
boro (Geh!) – naro (Geh nicht!)
berawam (Vielleicht gehe ich.) – narawam (Vielleicht gehe ich nicht.)
miraftam (Ich ging oft.) – nemiraftam (Oft ging ich nicht.)
mirawam (Ich gehe.) – nemirawam (Ich gehe nicht.)

2.4 Zahlen

Die Zahlen werden von links nach rechts geschrieben. Die Zehnerzahl kommt auch beim Sprechen vor der Einerzahl (33 ist dreißig und drei) und der Hunderter vor dem Zehner (1390 ist hezār-o sisad-o nawad, 365 ist sisad-o šast-o panǧ)

1jek ١11١١jāzdah10١•dah
2do٢12١٢dawāzdah20٢•bist
3se٣13١٣sizdah30٣•si
4čāhār٤14١٤čāhārdah40٤•čehel
5panǧ٥15١٥pānzdah50٥•panǧāh
6šeš٦16١٦šānzdah60٦•šast
7haft٧17١٧hefdah70٧•haftād
8hašt٨18١٨heždah80٨•haštād
9noh٩19١٩nuzdah90٩•nawad
10dah١•20٢•bist100١••sad
100١••sad10.000١••••dah hezār
200٢••diwist100.000١•••••sad hezār
300٣••sisad1.000.000١••••••jek miljun
400٤••čāhārsad1.000.000.000١•••••••••jek miljārd
500٥••pānsad500.000٥•••••pānsadhezār
600٦••šešsad60.000٦••••šasthezār
700٧••haftsad7.000.000٧••••••haft miljun
800٨••haštsad801٨•١haštsad-o jek
900٩••nohsad902٩•٢nohsad-o do
1.000١•••hezār1.003١••٣hezār-o se

Bei der Uhrzeit liest man auch den wichtigeren Teil, die Stunde, zuerst, dann kommen die Minuten und die Sekunden. Auch die Begriffe Halb- und Viertelstunde werden verwendet (aber niemals Viertel vier für 3:15) – z. B. 3 Uhr 15: se o pānzdah daġiġe oder se o rob = Drei Uhr und 15 Minuten oder Drei Uhr und ein Viertel.

2.5 Die Monate

Im Iran beginnt das neue Jahr mit dem Frühling am 21. März. Die ersten sechs Monate haben 31 Tage und die nächsten fünf Monate 30 Tage. Der letzte Monat hat 29 Tage. Im 20. Jahrhundert hat man im Iran die alten persischen Monatsnamen wieder eingeführt, in Afghanistan dagegen werden für die Monate die Namen der arabischen Sternzeichen verwendet.

AfghanistanIran
21. März bis 20. April حمل
hamal
فروردین
farwardin
21. April bis 21. Maiثور
sour
اردیبهشت
ordibehešt
22. Mai bis 21. Juniجوزا
ǧouzā
خرداد
xordād
22. Juni bis 22. Juliسرطان
saratān
تیر
tir
23.Juli bis 22. Augustاسد
asad
مرداد
mordād
23. August bis 22. Septemberسنبله
sonbola
شهریور
šahriwar
23. September bis 22. Oktoberمیزان
mizān
مهر
mehr
23. Oktober bis 21. November عقرب
aġrab
آبان
ābān
22. November bis 21. Dezemberقوس
ġaous
آذر
āzar
22. Dezember bis 20 Jänner جدی
 ǧadi
دی
dej
21. Jänner bis 19. Februarدلو
dalwa
بهمن
bahman
20. Februar bis 19. Märzحوت
hut
اسفند
esfand

2.6 Die Jahreszeiten

Frühlingبهار
bahār
Sommerتابستان
tābestān
Herbstپاییز- خزان
pājiz-xazān
Winterزمستان
zemestān

2.7 Die Wochentage

Die Woche beginnt mit Samstag und endet mit Freitag als freiem Tag.

Samstagشنبه
šanbe
Sonntagیکشنبه
jekšanbe
Montagدوشنبه
došanbe
Dienstagسه شنبه
sešanbe
Mittwochچهارشنبه
čāhāršanbe
Donnerstagپنجشنبه
panǧšanbe
Freitagجمعه
ǧomʿe

 

 

2.8 Die Tageszeiten

Für manche Tageszeiten gibt es in Afghanistan eigene Bezeichnungen, die im Iran nicht mehr üblich sind.

TageszeitAfghanistanIran
Morgenصباح-پگا-پگاه
sabāh- pegā -pegāh
صبح –پگاه
sobh-pegāh
Mittagچاشت
čāšt
ظهر
zohr
Abendشب
šab
Nachtشب
šab
Mitternachtنیمه شب
nimeh šab
Nachmittagدیگر-پیشین
digar-pišin
عصر
asr
Sonnenuntergangغروب
ġorub

 

 

2.9 Einige wichtige Fragewörter

Werکی، چه کسی
ki, če kasi
Woکجا
koǧā
Wohinبه کجا
be koǧā
Wasچی
či
Wieچطور، چگونه، چه جور
četour, čegune, če ǧur
Warumچرا
čerā
Wannکی
kej
Wie vielچقدر
čeġadr
Woherاز کجا
az koǧā

2.10 Die Farben

Für manche Farben gibt es in Afghanistan eigene Ausdrücke.

FarbeAfghanistanIran
grünسبز
sabz
blauآبی
ābi
rot   سرخ
sorx
قرمز- سرخ
ġermez-sorx
gelbزرد
zard
schwarzسیاه
sijāh
سیاه- مشکی
sijāh-meški
lilaبنفش-بادنجانی-سوسنی
banafš-bādenǧāni-susani
بنفش
banafš
grauبور-تومی
bur-tumi
خاکستری
xākestari
braunنسواری
naswāri
قهوه ای
ġahwei
orangeنارنجی
nārenǧi
weißسفید
sefid
rosarotگلابی
golābi
صورتی
surati
beigeزرد شیری
zard-e širi
 کرمی
keremi
dunkelblauسورمه ای
surmei
himmelblauآبی آسمانی
ābije āsemāni
pistaziengrünسبز پسته ای
sabz-e pestei

 

 

2.11 Einige Redewendungen

Guten Morgen!صبح بخیر
sobh bexejr
Guten Tag!روز بخیر
ruz bexejr
Hallo!سلام
salām
Auf Wiedersehen!خداحافظ
xodā hāfez
Gute Nacht!شب بخیر
šab bexejr
Wie geht es dir?حالت چطوره؟ چطوری؟
hālet četore? četori?
Wie geht es Ihnen?حال شما چطوره؟
hāle šomā četore?
Wie heißen Sie?اسم شما چیه؟
esme šomā čije?
Wie heißt du?اسمت چیه؟
esmet čije?
Woher kommst du (kommen Sie)?اهل کجا هستی؟ ( شما اهل کجا هستید؟)
ahl-e koǧā hasti? šomā ahl-e koǧā hastid?
jaبله
bale
neinنه
na
dankeمرسی، سپاس، تشکّر،ممنون
mersi,sepās,tašakkor,mamnun
bitte / keine Ursacheخواهش می کنم
xāheš mikonam
Entschuldigung!ببخشید!
bebaxšid
Ich verstehe nicht.من نمی فهمم.
man nemifahmam
Alles Gute!موفق باشی!
mowaffaġ bāši
Das macht nichts!اشکالی نداره!
eškāli nadāre!
Danke für so viel Mühe!دست شما درد نکنه!
dast-e šomā dard nakone!
Herzlich willkommen!خوش آمدید!
xoš āmadid!
OKباشه!
bāše
Gott sei gelobt! (Bewunderung äußern)ماشاالله!
māšāallāh
Gott sei Dank! (Zufriedenheit äußern)الحمدالله
alhamdolellāh
So Gott will! (bei allem, was in der Zukunft geschehen soll)انشاالله!
enšāalāh