1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

Français, la langue française

Français – Französisch
la langue française – die französische Sprache
Je parle français. – Ich spreche Französisch.

1.2 Wo Französisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

Ca. 264 Millionen Menschen weltweit sprechen bzw. lernen heute Französisch.

Das französische Sprachgebiet in Europa umfasst Frankreich und Teile der Nachbarländer Schweiz (Suisse romande) und Belgien (Wallonien) sowie das Aostatal (Italien). Amtssprache ist Französisch auch in Monaco und Luxemburg, gesprochen wird es zudem von Teilen der Bevölkerung Andorras. Dies ergibt eine Gesamtzahl von 55 Millionen SprecherInnen.

In Frankreich sind neben Französisch auch zahlreiche Regionalsprachen präsent, darunter Elsässisch, Okzitanisch, Korsisch, Bretonisch, Katalanisch, Baskisch, ebenso wie Sprachen von MigrantInnen, besonders solche aus Nord- und Westafrika.

Weiters wird in der kanadischen Provinz Québec Französisch als Muttersprache gesprochen und ist landesweit Amtssprache (6,5 Mill. SprecherInnen). Außerhalb Québecs gibt es französisch­sprachige Bevölkerungsgruppen in Ontario, Alberta, im Süden von Manitoba, im Norden und Südosten von New Brunswick und im Südwesten von Nova Scotia; in den letzten beiden Bundes­staaten herrscht das so genannte akadische Französisch vor.

Auch in kleineren Teilen der USA, vor allem in Louisiana (0,2 Mill.) sowie in Haiti (7 Mill. SprecherInnen des haitianischen Frankokreol und des Französischen) wird Französisch gesprochen.

Ebenso sind die DOM (Départements d’Outre Mer, Überseedepartements) – das süd­amerikanische Guyana, die karibischen Inseln Martinique und Guadeloupe und die Insel La Réunion im Indischen Ozean östlich von Madagaskar – sowie die TOM (Territoires d’Outre Mer, Überseeterritorien) wie z. B. Französisch Polynesien frankophon geblieben.

In 22 afrikanischen Staaten sowie auf den östlich gelegenen Inseln Madagaskar, Mauritius und den Seychellen, also ehemaligen französischen oder belgischen Kolonien, hat Französisch den Status einer offiziellen Sprache. Die Zahl der AfrikanerInnen, die auf Französisch kommunizieren können, wird auf 130 Millionen geschätzt, unter ihnen viele Mutter­sprachlerInnen.

Auch in Mauretanien, Laos, Kambodscha, Vietnam, dem Libanon und auf den Kanalinseln lässt sich eine nennenswerte Anzahl an SprecherInnen nachweisen, im arabischsprachigen Nordafrika ist Französisch als Zweitsprache weit verbreitet.

In einigen ehemaligen Kolonialgebieten haben sich verschiedene französisch geprägte Kreol­sprachen herausgebildet. Diese werden aber wegen ihrer vom Standardfranzösischen stark abweichenden Struktur meist als eigene Sprachgruppe angesehen.

Neben Deutsch und Englisch ist Französisch die wichtigste Amts- und Arbeitssprache der Europäischen Union. Frankreich ist Gründungsmitglied der Union, viele EU-Institutionen befinden sich in Brüssel, Straßburg und Luxemburg, in denen auch bzw. vorwiegend Französisch gesprochen wird. Französisch ist die traditionelle interne Arbeitssprache des Europäischen Gerichtshofs.

1.3 Geschichte der Sprache

Seit etwa 700 v. Chr. wurde Gallien von keltischen Volksgruppen besiedelt. Sie führten das Gallische, eine keltische Sprache, in jenem Gebiet ein, das im Wesentlichen dem heutigen Frankreich, Belgien und Norditalien entspricht. Einige gallischstämmige Wörter sind heute noch im Französischen vorhanden, z.B. mouton – Schaf, charrue – Pflug.

Nach den Eroberungszügen Julius Cäsars im 1. Jahrhundert v. Chr. wird Latein allmählich zur Sprache Galliens (zu dieser Zeit siehe auch „Asterix, der Gallier“). Vom 2. bis zum 6. Jahrhundert nach Chr. wird das von den Galliern gesprochene Latein durch die vom Nordwesten kommenden germanischen Invasoren beeinflusst, vor allem durch die Franken, die der Sprache ihren Namen geben. Französisch ist innerhalb der romanischen Sprachen jene mit den meisten germanischen Einflüssen.

Das Konzil von Tours im Jahr 813 legt zwei Sprachen fest: Das klassische Latein und das dem Volk verständliche Romanische, in dem von da an die Predigten in den Kirchen gehalten werden. Es bilden sich verschiedene Dialekte heraus, die – abhängig von der Aussprache des Wortes Ja (oïl bzw. oc) – im Norden als „Langues d’Oïl“ und im Süden als „Langues d’Oc“ zusammengefasst werden.

Die Straßburger Eide, die das Bündnis zwischen den Enkeln Karls des Großen besiegeln, sind auf Französisch und Deutsch verfasst und gelten als der erste erhaltene Text in Französisch.

Im Mittelalter kristallisiert sich Paris allmählich als das politische Zentrum Frankreichs heraus. Der dortige Dialekt, das Französische, drängt in der Folge die anderen Dialekte stark zurück. Als Wilhelm der Eroberer 1066 den englischen Thron besteigt, wird das normannische Französisch für zwei Jahrhunderte die Sprache des englischen Adels und beeinflusst nachhaltig die englische Sprache.

1539 erlässt König Franz I. das Edikt von Villers-Cotterêts, das Französisch statt Latein zur Amtssprache erhebt. Die nächste Phase im Werdegang des Französischen zur Standard­sprache ist die Kodifizierung: Französisch stellt die von den europäischen Sprachen am strengsten kodifizierte Sprache dar. 1635 gründet Kardinal Richelieu die Académie française, deren Aufgabe darin besteht, „der französischen Sprache nicht nur Eleganz zu verleihen, sondern sie auch in die Lage zu versetzen, alle Künste und Wissenschaften zu behandeln“. Ihr Programm war „die Herstellung eines Diktionärs, einer Grammatik, einer Rhetorik und einer Dichtkunst der französischen Sprache“. Richelieus Absicht war es nicht so sehr, die funktionelle Effizienz der Sprache zu fördern, sondern vielmehr das Prestige des Französischen auf europäischer Ebene zu stärken.

Die Akademie hält, entgegen Vorschlägen zur Rationalisierung der Rechtschreibung, an der etymologischen Tradition fest. Seither hat es nur einige geringfügigen Veränderungen der Rechtschreibung gegeben. Dem Sprachwissenschaftler A. Lodge zufolge war die Sorge der Akademie, die Sprache der regierenden Elite von der des Volkes zu differenzieren. Auch der Staat ist in seinen politischen Vereinigungsbestrebungen an der Frage der sprachlichen Einheit interessiert.

Im 18. Jahrhundert wird die Ideologie der Standardsprache durch Mythen wie jener von der besonderen Klarheit und Logik des Französischen bestärkt. In den Texten Molières kommt die Verachtung für Provinz- und Volkssprache zum Ausdruck. Indem Französisch den Status einer internationalen Diplomatensprache annimmt, wird es bald Vorbild für andere europäische Sprachen. Auch an den europäischen Fürstenhöfen wird Französisch gesprochen.

Auch die Französische Revolution versucht paradoxerweise, im Namen der Demokratie und der Gleichheit eine einzige Sprache durchzusetzen, jene, die das Ancien Regime als Markierung der sozialen Unterschiede geformt hat. Im 19. Jahrhundert wird die politische Zentralisierung intensiviert. Die Politik des Staates gegenüber den regionalen Sprachen (patois) entspricht einer linguistischen Assimilierung durch eine mächtige Verwaltungs­maschinerie. Auch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht trägt zur Vereinheitlichung der Sprache bei. Die Einrichtung von Gemeindeschulen 1882 durch Jules Ferry und die Entwicklung der Transportmittel, vor allem des Eisenbahnnetzes, stärken Französisch als Standardsprache.

Der Erste Weltkrieg, im Verlaufe dessen die regionalen Militäreinheiten allmählich aufgelöst werden, danach vor allem die Ausbreitung von Radio und Fernsehen haben die Patois größtenteils verdrängt. Eine gewisse Revitalisierung erfahren Regional- und Minderheiten­sprachen in Frankreich wieder seit den 1970er Jahren; allerdings weigert sich Frankreich bis heute, die Europäische Charta zum Schutz der Regional- und Minderheitensprachen zu ratifizieren. Infolge der Kolonisierung weiter Teile Westafrikas, von Teilen Nordamerikas und Indochinas hat sich Französisch als Amtssprache oder Lingua franca weltweit verbreitet.

Ehemalige französische Besitzungen, Kolonien und Protektorate

Französisches Kolonialreich (hellblau: erste Erwerbungen im 16. Jahrhundert, dunkelblau: Erwerbungen bis 1920)

1.4 Varianten des Französischen

Schweizer Französisch
Im Großen und Ganzen entspricht das schweizerische Französisch dem Standard­französisch.

Das in der Romandie gesprochene Französisch kennt einige Eigenheiten in der Aussprache und im Vokabular (auch regional). Neben den aus dem Patois stammenden Archaismen sind auch viele Germanismen bekannt, die insbesondere entlang der Sprachgrenzen verstärkt eingesetzt werden:
vattre et mouttre statt père et mère; poutzer statt nettoyer; speck statt lard oder witz statt blague.

Belgisches Französisch
Das belgische Französisch ist ein Überbegriff für die verschiedenen Mundarten der französischen Sprache in Belgien. Zu den Belgizismen zählen einige Nederlandismen, z. B. babeler = causer, vgl. ndl. babbelen (dt. schwätzen, plaudern) oder der Ausdruck ça cloppe = ça colle, vgl. ndl. dat klopt (dt. das stimmt). La drache ist ein nur in Belgien übliches Wort für den Regen.

Kanadisches Französisch
Als français québécois bezeichnet man die Variante des Französischen, die in Québec, Ontario und den westlichen Provinzen Kanadas gesprochen wird. Aufgrund der räumlichen Isolierung vom Rest der Frankophonie weist das kanadische bzw. Quebecer Französisch wie die anderen Varianten des Französischen in Nordamerika deutliche Unterschiede im Vergleich zum Französischen in Europa auf, die in der Umgangssprache besonders ausgeprägt sind.

Das kanadische Französisch hat eine Reihe von Archaismen bewahrt:

frz. voiture (Auto): cnd. char; frz. casserole (Kochtopf): cnd. chaudron; frz. pull-over: cnd. chandail.

Einige französische Wörter wurden neu geschaffen mit dem Ziel, Anglizismen zu vermeiden:
engl. shopping, cnd. magasinage.

Anglizismen im Französischen Frankreichs wurden „französiert":
frz. vol charter (Charterflug): cnd. vol nolisé; frz. week-end: cnd. fin de semaine; frz. ferry (Fähre); cnd. traversier.

Andere Wörter wurden dagegen aus dem Englischen übernommen oder analog zum Englischen gebildet:
frz. dentifrice (Zahnpasta); engl. tooth paste; cnd. pâte à dents; frz. annuler; eng. cancel; cnd. canceller.

Klar vom kanadischen bzw. Quebecer Französisch abgrenzen kann man das akadische Französisch, das in den Seeprovinzen New Brunswick, Nova Scotia, Prince Edward Island und in einem kleinen Teil der zu Québec gehörenden Gaspésie gesprochen wird, sowie das neufundländische Französisch, das an der Westküste (Port-au-Port Halbinsel) Neufundlands gesprochen wird.

1.5 Die Verbreitung des Französischen: Die Internationale Organisation der Frankophonie

Als Frankophonie wird die Gesamtheit der französischsprachigen Staaten bezeichnet, also der französische Sprachraum. Darin eingeschlossen sind Staaten, in denen Französisch offizielle Sprache ist, Staaten, in denen Französisch Erstsprache ist, und Staaten, in denen Französisch Unterrichtssprache ist. Bereits 1871 wurde der Begriff der „Franko­phonie“ von Geographen verwendet, „erfunden“ wurde das Wort von Onésime Reclus (1837–1916).

Die „Organisation internationale de la Francophonie“ (OIF) schließt Frankreich, eine Gruppe ehemaliger französischer Kolonien, die heute noch mehr oder weniger kulturellen, sprachlichen und jedenfalls politischen Kontakt zur ehemaligen Kolonialmacht pflegen, und andere Staaten ein. Sie ist heute über das kulturelle Bündnis hinaus auch eine politische Organisation.

Die Politik des französischen Außenministeriums zur Förderung der französischen Sprache stützt sich auf ein Netz von 151 französischen Zentren und Kulturinstituten und 283 Alliances Françaises, die vom Ministerium unterstützt werden, des Weiteren auf 800 Experten vor Ort und zahlreiche lokale und internationale Partnerschaften. Sie richtet sich an ständig neue Bevölkerungsgruppen, deren „Nachfrage“ nach Französisch angesichts eines stark vom Wett­bewerb geprägten Sprachenmarktes sehr unterschiedlich ist.

Die Agence universitaire de la Francophonie (Hochschulagentur der Frankophonie) koordiniert den Austausch unter 526 Universitäten, Instituten und Forschungszentren. TV5, ein allgemeiner französischsprachiger Fernsehkanal, wird in mehr als 130 Millionen Haus­halten auf der Welt empfangen; es gibt auch den sowohl auf Französisch als auch auf Englisch empfangbaren Nachrichtensender France24.
Dazu siehe: http://www.diplomatie.gouv.fr/de/

In der Frankophonie zusammengeschlossene Länder

Europa
Frankreich, Belgien, Schweiz, Luxemburg, Monaco, Bulgarien, Griechenland, Makedonien, Moldawien, Rumänien
Assoziierte Mitglieder: Albanien, Andorra
Beobachtende Funktion: Österreich, Armenien, Kroatien, Litauen, Ungarn, Polen, Serbien, Slowakei, Slowenien, Georgien

Nord- und Südamerika
Kanada: Nouveau-Brunswick, Québec. Beobachter, eventuell Beitrittskandidat: Ontario
Antillen: Dominica, Haiti, St. Lucia
Französische Überseegebiete: Martinique, Guadeloupe, Französisch-Guayana, St. Pierre-et-Miquelon

Afrika
Benin, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, Kap Verde, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Komoren, Republik Kongo, Elfenbeinküste, Demokratische Republik Kongo, Dschibuti, Ägypten, Äquatorialguinea, Gabun, Guinea, Guinea-Bissau, Madagaskar, Mali, Mauretanien, Mauritius, Marokko, Niger, Ruanda, São Tomé und Príncipe, Senegal, Seychellen, Togo, Tunesien

Asien und Ozeanien
Kambodscha, Laos, Libanon, Vietnam; Vanuatu

1.6 Sprachbrücken Französisch – Deutsch

Im Deutschen werden zahlreiche französische Wörter und Ausdrücke verwendet, besonders im Wienerischen:

Déjà vuJalousie (frz. Eifersucht)Kretin
Faux pasMalheurJournal
ChauffeurRendez-vous (frz. auch Termin)Garage (frz. männl.)
TrottoirPortemonnaieManege (frz. männl.)
Friseurvis-à-visPardon
Potpourrià la … (z.B. carte)Bonmot
FauteuilCroupierBonbon

 

In Wien: Pompfineberer – pompes funèbres, Lavour – lavoir, Bagage (Gepäck)
Eingedeutscht: Frisör, Menü, kujonieren (von couilloner – hereinlegen), Rollo, Havarie
Im Französischen gibt es das Wort „le vasistas“ – das Dachlukenfenster

Kleine Liste der „falschen Freunde“ Französisch – Deutsch

frz. Wortbedeutet (auch)ähnelt dem deutschenfranzösische Übersetzung des deutschen Wortes
batterieSchlagzeug, AkkuBatteriepile
bureauauch: SchreibtischBürobureau
chanceauch: GlückChancechance
compasZirkelKompassboussole
costume(Herren-)Anzug, TrachtKostümtailleur
délicatesseFeingefühlDelikatesseplat exquis
dossierauch: RückenlehneDossier (Akt)dossier
étatZustand, StaatEtatbudget
gros, grossefettgroßgrand
gymnaseTurnhalleGymnasiumlycée
hôtel de villeRathausstädtisches Hotelhôtel municipal
humeurLaune, StimmungHumorhumour
ignorerauch: nicht wissen, kennenignorierenignorer
infusionAufguss, KräuterteeInfusionperfusion
mousseSchaumMuscompote, marmelade
négligénachlässig, unordentlichNegligédéshabillé
nobleauch: adelignobelchic, noble
paroleWortParole (Losung)le mot d'ordre
portoPortwein(Brief-)Portoport
professeurauch: Lehrer, StudienratProfessorprofesseur (universitaire)
servietteauch: Handtuch, MappeServietteserviette (de table)
variétéAuswahl; VielfaltVarieté (Theater)music-hall; spectacle de variétés

1.7 Namen und Anrede

Seit 2005 können Kinder in Frankreich den Familiennamen des Vaters, der Mutter, oder eine Kombination aus beiden annehmen.

Personennamen werden wie im Deutschen angegeben.

Anrede: Monsieur (Herr), Madame (Frau), veraltet: Mademoiselle (Fräulein)
Im Französischen wird zwischen ,du’ (tu) und der Höflichkeitsform ,Ihr’ (vous) unterschieden.
Die Anwendung der beiden Formen entspricht weitgehend dem Deutschen.