1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

Türkçe, Türk dili

Türkçe –  Türkisch
Türk dili – die türkische Sprache

Ben Türkçe konuşuyorum. (Ich spreche Türkisch.)
Siz Türkçe konuşuyor musunuz? (Sprechen Sie Türkisch?)

1.2 Wo Türkisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

Das heutige Türkisch wird von ca. 65 Millionen Menschen in der Türkei und in Nordzypern als Muttersprache bzw. als Zweitsprache (kurdische, griechische, armenische... Minderheiten) gesprochen. Dazu kommen weitere 70 bis 80 Millionen Menschen in Ost- und Süd-europa, in West-, Zentral- und Nordasien sowie eine große Zahl von MigrantInnen in vielen europäischen Ländern.

Die türkische Sprache zählt zu den Turksprachen oder Türksprachen. Um die Unterscheidung deutlich zu machen, wird das Türkische (im engeren Sinn) auch als Türkei-Türkisch bezeichnet.

Die meisten Turksprachen sind sich in der Phonologie, Morphologie und Syntax sehr ähnlich. Zwischen den SprecherInnen ist eine wechselseitige Verständigung möglich.

Die Dialektunterschiede in der Türkei sind nicht sehr groß. Die Unterschiede liegen mehr im phonetischen als im lexikalischen Bereich. Das Istanbuler Türkisch bildet die Grundlage für die Schriftsprache.

Die türkische Sprache gehört zur ural-altaischen Sprachgruppe. Die Besonderheit der Sprache macht die Agglutinierung aus. Das bedeutet, dass viele syntaktische Formen durch das Anhängen von Endungen an Wortstämme angezeigt werden. Mindestens eine, meistens mehrere Endungen werden an den Verb- oder Wortstamm nach den Regeln der Vokalharmonie angehängt. 

Zum Beispiel:
ev                              Haus
evde                          zu Hause, im Haus
Evdeler.                     Sie sind zu Hause.
evinizde                     in Ihrem/eurem Haus
Evinizdeyiz.                Wir sind in Ihrem/eurem Haus.

Die türkische Sprache kennt keinen Artikel und kein grammatisches Geschlecht. Sie ist mit den in Europa gebrauchten Sprachen, deren Wurzeln größtenteils ins Indogermanische reichen, nicht verwandt.

Durch die Übernahme des Islam gelangten viele arabische Elemente, insbesondere im Bereich der Rechtssprechung und der Ethik, ins Türkische. Die Einflüsse der persischen Sprache machen sich besonders im Bereich der Poesie bemerkbar. Durch die Beziehungen des Osmanischen Reiches und Studienaufenthalte von Kindern der Oberschicht wurden viele französische Wörter im Bereich des Militärs, der Verwaltung, der Technik und des Gesellschaftslebens ins Türkische übernommen.

Im Rahmen seiner tief greifenden Reformen leitete Mustafa Kemal Atatürk auch die Retürkisierung bzw. Modernisierung der türkischen Sprache ein. Er setzte im Jahre 1932 eine staatliche Sprachkommission unter dem Namen „Türk Dil Kurumu“ (Türkisches Sprachinstitut) ein.

Das Türkische Sprachinstitut hat zahlreiche neue Wörter gebildet. Viele sind lebendige Bestandteile der Sprache geworden. Gab es zum Zeitpunkt der Reform im Türkischen 57 % Fremdwörter, so werden heute laut einem türkischen Wörterbuch in der türkischen Sprache 14,18 % Lehnwörter gezählt.

1.3 Sprachbrücken Türkisch–Deutsch

Zwischen der deutschen und der türkischen Sprache bestehen einzelne Verbindungen. So wurden Wörter aus dem Türkischen, z.B. köşk → Kiosk, kadı → Kadi, ins Deutsche und aus dem Deutschen, z.B. şalter → Lichtschalter, ins Türkische übernommen.

Zahlreiche Schlüsselwerke der türkischen Literatur wurden ins Deutsche übersetzt oder zweisprachig herausgegeben. Einen Überblick gibt: Moderne türkische Klassiker. Erzählungen – Modern Türk Klasikleri. Öyküler. dtv zweisprachig, München 1994.

1.4 Namen und Anrede

Im Türkischen werden Personen vornehmlich mit ihrem Vornamen angesprochen.

Frau Fatma (Vorname) Arslan (Zuname)
Anrede: Fatma Hanım (= Frau Fatma)

Herr Tahsin (Vorname) Arslan (Zuname)
Anrede: Tahsin Bey (= Herr Tahsin)

Wenn die Familie gemeint ist, wird an den Vornamen häufig die Mehrzahlendung (-ler oder -lar) angehängt → Fatmalar oder Tahsinler.

Im Türkischen wird zwischen ,du’ (sen) und der Höflichkeitsform ,Sie’ (siz) unterschieden. Die Anwendung der beiden Formen entspricht in der Theorie weitgehend dem Deutschen, wobei im Türkischen die Anrede in der du-Form viel häufiger vorkommt und weniger Formalismen angewendet werden.