2. Allgemeine Kurzinformation zur Sprache

Das Türkische besitzt ein sehr hohes Maß an Regelmäßigkeiten. Eine einmal gelernte grammatikalische Form stimmt in (fast) allen anderen Fällen. Man muss sich nicht – wie im Deutschen – mit unzähligen Ausnahmen plagen. Das fehlende grammatikalische Geschlecht erspart es, passende Artikel zu jedem Substantiv zu lernen.

Die türkische Sprache kennt das deutsche ,es’ nicht. Statt „Es regnet.“ wird auf Türkisch „Regen fällt.“ (Yağmur yağıyor.), statt „Es ist heiß.“ wird „Die Luft ist heiß.“ (Hava sıcak.) oder einfach nur „heiß“ (sıcak) gesagt.

Einen weiteren Unterschied zum Deutschen bildet das Verb ,haben’. Das Türkische kennt dieses Wort nicht. „Ich habe ein Buch.“ heißt auf Türkisch „Benim kitapım var.“ (Es gibt mein Buch.). „Ich habe kein Buch.“ heißt dagegen „Benim kitapım yok.“ (Es gibt mein Buch nicht.) „Ich habe Kopfschmerzen.“ würde ein Türke/ eine Türkin mit „Kafam ağrıyor.“ (Mein Kopf schmerzt.) ausdrücken.

Die deutsche Aussprache stellt für Türkisch sprechende Personen keine allzu großen Schwierigkeiten dar. Auch in der türkischen Sprache werden viele Laute verschluckt. Schwierigkeiten bereiten hauptsächlich die im Türkischen nicht vorkommenden Zwielaute, wie ,au’, ,eu’, ,äu’, und die Mitlautverbindungen, wie ,pf’, ,tz’, ,schr’, ,sp’, ,mpf’.

2.1 Textproben

Die Konkretheit der türkischen Sprache macht sich auch in Redewendungen bemerkbar:

Sütle dilini yakan, yoğurdu üfleyerek yer.
(Wer sich den Mund an der Milch verbrannt hat, der isst das Joghurt blasend.)
entspricht dem deutschen Sprichwort „Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.“ Das Wort Joghurt stammt übrigens auch aus dem Türkischen.

2.2 Schrift und Aussprache

1928 wurde von Mustafa Kemal Atatürk in der Türkei eine Schriftreform durchgeführt. Die arabische Schrift wurde durch das lateinische Alphabet ersetzt. Dieses neue Schriftsystem wird „neues türkisches Alphabet“ genannt und umfasst 29 Buchstaben.

Aa, Bb, Cc, Çç, Dd, Ee, Ff, Gg, Ğğ, Hh, Iı, İi, J j, Kk, Ll, Mm, Nn, Oo, Öö, Pp, Rr, Ss, Şş, Tt, Uu, Üü, Vv, Yy, Zz

Die türkische Sprache hat fast alle Laute, die das Deutsche auch kennt. Die folgende Liste ist ein Wegweiser für die türkische Aussprache.

Abweichungen

Ää, Qq, ß, Ww, Xx kommen im türkischen Alphabet als Buchstaben nicht vor.

Çç, Ğğ, Şş, Iı kommen im deutschen Alphabet als Buchstaben nicht vor.

b, d, f, g, k, m, n, p, t werden wie im Deutschen ausgesprochen.

Aussprache

akurzes a wie in Bank, z.B. banka
cwie in Dschungel, z.B. cam (Fenster)
Ççwie tsch in Tscheche, z.B. çay (Tee)
ekurzes offenes e wie in bellen, z.B. elma (Apfel)
Ğğwird nicht ausgesprochen, sondern ist ein Längenzeichen für den vorausgehenden Vokal, z.B. dağ (Berg)
Hwird im Anlaut ausgesprochen wie in Hans, z.B. Hasan, im Inlaut und im Auslaut wie ein sehr schwaches ch, z.B. Ahmet, sabah (Morgen)
nicht zu verwechseln mit i, wird hinten ausgesprochen, z.B. kır (Wiese), kıravat (Krawatte)
İimeist kurz
jwie in Journal, z.B. jeton (Münze), jambon (Schinken)
omeist kurz, z.B. okul (Schule)
ömeist kurz, z.B. ördek (Ente)
rein so genanntes Zungen-r, z. B. arı (Biene)
sstimmlos, wie ß, z.B. sarı (gelb), saç (Haar)
Şşwie sch im Deutschen, z. B. şişe (Flasche), şeker (Zucker)
umeist kurz
ümeist kurz
vwie in Winter, z.B. ve (und), var (es gibt)
ywie das Deutsche j, z.B. ye (iss!), yok (es gibt nicht)
zstimmhaftes s, wie in Säure, z.B. zar (Würfel), az (wenig)

2.3 Besonderheiten aus der Grammatik

Satzbau

Die erste Idee in einem türkischen Satz ist das Subjekt, die letzte Idee ist das Verb. Diese Regel gilt sowohl für Aussage- als auch für Fragesätze. Beim Satzbau ist die folgende Reihenfolge zu beachten:
Subjekt – Objekte – Verb
z.B. Ayşe kitap okuyor. (Ayşe liest ein Buch.)

Die Personalpronomen ben (ich), sen (du) usw. können entfallen, soweit sie aus dem Verb entnommen werden können und nicht extra zu betonen sind.

z.B. Ben gidiyorum. (Ich gehe.) gidiyorum enthält implizit das Subjekt (ben), daher kann auf die explizite Angabe des Subjekts verzichtet werden: Gidiyorum. (Ich gehe.)

Wortbildung

Syntaktische Formen werden durch Aneinanderfügen von Endungen angezeigt. Deswegen nennt man das Türkische eine agglutinierende Sprache.
z.B. Okuldasın.
Du bist in der Schule.
okul – da – sın
Schule – in – (du) bist

Großschreibung

Sie ist im Türkischen viel einfacher zu handhaben als im Deutschen, und in der Praxis herrscht ein sehr lockerer Umgang. Als Grundregel gilt, dass nur Eigennamen groß geschrieben werden.

Vokalharmonie

Bei Hinzufügung von grammatischen Endungen werden innerhalb eines Wortes die Vokale einander angeglichen. Hellen Vokalen (e, i, ö, ü) folgen helle Vokale, dunklen Vokalen (a, ı, o, u) folgen dunkle Vokale. Die Vokalharmonie gilt für alle grammatischen Endungen (Suffixe).

Kleine Vokalharmonie

Enthält die letzte Silbe ein e oder i oder ö oder ü, muss die grammatische Endung ein e enthalten.
Enthält die letzte Silbe ein a oder ı oder o oder u, muss die grammatische Endung ein a enthalten.

Die kleine Vokalharmonie wird im 3., 5. und 6. Fall sowie im Infinitiv und Plural angewendet.

z.B.
kitap (Buch) kitaplar (Bücher), ev (Haus) evler (Häuser), kapı (Tür), kapılar (Türen)

Große Vokalharmonie

Enthält die letzte Silbe e oder i, muss die Endung ein i enthalten.
Enthält die letzte Silbe a oder ı, muss die Endung ein ı enthalten.
Enthält die letzte Silbe ö oder ü, muss die Endung ein ü enthalten.
Enthält die letzte Silbe o oder u, muss die Endung ein u enthalten.

Die große Vokalharmonie wird im 2. und 4. Fall sowie großteils für Zeitformen, bei den Fragepartikeln (Entscheidungsfragen), bei der Vergangenheitsform etc. herangezogen.

z.B.
Kitap Türkçe mi? (Ist das Buch Türkisch?)
Gazete Almanca mı? (Ist die Zeitung Deutsch?)

Fälle

1. Fall (Grundform)                                                    okul
2. Fall                         in, ın, un, ün                            okulun
3. Fall                         e, a, (ye, ya)                           okula
4. Fall                         i, ı, u, ü                                    okulu
5. Fall                         de, da (te, ta)                          okulda
6. Fall                         den, dan (ten, tan)                  okuldan

Personalpronomina

ich                               ben
du                                sen
er/sie/es                      o
wir                               biz
ihr                                siz
sie                               onlar
Sie                              siz

Das Zeitwort (Verb)

Für die Konjugation von Zeitwörtern schreibt die türkische Grammatik eine sehr präzise und differenzierte Form vor. Bei jeder Person wird dem Verbstamm eine jeweils andere Endung hinzugefügt, dadurch kann das Subjekt aus dem Verb entnommen und somit auf die explizite Angabe des Subjekts verzichtet werden.

Beispiele:

                gelmek (kommen)                                    yapmak (machen)
Ben          geliyorum (ich komme)                             yapıyorum (ich mache)
Sen          geliyorsun (du kommst)                            yapıyorsun (du machst)
O             geliyor (er/sie/es kommt)                          yapıyor (er/sie/es macht)
Biz           geliyoruz (wir kommen)                            yapıyoruz (wir machen)
Siz           geliyorsunuz (ihr kommt, Sie kommen)     yapıyorsunuz (ihr macht, Sie machen)
Onlar        geliyorlar (sie kommen)                            yapıyorlar (sie machen)

                oturmak (sitzen)                                       öpmek (küssen)
Ben          oturuyorum (ich sitze)                               öpüyorum (ich küsse)
Sen          oturuyorsun (du sitzt)                               öpüyorsun (du küsst)
O              oturuyor (er/sie/es sitzt)                           öpüyor (er/sie küsst)
Biz            oturuyoruz (wir sitzen)                             öpüyoruz (wir küssen)
Siz            oturuyorsunuz (ihr sitzt, Sie sitzen)          öpüyorsunuz (ihr küsst, Sie küssen)
Onlar        oturuyorlar (sie sitzen)                              öpüyorlar (sie küssen)

Die Befehlsform (Der Imperativ)

Der Verbstamm ist zugleich die Befehlsform für die 2. Person Einzahl, z.B.

gelmek     →   Gel!       (Komm!)
yapmak    →   Yap!       (Mach!)

Die Höflichkeitsform bzw. die 2. Person Mehrzahl erhalten wir, indem wir an den Verbstamm nach den Regeln der großen Vokalharmonie -in, -ın, -ün, -un anhängen,

z.B.
gelmek     →    gel  + in → Gelin!       (Kommt! Kommen Sie!)
yapmak    →    yap + ın → Yapın!      (Macht! Machen Sie!)

Wenn der Verbstamm auf einen Vokal endet, wird zwischen Stamm und Suffix ein -y eingeschoben, z.B.

Bekleyin! (Wartet! Warten Sie!)

Die Negation der Befehlsform

Die obigen Erklärungen gelten auch für die Negation.
Die Negation erfolgt mit dem Suffix -me/-ma (kleine Vokalharmonie), das an den Verbstamm angehängt wird, z.B.

Gelme!       (Komm nicht!)        Gelmeyin!       (Kommt nicht! Kommen Sie nicht!)
Yapma!       (Mach nicht!)         Yapmayın!      (Macht nicht! Machen Sie nicht!)
Bekleme!    (Warte nicht!)        Beklemeyin!   (Wartet nicht! Warten Sie nicht!)
Okuma!       (Lies nicht!)           Okumayın!     (Lest nicht! Lesen Sie nicht!)

Die drei Arten der Verneinung

Es gibt drei unterschiedliche Arten der Verneinung, die nicht austauschbar und daher strikt zu unterscheiden sind.

a) Verneinung mit „değil“

Wenn eine Eigenschaft (Qualität, Beruf oder Staatsangehörigkeit etc.) negiert wird, z.B.

Bira soğuk değil.                Das Bier ist nicht kalt.
Mine doktor değil.              Mine ist keine Ärztin.
Ali Japon değil.                   Ali ist kein Japaner.

b) Verneinung mit „yok“

Wenn Abwesenheit bzw. Nicht-Haben ausgedrückt wird, z.B.

Burada bira yok.               Hier gibt es kein Bier.
Para yok.                          Es gibt kein Geld.

c) Verneinung mit „-me / -ma“

Wenn ein Vollverb negiert wird, müssen wir zunächst an den Verbstamm die Verneinungs-endung -me bzw. -ma anhängen. Danach wird der Verbstamm der negierten Nennform nach den Regeln der großen Vokalharmonie (-mı, -mi, -mu, -mü) angeglichen und die Endung -yor hinzugefügt. Dann werden die pronominalen Suffixe angefügt (siehe voriges Kapitel).

Bakkal pirinç satmıyor.           Der Greißler verkauft keinen Reis.
O çabuk hareket etmiyor.      Er/sie/es bewegt sich nicht schnell.

2.4 Zahlen

Die Zahlen werden so ausgesprochen, wie sie geschrieben werden, d.h. die Zehner vor den Einern.

0: sıfır
1: bir
2: iki
3: üç
4: dört
5: beş
6: altı
7: yedi
8: sekiz
9: dokuz

10: on
20: yirmi
30: otuz
40: kırk
50: elli
60: altmış
70: yetmiş
80: seksen
90: doksan
100: yüz
1.000: bin
10.000: on bin
100.000: yüz bin
1.000.000: bir milyon

Mehr dazu im ungekürzten Sprachensteckbrief (PDF-File): Sprachensteckbrief Türkisch (pdf, 200 kb)

2.5 Einige Redewendungen

Hoş geldin(iz)  : Willkommen - ist die Begrüßungsformel, auf die mit Hoş bulduk: Ich bin froh, dich (Sie) zu sehen - geantwortet wird.
Allaha ısmarladık: Auf Wiedersehen- sagt der/die, der/die geht
Güle güle: antwortet der/die, der/die bleibt.
Eyvallah: Tschüss
merhaba: Servus
günaydın: Guten Morgen
iyi günler: Guten Tag
iyi akşamlar: Guten Abend
iyi geceler: Gute Nacht
afiyet olsun: Mahlzeit

Zeitangaben wie z.B. „im Februar“ werden mit den Endungen -de, -da (-te, -ta) gebildet. Die richtige Endung wird nach der kleinen Vokalharmonie festgestellt. Dabei ist der Vokal der vorangehenden Silbe ausschlaggebend:
nach e, i, ö, ü —> de
nach a, ı, o, u —> da
z.B.: Haziranda (im Juni), Eylülde (im September), Şubatta (im Februar)

die Tageszeiten
sabah: Morgen
öğle: Mittag
akşam: Abend
gece: Nacht
sabahleyin: morgens
akşamleyin: abends
geceleyin: nachts
öğleyin: mittags

Haftanın günleri (Wochentage)
Pazartesi: Montag
Salı: Dienstag
Çarşamba: Mittwoch
Perşembe: Donnerstag
Cuma: Freitag
Cumartesi: Samstag
Pazar: Sonntag

Mehr Redewendungen im ungekürzten Sprachensteckbrief (PDF-File): Sprachensteckbrief Türkisch (pdf, 200 kb)