1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

Slovenščina, slovenski jezik, slovensko

slovenščina – das Slowenische
slovenski jezik – die slowenische Sprache
slovensko – slowenisch (Govorim slovensko. – Ich spreche Slowenisch.)

1.2 Wo Slowenisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

Die Zahl der SprecherInnen des Slowenischen wird auf ca. 2,2 Millionen geschätzt.

Slowenisch ist die Amtssprache der Republik Slowenien und seit dem Beitritt des Landes zur Europäischen Union auch Amtssprache der EU. In Slowenien sprechen größere Gruppen auch Bosnisch/Kroatisch/Serbisch/Serbokroatisch, Italienisch, Ungarisch und Romani.

Slowenisch ist als Minderheitensprache in den an Slowenien grenzenden Gebieten Österreichs, Italiens, Kroatiens und Ungarns anerkannt. Migrationsbewegungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben SprecherInnen des Slowenischen vor allem nach Nord- und Südamerika geführt, später auch in Länder wie die Schweiz oder Deutschland.

Die dialektalen Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen sind relativ groß, die slowenische Standardsprache wird innerhalb und außerhalb Sloweniens als gemeinsame Norm anerkannt.

In Österreich wird Slowenisch außerhalb von Kärnten und der Steiermark, dem Gebiet, in dem die slowenische Volksgruppe traditionell lebt und Slowenisch als Volksgruppensprache anerkannt ist, auch in anderen Orten, vor allem in Wien, gesprochen. Bei der Volkszählung im Jahr 2001 haben in Wien ca. 2.400 Personen Slowenisch als Umgangssprache angegeben, etwas mehr als die Hälfte (60 %) davon entfiel auf SprecherInnen des Slowenischen aus Kärnten oder der Steiermark, ca. 40 % auf solche aus Slowenien.

Slowenisch wird zu den südslawischen Sprachen gezählt und weist eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit den anderen Sprachen dieses Raums (Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Serbokroatisch) auf.

Erste bekannte schriftliche Dokumente in slowenischer Sprache datieren aus dem 11. Jahrhundert. Die im 16. Jahrhundert verfasste Übersetzung der Bibel gilt als Grundlage für die Kodifizierung der Standardsprache. Es gab jedoch fallweise, vor allem im 18. Jahrhundert, Bestrebungen, die südslawischen Sprachen zu einer einzigen Standardsprache zusammenzufassen. Die heutige slowenische Rechtschreibung mit den Buchstaben č, š und ž wurde im wesentlichen Mitte des 19. Jahrhunderts festgelegt.

Bis 1918 waren die slowenischsprachigen Gebiete Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie. Graz, Klagenfurt und vor allem Wien waren wichtige Zentren für die slowenischsprachige Literatur und die wissenschaftliche Beschäftigung mit der slowenischen Sprache. Die Beziehungen waren widersprüchlich: Wien war der Sitz der Zensoren, die über die slowenischsprachige Publikationstätigkeit wachten, und war gleichzeitig auch der Ort, an dem wichtige Kodifizierungsarbeiten geleistet wurden, zumindest bis 1919 die Universität in Ljubljana gegründet wurde.

Slowenische Autoren, deren Werke die literarische Tradition in Slowenien begründet haben, sind beispielsweise France Prešeren (1800-1849) oder Ivan Cankar (1876-1918). Literarisches Schreiben in slowenischer Sprache wird bewusst gefördert, sodass sich eine lebendige Szene entwickelt hat, die auch eine beachtliche Produktion an Kinder- und Jugendliteratur umfasst. Praktisch jedes Kind in Slowenien kennt, neben den ,globalisierten’ Kinderbüchern, die Geschichten und Gedichte von Svetlana Makarovič oder die Jugendbücher von Desa Muck.

1.3 Sprachbrücken Slowenisch – Deutsch

Zwischen der deutschen und der slowenischen Sprache besteht ein enger Sprachkontakt. Viele Wörter verweisen auf Gemeinsames, wie z.B. marelica – Marille, fižol – Fisolen oder južina – Jause. Aus dem Slowenischen stammt auch ,Lipizzaner’, der Name für die weißen Pferde, der sich vom slowenischen Ort Lipica ableitet. Umgekehrt sind zahlreiche Wörter aus dem Deutschen ins Slowenische übernommen worden.

Auch im literarischen Bereich sind die Beziehungen eng: France Prešeren hat einen Teil seiner Poesie selbst ins Deutsche übersetzt. Ivan Cankar, der lange Zeit in Wien gelebt hatte, thematisierte in seinen Werken die sozialen Verhältnisse der Zuwanderer im Wien der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Erst in den letzten Jahren sind vermehrt Schlüsselwerke der slowenischen Literatur ins Deutsche übersetzt worden, darunter Werke von Lojze Kovačič (1928-2004). Er  beschreibt in seinem autobiographischen Roman „Die Zugereisten“ seine Erfahrungen mit Migration und Vertreibung in den 1930er und 1940er Jahren. Das Besondere an dem Buch ist, dass er seine damaligen Erfahrungen mit der slowenischen und der deutschen Sprache eindrücklich festhält.

1.4 Namen und Anrede

Personennamen werden im Slowenischen wie im Deutschen angegeben:

Vater: Franc Hren
Mutter: Ana Hren (Die früher in ländlichen Gebieten noch zu hörende weibliche Form ,Hrenova’ wird heute nicht mehr verwendet.)
Tochter: Nina Hren
Sohn: Aleksander Hren

Im Slowenischen wird zwischen ,du’ (ti) und der Höflichkeitsform ,Ihr’ (Vi) unter-schieden. Die Anwendung der beiden Formen entspricht weitgehend dem Deutschen.