1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

Português, língua portuguesa

português – Portugiesisch
língua portuguesa – portugiesische Sprache
(Falo português. – Ich spreche Portugiesisch.)

1.2 Wo Portugiesisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

Portugiesisch wird von über 190 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen; einschließlich der Zweitsprachler beläuft sich die Zahl der SprecherInnen auf etwa 200 Millionen.

Portugiesisch ist eine plurizentrische Sprache mit zwei Standardvarietäten, dem europäischen, afrikanischen und asiatischen Portugiesisch einerseits und dem brasilianischen Portugiesisch andererseits. Die erste der beiden Varietäten ist Amtssprache in Portugal, Angola, Guinea-Bissau, Kap Verde, Mosambik, São Tomé und Príncipe, Osttimor und in der zu China gehörigen Sonderverwaltungszone Macau sowie Amtssprache der EU und der Afrikanischen Union. Die brasilianische Varietät des Portugiesischen ist Amtsprache Brasiliens und des Mercosul.

In Portugal selbst gibt es neben den Portugiesischmuttersprachlern im Nordosten des Landes nahe der spanischen Grenze noch eine Gruppe von etwa 15.000 Personen (Stand: 2000), die Mirandesisch, ebenfalls eine romanische Sprache, als Muttersprache sprechen. Das portugiesische Parlament räumte dieser Sprache mit dem Gesetz Nr. 7 vom 29. 1. 1999 einen offiziellen Status für Lokalangelegenheiten ein.

Die ehemals portugiesischen Kolonien Afrikas haben sich zu einem Staatenbund mit der Bezeichnung PALOP (Países africanos de língua oficial portuguesa = Afrikanische Staaten mit der Amtssprache Portugiesisch) zusammengeschlossen. Die portugiesische Sprache, deren Bedeutung nach der Unabhängigkeit gewachsen ist, wird von diesen Staaten als Instrument zur Entwicklung des Landes und einer nationalen Einheit angesehen. In Angola werden außer Portugiesisch insgesamt 41 Sprachen gesprochen, von denen Chokwe, Kikongo, Kimbundu, Kwanyama, Nyemba und Umbundu seit 1977 den Status von Nationalsprachen haben, in Guinea-Bissau 22 und in Mosambik 32 Sprachen (vgl. Harald Haarmanns Sprachen-Almanach 2002). Sowohl auf Kap Verde als auch auf São Tomé und Príncipe sind neben dem Portugiesischen in Kontakt mit diesem entstandene Kreolsprachen als Umgangssprachen in Gebrauch.

Kreolsprachen auf der Grundlage des Portugiesischen sind jedoch nicht nur auf Kap Verde sowie São Tomé und Príncipe entstanden, sondern auch im Senegal, in Guinea-Bissau, auf der zu Äquatorialguinea gehörigen Insel Annobón, in Indien, Sri Lanka, Malaysia, Indonesien und Macau.

In Osttimor und der Sonderverwaltungszone Macau ist heute außer Portugiesisch Tetum bzw. Chinesisch Amtssprache. Osttimor wurde nur neun Tage nach erstmaliger Ausrufung der Unabhängigkeit 1975 von Indonesien annektiert, nach einem Referendum im Jahre 1999, das zu Gunsten der Unabhängigkeit ausging, unter UNO-Verwaltung gestellt und am 20. Mai 2002 endgültig unabhängig. Da die Verwendung des Portugiesischen in der Zeit der indonesischen Besatzung verboten war, brachte die Wiedereinführung der portugiesischen Sprache nach 1999 bzw. 2002 durchaus Probleme mit sich. So sprechen heute nur 18,6 % der Bevölkerung Osttimors Portugiesisch. Auch viele Lehrkräfte sprechen es nicht oder nur sehr unzureichend. Der Unterricht wird heute in den ersten drei Schuljahren auf Tetum abgehalten, erst danach wird Portugiesisch schrittweise eingeführt. Die 15 weiteren einheimischen Sprachen (teils malayo-polynesische, teils Papua-Sprachen) sind laut Verfassung als Nationalsprachen anerkannt. Tetum selbst gehört zu den malayo-polynesischen Sprachen und hat sich in seiner heutigen Form aus einem Pidgin entwickelt. Während der indonesischen Besatzung trug insbesondere die katholische Kirche zu einer Aufwertung des Tetum bei, da sie nicht zur Verwendung der Bahasa Indonesia überging. In Macau hat das Portugiesische auch nach der Rückgabe die-ses portugiesischen Überseeterritoriums an China am 20. Dezember 1999 seinen Status als Amtsprache neben dem Chinesischen bewahrt.

In Brasilien werden Harald Haarmanns Sprachen-Almanach (2002) zufolge vom Portugiesischen abgesehen noch weitere 235 Sprachen mit Sprecherzahlen von weniger als 10.000 bis zu höchstens 20.000 gesprochen. Es handelt sich dabei vorwiegend um die Sprachen der indigenen Bevölkerung Brasiliens. Wenngleich Niederdeutsch in Haarmanns Sprachenliste mit einer Sprecherzahl von 5.000 bis 10.000 aufscheint, sind die zahlreichen Immigrantensprachen, darunter außer verschiedenen europäischen Sprachen auch Arabisch und Japanisch, in dieser Liste nicht erfasst.

Die Einwanderung aus deutschsprachigen Ländern nach Brasilien fand im 19. und 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt und wurde zum Teil gezielt gefördert. Wenngleich die Einwandererkontingente nie besonders groß waren, dauerte die Einwanderung deutschsprachiger Immigranten nach Brasilien über einen großen Zeitraum hinweg an (von 1824 bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts). Den Höhepunkt erreichte sie nach dem Ersten Weltkrieg. DeutschbrasilianerInnen leben hauptsächlich im äußersten Süden des Landes, in den Staaten São Paulo, Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul. In den beiden letztgenannten Staaten stellen sie knapp 40 % der Bevölkerung. Mindestens eine halbe Million Brasilianer haben Deutsch als Muttersprache. Für Österreich von besonderem Interesse ist Kapitel 8.8 „Brasilien als Einwanderungsland für österreichische MigrantInnen (1875-1942)“ von Ursula Prutschs Studie „Brasilien 1889 – 1985. Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur“, das online zur Verfügung steht unter www.lateinamerika-studien.at/content/geschichtepolitik/brasilien/brasilien-21.html

Durch Auswanderung aus Portugal ist das Portugiesische in mehreren Staaten Westeuropas, vor allem in Andorra, Belgien, Deutschland, Frankreich, Jersey, Luxemburg und der Schweiz, durch Auswanderung aus Portugal und Brasilien in Nordamerika zu einer wichtigen Minderheitensprache geworden. In Afrika ist Portugiesisch eine wichtige Minderheitensprache in der Demokratischen Republik Kongo, Namibia und Südafrika, in den beiden ersteren Staaten auf Grund umfangreicher Fluchtbewegungen während des Kolonialkrieges und später während des Bürgerkrieges in Angola, in Südafrika auch auf Grund der Einwanderung von Portugiesen ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, zunächst aus Madeira und nach der Unabhängigkeit der ehemaligen portugiesischen Kolonien Angola und Mosambik (1975) auch aus diesen beiden Ländern.

In Japan leben etwa 250.000 Personen, die auf Japanisch als 出稼ぎ (dekasegi) bezeichnet werden und das brasilianische Portugiesisch als Muttersprache haben. Der Ausdruck „dekasegi“, der sich aus den japanischen Wörtern „deru“ (weggehen) und „kasegu“ (Geld verdienen) zusammensetzt, bezeichnet einerseits Japaner, die innerhalb Japans, aber außerhalb ihres Heimatortes leben, um dort einer Beschäftigung nachzugehen, andererseits aber auch Brasilianer, Peruaner und verschiedene sonstige Lateinamerikaner japanischer Herkunft, die in Japan arbeiten. Die Migration von BrasilianerInnen japanischer Herkunft nach Japan nahm Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts ihren Anfang. Im Juni 1990 wurde auch eine gesetzliche Grundlage hiefür geschaffen, sodass die Brasilianer heute nach den Chinesen und Koreanern die drittgrößte Einwanderergruppe in Japan darstellen.

Die portugiesische Sprache hat eine große Bandbreite an Dialekten, wobei viele, insbesondere in Brasilien, große lexikalische Unterschiede zu der Standardsprache aufweisen. Dennoch ist eine Verständigung zwischen den SprecherInnen verschiedener Dialekte ohne größere Probleme möglich.

Portugiesisch ist eine romanische Sprache und bildet mit dem Spanischen, Katalanischen und weiteren kleineren romanischen Sprachen der iberischen Halbinsel die engere Einheit des so genannten Iberoromanischen. Zusammen mit dem Galicischen in Nordwest-Spanien geht es auf eine gemeinsame Ursprungssprache, das Galicisch-Portugiesische, zurück, das sich von der ausgehenden Antike bis ins frühe Mittelalter aus dem Vulgärlatein entwickelt hatte.

Das älteste größtenteils lateinische Dokument, das bereits einige galicisch-portugiesische Wörter enthält, wird „Doação à Igreja de Sozello“ (Schenkung an die Kirche von Sozello) genannt und stammt aus dem Jahre 870. Die „Notícia de fiadores“ aus dem Jahre 1175, ein dreizeiliger Vermerk von Bürgen auf einem Pergament mit einem lateinischen und auf der Rückseite zwei weiteren undatierten galicisch-portugiesischen Texten, ist nach heutigem Wissensstand der älteste bekannte datierte Text in galicisch-portugiesischer Sprache. Der erst vor kurzem entdeckte, allerdings undatierte „Pacto dos irmãos Pais” (Vertrag der Brüder Pais) wird für noch älter gehalten.

Das Galicisch-Portugiesische spielte eine wichtige kulturelle Rolle in der Literatur der christlichen Herrschaftsbereiche nicht nur Galiciens und Portugals, sondern auch der Königreiche León und Kastilien und ist mit der Bedeutung der okzitanischen Sprache in Frankreich südlich der Loire, Aragonien, Katalonien und Norditalien in derselben Zeit vergleichbar.

Zunächst existierte im Nordwesten Portugals zwischen den Flüssen Minho und Douro eine eigenständige Grafschaft mit der Bezeichnung „Condado Portucalense“ (Grafschaft von Portucale), einem Hafen an der Douro-Mündung. 1093 fielen die Gebiete von Coimbra und Portucale an Heinrich von Burgund, unter dessen Sohn Afonso I (Alfons I.) Portugal 1143 seine Unabhängigkeit erlangte. Im Zuge der „Reconquista“ (Zurückeroberung) dehnte sich das Land immer weiter in den vorerst noch unter maurischer Herrschaft stehenden Süden aus, bis 1250 auch der Algarve erobert wurde. Sechs Jahre später wurde Lissabon portugiesische Hauptstadt. Während nach dem Aussterben des Hauses Burgund in Portugal João de Aviz (Johann von Avis) die zweite portugiesische Dynastie gründete und die kastilischen Ansprüche auf den portugiesischen Thron in der Schlacht von Aljubarrota (1385) erfolgreich abwehren konnte, wurde Galicien Ende des 15. Jahrhunderts definitiv in den absolutistischen spanischen Staat einbezogen. Dadurch kam es schließlich auch zu der Auseinanderentwicklung der portugiesischen und galicischen Sprache.

Unter Manuel I (Emmanuel I.), der zwischen 1495 und 1521 regierte, gelangte Portugal zu höchster Blüte. In diese Zeit fallen die Entdeckung des Seewegs nach Indien durch Vasco da Gama im Jahre 1498 und die Entdeckung Brasiliens durch Pedro Álvares Cabral am 22. April 1500. Portugal war zur führenden Handels- und Seemacht geworden. In der Architektur kam es zur Herausbildung eines nur in Portugal zu findenden prunkvollen Stils, der manuelinischer Stil genannt wird, eine Sonderform der Spätgotik, die auch außereuropäische Stilelemente aufnahm und durch maritime Ornamentik gekennzeichnet ist.

Nach der galicisch-portugiesischen Periode erreichte die portugiesische Literatur im 16. Jahrhundert ihre erste Hochblüte mit Gil Vicente und Luís Vaz de Camões, der als der portugiesische Nationaldichter gilt. In seinem Epos „Os Lusíadas“ (1572), das 1806 unter dem Titel „Die Lusiaden“ auch ins Deutsche übersetzt wurde, wird die gesamte Geschichte Portugals bis zum 16. Jahrhundert reflektiert und, an die Odyssee angelehnt, die Geschichte der Entdeckung des Seewegs nach Indien erzählt. Der Todestag des Dichters, der 10. Juni 1580, ist portugiesischer Nationalfeiertag.

Von den Autoren des 19. Jahrhunderts dürfte José Maria Eça de Queiroz, ein Vertreter des portugiesischen Realismus, international am bekanntesten sein. Fernando António Nogueira Pessoa, der seine Werke hauptsächlich unter vier Heteronymen veröffentlichte, gilt nach Camões als bedeutendster Lyriker Portugals und gehört zweifellos auch weltweit zu den wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Zu Lebzeiten war er nur von wenigen Freunden als Dichter geschätzt, sodass seine Manuskripte hauptsächlich unveröffentlicht in einer Truhe landeten. Sein Nachlass umfasste über 24.000 Fragmente, die bis heute nicht vollständig redigiert und veröffentlicht sind. In deutscher Sprache haben der schweizerische Ammann Verlag, der Fischer Taschenbuch Verlag und der Verlag Klaus Wagenbach Bücher von Pessoa herausgebracht.

Erst nach der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal (1822) gelang es auch der brasilianischen Literatur, sich von der Literatur des ehemaligen Mutterlandes loszulösen. Als erste Standardwerke einer eigenständigen brasilianischen Literatur können die Werke der Romantiker angesehen werden. Der bekannteste brasilianische Autor des Realismus ist Joaquim Maria Machado de Assis, der mit seinem Roman „Memórias póstumas de Brás Cubas“ (Posthume Memoiren von Brás Cubas) (1880) als Vorläufer des magischen Realismus des 20. Jahrhunderts (Isabel Allende, Salman Rushdie usw.) angesehen werden kann. 1922 kam es durch die „Semana de Arte Moderna“ (Woche der modernen Kunst) nicht nur zu einer musikalischen Revolution, sondern die so genannte „Moderne“ setzte sich auch in der Literatur durch. Ihre Hauptvertreter sind Mário Raul de Morais Andrade und José Oswald de Sousa Andrade. Die von letzterem mitbegründete „Anthropophagie-Bewegung“ kann als Gegenbewegung zur europäischen Dominanzkultur verstanden werden. Den traditionellen europäischen Werten sollten tropisches Wuchern, Aneignung, Naivität, Wild-heit und Poesie entgegengesetzt werden. International bekannte zeitgenössische brasilianische Autoren sind vor allem Jorge Amado und Paulo Coelho, von denen viele Werke auch in deutscher Übersetzung zugänglich sind.

2004 erhielt die brasilianische Kinderbuchautorin Lygia Bojunga Nunes den Astrid-Lindgren-Preis für Kinderliteratur. In deutscher Übersetzung (1993 und 1994) liegen leider nur drei ihrer Bücher vor, nämlich „Mein Freund der Maler“ (O meu amigo pintor), „Angelika“ (Angélica) und „Die Freunde“ (Os colegas). Die schwedische Jury meinte über ihre Arbeit: „Auf tief originelle Art vereint sie Verspieltheit, poetische Schönheit und absurden Humor mit Freiheitspathos, Sozialkritik und einem starken Engagement für das ausgegrenzte Kind.“

1.3 Sprachbrücken Portugiesisch–Deutsch

Trotz der relativ großen geographischen Distanz zwischen dem deutschen Sprachraum und Portugal haben einige portugiesische Wörter auch ins Deutsche Eingang gefunden, z.B. im 17. Jahrhundert Marmelade aus portugiesisch marmelada (Quittenkäse), einer Ableitung von marmelo (Quitte), im 18. Jahrhundert Fetisch über französisch fétiche aus portugiesisch feitiço (Zauber) und im 19. Jahrhundert Palaver über englisch palaver aus portugiesisch palavreado, einer Ableitung von palavra (Wort). Es wird davon ausgegangen, dass sich die Bedeutung im Portugiesischen als Bezeichnung der Seeleute für langwierige Verhandlungen mit den Afrikanern entwickelt hat. Vom Deutschen ins Portugiesische übernommene Fremdwörter, wie „diesel“, „kitsch“, usw., müssen in einem portugiesischen Text unter Anführungs-zeichen gesetzt werden.

Wenngleich der aus der jeweils anderen Sprache übernommene Lehn- und Fremdwortschatz beim Portugiesischen und Deutschen nicht besonders groß ist, mag man auf der Suche nach einem unbekannten Äquivalent in der anderen Sprache zuweilen dennoch versucht sein, das entsprechende Ausgangswort zu „germanisieren“ bzw. zu „lusitanisieren“. (Lusitania war eine römische Provinz, die ungefähr das heutige Portugal bis zum Douro sowie Teile des westlichen Spanien umfasste. Bis heute werden die eingedeutschte Form „Lusitanien“ als Synonym für „Portugal“ und ihre Ableitungen insbesondere in Zusammenhang mit kulturellen auf Portugal bezogenen Belangen gebraucht.) Mögliche lexikalische Interferenzen zwischen den beiden Sprachen werden aufgezeigt in:

Leiste, Doris, Cornelia Döll und António Manuel Tereso Domingos (1988) Kleines Wörterbuch der „falschen Freunde“ Deutsch-Portugiesisch, Portugiesisch-Deutsch. Leipzig: Verlag Enzyklopädie.

1.4 Namen und Anrede

Personennamen bestehen im Portugiesischen zumeist aus mehreren Vornamen und mehreren Familiennamen. Der Familienname eines Kindes bildet sich aus jeweils zu-mindest einem Teil des Familiennamens beider Elternteile. Im Gegensatz zu den spanischsprachigen Ländern ist die Reihenfolge Familienname(n) der Mutter, gefolgt vom (von den) Familienname(n) des Vaters. Wird nur ein Familienname eines Elternteils übernommen, hat dies der zweite zu sein. Bei der Eheschließung war es in Portugal früher verpflichtend, dass die Frau bei zwei Familiennamen des Mannes zumindest den zweiten ihrem bisherigen hinzufügte. Heute kann sowohl die Braut den Familiennamen des Bräutigams annehmen als auch umgekehrt. In Portugal ist die Zahl der Familiennamen auf vier beschränkt, in Brasilien gibt es keine Beschränkung.

Im Gegensatz zum Deutschen, das nur zwischen du/ihr und Sie unterscheidet, kennt das europäische, afrikanische und asiatische Portugiesisch eine große Anzahl von nach Höflichkeitsgrad abgestuften Anredeformen. Das portugiesische tu entspricht im Wesentlichen dem deutschen du und verlangt wie im Deutschen beim Zeitwort die 2. Person Einzahl. Die Pluralform vós (ihr), nach der das Zeitwort in der 2. Person Mehrzahl stehen müsste, kommt in Portugal heute nur noch regional und in der Kirchensprache vor. Stattdessen wird für ihr vocês verwendet, nach dem das Zeitwort in der 3. Person Mehrzahl steht. Die Einzahlform von vocês, você, dient zur Anrede von annähernd gleichaltrigen und gleichgestellten Personen, wenn zwischen ihnen bereits ein kameradschaftliches Verhältnis gegeben ist. Man könnte sie als eine Art Zwischenstufe zwischen dem deutschen du und Sie bezeichnen. Der deutschen Anrede mit Sie entspricht im Portugiesischen am ehesten o(s) Senhor(es) – der/die Herr(en) bzw. a(s) Senhora(s) – die Dame(n), gefolgt vom Zeitwort in der 3. Person Einzahl oder Mehrzahl. Häufig ist auch die Weglassung des Subjekts und bloße Verwendung der Verbalform in der 3. Person Einzahl oder Mehrzahl. Eine weitere mögliche Anrede, die einem deutschen Sie entsprechen würde, ist die Anrede o Senhor, gefolgt vom Familiennamen oder a (Senhora) Dona, gefolgt vom Vornamen, z.B. „O Sr. Gomes fala alemão?“ oder „A (Sra) D. Emília fala alemão?“, was beides einfach mit „Sprechen Sie Deutsch?“ übersetzt werden müsste.

Im brasilianischen Portugiesisch ist die Anzahl der Anredeformen viel geringer. Você hat tu weitestgehend verdrängt, dementsprechend sind die Zeitwortformen der 2. Person praktisch außer Gebrauch gekommen.