2. Allgemeine Kurzinformation zur Sprache

2.2 Schrift und Aussprache

Für das Polnische wird das lateinische Alphabet verwendet. Die deutschen Zusatzzeichen Ää, Öö, Üü, und ß werden nicht benötigt. Hinzu kommen die Zeichen Ćć, Śś, Źź, Żż, Łł, Óó, ń, ę, ą. Die Buchstaben Q,q, V,v, X,x werden nicht benötigt, sind aber im Alphabet auf Grund von Fremdwörten vorhanden. Es gibt auch Buchstabenkombinationen (ch, ci, cz, drz, dz, dzi, dź, dż, si, sz, rz, zi).

Das Polnische ist die einzige slawische Sprache mit nasalierten Vokalen (ą, ę). Es besitzt zwölf verschiedene „Zischlaute“ (c, ć/ci, cz, dz, drz/dż, dź/dzi, s, ś/si, sz, rz/ż, z, ź/zi). Insgesamt hat es über 35 Einzellaute – das Deutsche im Vergleich 46 bis 50.

aAll, Gastale (aber)
ąBronze, Bonbonwąż (Schlange)
bGetriebe, Busbułka (Semmel)
cZiel, Spitzecebula (Zwiebel)
czTschechienczłowiek (Mensch)
ć, cizwischen c und czćma (Nachtfalter), ciasto (Kuchen, Teig)
Folgt kein anderer Vokal, wird das „i“ ausgesprochen: cicho (leise)
ddennduch (Geist)
dzd und z knapp aufeinanderdzwon (Glocke)
dż, drzJazzdżem (Marmelade)
dź, dzizwischen dz und /drzdźwig (Kran), dziecko (Kind)
Folgt kein anderer Vokal, wird das „i“ ausgesprochen: dzik (Wildschwein)
eTabelle, hättesejm (polnisches Parlament)
ęBulletin, Cousingęś (Gans)
fHafen, Festfacet (Kerl)
gHagebutte, beugengdzie (wo)
h, chSprachehasło (Motto, Stichwort), chrzest (Taufe)
ich (bei Entlehnungen)    historia (Geschichte), Chiny (China)
ilinksigła (Nadel)
j“ wie in Tantiemendiabeł (Teufel)
yMitte (verschluckt)wychodzić (rausgehen)
ja (Fremdwörter)yeti (Yeti)
jjajazda (Fahrt, Ritt)
kkochenkwiat (Blüte, Blume)
lLuftlać (gießen)
łenglisch: whatłobuz (Lausbub, Schurke)
mMachtmarchewka (Karotte)
nAbnahmenurt (Strömung)
ńInjektionkoń (Pferd)
oRolleowo (jenes)
pPapstpoduszka (Polster)
rReiserosół (Bouillon)
sRespektsąd (Gericht)
szSchalszczęście (Glück)
ś, sizwischen s und szślepy (blind), siostra (Schwester)
Folgt kein anderer Vokal, wird das „i“ ausgesprochen: silny (stark)
tTagtłok (Gedränge)
u, óMullbindeucho (Ohr), ów (jener)
wWestenwieś (Dorf)
zSonnezalewa (Marinade)
ż, rzEtage, Journalistżal (Trauer), Rzym (Rom)
ź, zizwischen z und ż/rzźle (schlecht), zielony (grün)
Folgt kein anderer Vokal, wird das „i“ ausgesprochen: zima (Winter)

Im Gegensatz zum Deutschen unterscheidet man kurze und lange Vokale in der polnischen Sprache nicht. Erstsprachige des Polnischen haben Probleme, die langen Vokale des Deutschen (oder des  Englischen) zu erlernen: „Vookaal“ wird zu einem knappen „Vokal“. Weiters werden die acht Vokale a, ą, e, ę, i, o, u, y mit entspanntem Zungenkörper weiter unten ausgesprochen, d.h. nicht „klar“. Hingegen unterscheidet das Deutsche bei a, e, i, o, ö, u, ü eine entspannte von einer unentspannten Aussprache (z.B. das „e“ in „Steg“ vs. dem „e“ in „steck!“).

Im Polnischen gibt es ebenfalls keine gerundeten Vokale (die „Umlaute“ ö, ü). Polnischsprachige versuchen diese Laute oft durch ähnliche zu ersetzen: „Mein Auto steht am Girtel, morgen fahre ich mit ihm nach St. Pelten". Der Zwielaut „eu“ wird nicht wie im Deutschen als oj ausgesprochen, sondern als eł („Europa“ – ełropa). Hingegen ist „au“ im Deutschen und im Polnischen im Wesentlichen der gleiche Zwielaut („auto“ – ałto).

Doppelkonsonanten werden getrennt (d.h. mit Pause dazwischen) gesprochen:
Anna – an-na, willa (Villa) – will-la, lekko (leicht) – lek-ko, ssak (Säugetier) – s-sak

Die Stimmhaftigkeit von Konsonanten entfällt am Ende eines Wortes („Auslaut-verhärtung“ wie im Deutschen: „bunt“/„Bund“). Beispiele sind chleb (Brot), pisarz (Schriftsteller), kod (Code), wróg (Feind), wąż (Schlange). Vorhergehende und  nachfolgende Konsonanten bewirken ebenso eine Stimmanpassung: przykład (pschykłat, Beispiel), twój (tfuj, dein), prośba (proźba, Bitte), jakże (jagże, wie).

Wörter werden im Polnischen stets auf der vorletzten Silbe betont. Ausnahmen gibt es bei Abkürzungen (letzte Silbe) und seltenen Fremdwörtern. Die Betonung wirkt sich nicht auf die Vokalqualität aus, d.h. sie bleiben kurz und entspannt: to (das), ona (sie), zadanie (Aufgabe), tłumaczenie (Übersetzung).

2.3 Besonderheiten aus der Grammatik

Die folgenden Auszüge aus der Grammatik dienen der Illustration von typischen Vorgängen und geben dadurch die verschiedenen Regeln nur in Grundzügen und Beispielen wieder.

Im Polnischen gibt es weder einen bestimmten noch einen unbestimmten Artikel. Pani kann die Frau als auch eine Frau bedeuten. Deutschlernende können unter Umständen auf den Artikel vergessen: „Frau ist gekommen“ (Pani przyszła) anstatt „Eine Frau ist gekommen“.

Das Polnische ist bekannt für seine Verkleinerungsformen, welche im täglichen Sprachgebrauch eher die Regel als die Ausnahme sind. Sie werden meistens durch  -k- oder  -cz- geformt:

krzesło (Sessel) – krzesełko (Sesselchen), książka (Buch) – książeczka (Büchlein), samochód (Auto) – samochodzik (Autochen), słońce (Sonne) – słoneczko (Sönnchen), ziemniaki (Erdäpfel) – ziemniaczki (Erdäpfelchen)

Die Verneinung findet im Polnischen, ähnlich wie in manchen deutschen Mundarten, doppelt statt. Das Wort nie (nein, nicht) befindet sich vor dem Zeitwort:

Nic nie powiedziałem. (Ich habe nichts gesagt.)
Nie chcę niczego. (Ich möchte nichts.)

2.3.1 Fälle

Das Polnische besitzt sieben Fälle: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumental, Lokativ, Vokativ. Je nach Verwendung werden Substantive (Hauptwörter), Adjektive (Eigenschaftswörter), Pronomen (Fürwörter), Numeralia (Zahlwörter) usw. in den entsprechenden Fall gesetzt.

Der Genitiv wird zum Ausdruck von Zugehörigkeit, Verneinung, Mengen bzw. nach bestimmten Verben (Zeitwörtern) oder Präpositionen (Vorwörtern) verwendet:

moja koleżanka (meine Freundin)rower mojej koleżanki
(das Fahrrad meiner Freundin)
pojęcie (Ahnung)Nie mam pojęcia. (Ich habe keine Ahnung.)
materiał (Stoff)trzy metry materiału (drei Meter Stoff)
woda (Wasser)mało wody (wenig Wasser)
pomoc (Hilfe)Potrzebuję pomocy. (Ich brauche Hilfe.)
PragaJadę do Pragi. (Ich fahre nach Praga = Stadtteil von Warschau.)

Den Dativ findet man etwa in folgenden Konstruktionen:

swój brat (ihr Bruder)Siostra pomaga swojemu bratu.
(Die Schwester hilft ihrem Bruder.)
ja (ich)Zimno mi. (Mir ist kalt.)
dom (Haus)na przeciwko domu (gegenüber dem Haus)

Der Akkusativ wird ebenfalls nach bestimmten Zeitwörtern oder Vorwörtern verwendet:

kurtka (Jacke)Zgubiłem kurtkę. (Ich habe die Jacke verloren.)
PragaJadę na Pragę. (Ich fahre nach Praga = Stadtteil von Warschau.)

Der – dem Deutschen unbekannte – Instrumental beschreibt im Wesentlichen die Verwendung von Gegenständen oder räumliche Verhältnisse:

rower (Fahrrad)Jadę rowerem (Ich fahre Rad.)
zły nóż (schlechtes Messer)Kroję złym nożem.
(Ich schneide mit einem schlechten Messer.)
strony (Seiten)między stronami książki
(zwischen den Buchseiten)
książka (Buch)z książką (mit dem Buch)
filozofia (Philosophie)Interesuję się filozofią.
(Ich interessiere mich für Philosophie.)

Der Lokativ wird hauptsächlich für Orts- oder Zeitbeschreibungen benützt:

uniwersytet (Universität)On pracuje na uniwersytecie.
(Er arbeitet auf der Universität.)
szósta (sechs)Jest po szóstej. (Es ist nach sechs.)
piękna muzyka
(wunderschöne Musik)
Rozmawiamy o pięknej muzyce Preisnera.
(Wir sprechen über die wunderschöne Musik von Preisner.)

Der Vokativ ist die Anredeform:

Pan President (Herr Präsident)Panie Presidencie!
ZbyszekZbyszku! (Koseform des Vornamens Zbigniew)

2.3.2 Das grammatische Geschlecht (Genus)

Es wird unterschieden zwischen Maskulinum (männlich; sąsiad – Nachbar), Femininum (weiblich; sąsiadka – Nachbarin) und Neutrum (sächlich; sąsiedztwo – Nachbarschaft). Maskulina werden in belebte (gość – Gast, pies – Hund) und unbelebte Nomen (las – Wald, stół – Tisch) unterteilt.

Menschliche belebte Maskulina (Männer) sind zugleich die „Personalform“, der Rest ist die „Sachform“ (auch Frauen). Die Zugehörigkeit zu einer diesen Gruppen bestimmt die Endung in den einzelnen Fällen.

Die Unterscheidung zwischen Personalform und Sachform bei nahezu jeder Wortart (Substantive, Adjektive, Pronomen, Zahlwörter und Verben) verändert durch die „Teilnahme“ eines Mannes an einer Gruppe die Endungen sämtlicher Wörter in einem Satz:

Te trzy czekające dorożki były cierpliwe. (Diese drei wartenden Kutschen waren geduldig.)
Te trzy czekające konie były cierpliwe. (Diese drei wartenden Pferde waren geduldig.)
Te trzy czekające dorożkarki były cierpliwe. (Diese drei wartenden Kutscherinnen waren geduldig.)
Ci trzej czekający dorożkarze byli cierpliwi. (Diese drei wartenden Kutscher/KutscherInnen waren geduldig.)

Aus diesem Grund gibt es z.B. auch bei Fürwörtern eine Unterscheidung in der 3. Person Plural (sie) zwischen Personal- und Sachform: one (nur Frauen, Lebewesen oder Gegenstände) bzw. oni (mindestens ein Mann).

2.3.3 Das Zeitwort (Verb)

Im Deutschen wie im Polnischen werden Verben nach Person, Zahl, Geschlecht (Genus), Aussageweise (Indikativ, Imperativ, Konjunktiv) und Handlungsweise (Partizipien) abgewandelt.

Die Person und Zahl eines Verbs erkennt man an seiner Endung. Anders wie im Deutschen benötigt man kein Pronomen, um zu erkennen, wer die Handlung vollzieht:

Piszę.Ich schreibe.
Piszesz.Du schreibst.
Pisze.Er/Sie schreibt.
Piszemy.Wir schreiben.
Piszecie.Ihr schreibt.
Piszą.Sie schreiben.

Zusätzlich kann man im Polnischen aber den Aspekt eines Verbs bestimmen. Der Aspekt drückt aus, ob eine Handlung vollendet oder nicht vollendet (bzw. im Gange) ist. Der vollendete Aspekt von pisać (schreiben) wird durch Hinzugabe einer Vorsilbe realisiert: napisać („fertig“ schreiben).

Pisałem.     Ich schrieb./Ich habe geschrieben. (länger oder mehrmals)
Napisałem.     Ich schrieb./Ich habe geschrieben. (zu Ende oder einmal)

Da eine in der Gegenwart stattfindende Handlung noch nicht vollendet sein kann, gibt es keinen vollendeten Aspekt in dieser Zeit. Demnach ist napisać bereits die Form der Zukunft. Möchte man in der Zukunft eine Handlung über einen längeren Zeitraum tätigen, verwendet man das Wort być (sein/werden):

vollendetunvollendet
Zukunftnapiszębęde pisać
Gegenwartpiszę
Vergangenheitnapisałempisałem

Manche Aspektpaare unterscheiden sich nicht durch eine Vorsilbe, sondern durch anderen Wortstamm; manche sind gänzlich unregelmäßig: mawiać/mówić (sprechen), kupować/kupić (kaufen), wstawać/wstać (aufstehen); brać/wziąć (nehmen), mówić/powiedzieć (sagen), widzieć/zobaczyć (sehen)

Der Imperativ (Befehlsform) wird durch Wegfall der Endung in der 3. Person Mehrzahl geformt: pisz!/napisz! (Schreib!). Durch Hinzufügung von Endungen lässt sich der Imperativ auch für andere Personen nützen: piszmy!/napiszmy! (Lasst uns schreiben), piszcie!/napiszcie! (Schreibt!)

2.4 Zahlen

Bei größeren Zahlen wird im Polnischen zuerst der höhere Ziffernwert genannt: dwadzieścia jeden (21, „Zwanzig-Eins), sto pięćdzięsiąt siedem (157, „Hundert-Fünfzig-Sieben").

Gezähltes verlangt verschiedene Fälle, und zwar in folgenden Gruppen:

1 (21, 31, ...): Einzahl Nominativ
2, 3, 4 (22, 23, 24, ...): Mehrzahl Nominativ
5 – 20 (25 – 30, ...): Mehrzahl Genitiv

Hinzu kommt, ob es sich um Personalform oder Sachform handelt:

Maskulinum
Personalform
FemininumMaskulinum
Sachform
Neutrum
StudentStudentinKatzeSchreibtisch
ein, einejeden studentjedna studentkajeden kotjedno biurko
zweidwaj studencidwie studentkidwa kotydwa biurka
dreitrzej studencitrzy studentkitrzy kotytrzy biurka
vierczterej studencicztery studentkicztery kotycztery biurka
fünfpięću studentówpięć studentekpięć kotówpięć biurek

2.5 Einige Redewendungen

Hallo!Cześć!
Guten Tag!
(nicht zur Verabschiedung)
Dzień dobry!
Guten Abend!
(nicht zur Verabschiedung)
Dobry wieczór!
Auf Wiedersehen! (formell)Do widzenia!
Auf Wiedersehen! (informell)Do zobaczenia!
Bis später!Na razie!
Gute Nacht!Dobranoc!
Ich verstehe (nicht).(Nie) rozumiem.
Bitte langsamer sprechen.Proszę mówić wolniej.
In Ordnung.W porządku.
Wie geht es dir?Jak się masz?
Was gibt's? (wörtlich: „Was gibt's zu hören?“)Co słychać?
Nichts Neues.Nic nowego
Sehr gut.Bardzo dobrze
Wie ist Ihr Nachname, bitte?Jak się pani/pan nazywa?
Wie heißt du? (Erfragung des Vornamens)Jak masz na imię?
Woher kommst du?Skąd jesteś?
Woher sind Sie?Skąd pani/pan jest?
jatak
neinnie
Entschuldigung!Przepraszam!
Danke!Dziękuję!
Bitte sehr!Proszę bardzo!
Keine Ursache!Nie ma sprawy.
Nichts zu danken!Nie ma za co.
Guten Appetit!Smacznego
Alles Gute!Wszystkiego dobrego!
(Ich wünsche) einen angenehmen Aufenthalt.Miłego pobytu.
(Wünsche ich) ebenfalls.Nawzajem.
Wie viel Uhr ist es?Która godzina?
Wer ist das?Kto to jest?
Was ist das?Co to jest?