1. Kurzer Überblick über die Sprache

1.1 Wie die Sprache genannt wird

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1.2 Wo Makedonisch gesprochen wird: Eckdaten zu SprecherInnen und Sprache

Die makedonische Sprache, auch „Makedoslavisch“ genannt, ist die offizielle Amts- und Verwaltungssprache der Republik Makedonien. Die Zahl der SprecherInnen ist nicht leicht zu erheben und wird auf ca. 2,5 Millionen Menschen geschätzt. Davon leben laut jüngsten Schätzungen ca. 2 Millionen in der Republik Makedonien, in der 64,2% der EinwohnerInnen Slawen sind. 25,2% der Bevölkerung Makedoniens sind albanischsprachig; ebenso vertreten sind TürkInnen, Roma und Romni sowie SerbInnen.

Die benachbarten Länder, in denen dem Makedonischen verwandte Dialekte gesprochen werden, sind Albanien, Bulgarien und Griechenland. Allerdings wurde das Makedonische in diesen Ländern bis heute nicht als Minderheitensprache anerkannt. Quer durch die ganze Welt haben AuswandererInnen ihre Muttersprache verbreitet, z.B. in Australien, Kanada, den USA, Serbien, Montenegro, der Türkei und einigen Ländern der EU.

Das slawische Makedonisch darf nicht mit dem antiken Makedonisch verwechselt werden, welches zur Zeit Alexanders des Großen gesprochen wurde. Oft verwendet man zur Bezeichnung der slawischen Sprache auch den deutschen Begriff „Mazedonisch“.

Das Makedonische gehört zusammen mit Slowenisch, Kroatisch, Bosnisch, Serbisch und Bulgarisch zu den südslawischen Sprachen. Die Sprachgrenze zwischen Bulgarisch und Makedonisch ist  fließend, die zwei Sprachen sind eng verwandt. Aus diesem Grund wird das Makedonische auch heute noch fallweise abwertend als bulgarischer Dialekt bezeichnet. Das Makedonische hatte gewisse Probleme, sich als eigene Standard- und Literatursprache zu etablieren.

Die Republik Makedonien wurde erst 1945 als eine Teilrepublik des kommunistischen Jugoslawien gebildet. Von den Anfängen der Schriftlichkeit bis 1945 ist die Geschichte des Landes eng mit Bulgarien und Serbien verbunden. Auch andere Mächte versuchten, sich des Gebietes zu bemächtigen. Die osmanische Herrschaft währte bis in das Jahr 1913 und beeinflusste die Entwicklung des Landes entscheidend.

Im 9. Jahrhundert haben die Slawenapostel Kyrill und Method, beide aus dem Gebiet von Thessaloniki stammend, neben Griechisch auch eine slawische Dialektvariante gesprochen und ihre neue Schrift, die Glagolica, auch auf dem Gebiet der heutigen Republik Makedonien verbreitet. Einer ihrer Schüler, Kliment von Ohrid, entwickelte anhand dieser Schrift eine neue, vereinfachte Variante. Seinem Lehrer zu Ehren benannte er sie „Kyrillisch“. Sie ist bis heute die offizielle Schrift des Landes. Somit war das Gebiet des heutigen Makedonien von großer Bedeutung für die Entwicklung der slawischen Schriftlichkeit.

Unter der osmanischen Herrschaft, die seit dem 14. Jahrhundert bestand, konnten sich Literatur und Kultur nur langsam entfalten. Im 19. Jahrhundert begann sich aus dem zentral-makedonischen Dialekt ein Fundament zu entwickeln, auf dem die spätere Literatursprache aufbauen konnte. Eine Gruppe von Intellektuellen bestimmte die Kulturszene jener Zeit, darunter die Gebrüder Miladinov, Partenij Zografski, Rajko Žinzifov, Grigor Părličec, Kuzman Šapkarev. Sie setzten sich – in Abgrenzung zum Türkischen und Griechischen – für das „Slawische“ auf dem Balkan ein. Sie alle stammten aus Westmakedonien, wo damals auch die meiste Volkspoesie gesammelt wurde. Neben dieser Vorgeschichte waren der Bevölkerungsreichtum Westmakedoniens und die Verständlichkeit des dort gesprochenen zentralmakedonischen Dialekts für BewohnerInnen der anderen Landesteile weitere Gründe, weshalb dieser Dialekt im Jahr 1944 zur Standardsprache erhoben wurde. Ein weiterer Faktor ist nicht zu unterschätzen: Das Zentralmakedonische bot die Möglichkeit einer möglichst deutlichen Unterscheidung gegenüber serbischen und bulgarischen Dialekten.

Ihre Geburtsstunde als Standardsprache mit eigener Nationalliteratur erlebte die makedonische Sprache erst nach 1945.  Lyriker wie Blaže Koneski, Aco Šopov oder Slavko Janevski orientieren sich in erster Linie an der Volkspoesie, aber auch an der europäischen literarischen Moderne. ProsaautorInnen zogen bald nach, sodass die makedonische Literatur schon in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts immer reichhaltiger wurde. AutorInnen wie Slavko Janevski, Stale Popov, Taško Georgievski, Kole Čašule, Georgi Stalev, Živko Čingo, Gane Todorovski, Mateja Matevski, Simon Drakul, Petre M. Andreevski gestalten zum Teil bis heute die makedonische Literaturszene. Zur nachfolgenden, jungen Generation zählen Dragi Mihajlovski, Venko Andonovski, Maja Apostoloska und viele andere.

1.3 Sprach- und Kulturbrücken Makedonisch–Deutsch

Wenn auch die Verbindungen zu Österreich weniger eng waren, als dies in anderen Balkanregionen der Fall war, so haben doch einige Autoren des 19. Jahrhunderts Wien als Kulturzentrum kennen und schätzen gelernt. Der bekannte Dichter Konstantin Miladinov hat Wien auf dem Weg nach Moskau besucht, hier einige Zeit verbracht und der Gaststadt ein Gedicht mit dem Titel „Beč“ (Wien) gewidmet.

Das heutige Makedonisch weist nur sehr wenige Germanismen auf, die direkt übernommen wurden (eine der wenigen Ausnahmen ist das Wort „libe“).Einige Germanismen haben über das Serbische den Weg auch nach Makedonien gefunden. Diese werden meist phonetisch geschrieben und sind nicht immer als Germanismen zu erkennen: z. B. autošlep (Abschleppauto), šrafciger (Schraubenzieher), escajg (Esszeug – Besteck). Auch einige Internationalismen sind im heutigen Makedonisch zu finden, wie z.B. kompjuter, gramatika, telefon, auto.

In Österreich sind Makedonien, seine Sprache, Literatur und Kultur bis heute wenig bekannt. Obwohl es in Wien ein makedonisches Kulturzentrum gibt, scheint die Existenz des kleinen Landes auf dem Balkan kaum wahrgenommen zu werden. Makedonische Literatur wird kaum ins Deutsche übersetzt, Sprachkurse sind so gut wie nicht zu finden, und Makedonisch ist auch an den österreichischen Universitäten nicht als Studienfach vertreten.

Vereinzelte Kunstschaffende und ihre Werke finden dennoch den Weg nach Österreich. So ist im Drava Verlag in Klagenfurt im Jahre 2001 unter dem Titel „Das Haus am Ende des Dorfes“ eine Anthologie makedonischer Kurzprosa von AutorInnen, die auf Makedonisch oder auf Albanisch schreiben, erschienen. Einer der jüngsten Grazer Kulturstipendiaten, Nikola Madzirov, stammt aus Skopje, der Hauptstadt Makedoniens. Texte von ihm wurden im Rahmen des Stipendiums auch ins Deutsche übersetzt und publiziert.

1.4 Namen und Anrede

Personennamen werden im Makedonischen wie im Deutschen angegeben, allerdings haben die meisten Nachnamen je nach Geschlecht die Endung -ski (männlich) oder -ska (weiblich). Wenn die Frau sich für einen Doppelnamen entscheidet, steht üblicherweise der Mädchennamen zuerst: Biljana Lazarovska-Tasevska.

Vater: Aleksandar Tasevski
Mutter: Biljana Tasevska
Tochter: Radmila Tasevska
Sohn: Ilija Tasevski

Wie im Deutschen gibt es im Makedonischen eine Höflichkeitsform (Vi) und eine Du-Form (ti). Die Anwendung ist ähnlich wie im Deutschen.

Einen Unterschied zum Deutschen bildet das Ausschreiben der akademischen Grade bzw. Titel. Diese werden im Makedonischen nur im beruflichen Kontext verwendet, in Dokumenten (z.B. Reisepass, Heiratsurkunde) werden sie nicht angeführt, und TrägerInnen werden in Alltagssituationen (z.B. beim Arztbesuch) nicht mit ihrem Titel angesprochen.